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Flensburger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 12:05 Uhr

Die Jugend der Städtepartner zu Gast

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwölf polnische, elf britische und zehn Flensburger Jugendliche knüpfen Kontakt beim trilateralen Jugendaustausch

shz.de von
erstellt am 24.Aug.2014 | 08:57 Uhr

Angesichts leerer Kassen und gleichzeitig hoher Schuldenberge sind die Kommunen naturgemäß in der Pflicht, in ihren Haushalten rigoros Einsparmöglichkeiten zu sondieren. In Flensburg stand vor einigen Jahren auch der langjährige trilaterale Jugendaustausch mit den Partnerstädten Carlisle und Słupsk auf dem Prüfstand – mit der Gefahr, aus Kostengründen eingestellt zu werden. Die ist seit einem überfraktionellen Besuch beim britischen Partner im Vorjahr jedoch vom Tisch, die Teilnehmerzahl wurde sogar aufgestockt.

So nahmen in diesem Jahr 33 junge Mädchen und Jungen am 26. Trilateralen Jugendaustausch teil – zwölf aus Polen, elf aus Großbritannien und zehn aus der ausrichtenden Fördestadt. Knapp zwei Wochen lang, bis zum gestrigen Freitag, lebten sie gemeinsam in einem Hostel und durchlebten ein intensives Programm. Exkursionen beispielsweise zum nordfriesischen Wattenmeer gehörten dazu, die offizielle Einweihung des Słupsk-Park in Engelsby mit Kontakt zu Kommunalpolitikern, vor allem aber gezielte Gruppenaktivitäten wie ein Planspiel zum Klimawandel und Übungen zur Gruppendynamik. Angewandt wurden diese im Projekttag „Das Leben der anderen“, der Alltagsleben und Kultur der jeweils anderen Trila-Partner im Fokus hatte. Das vergangene Wochenende verbrachten die Teilnehmer bei Gastfamilien in der Region.

„Der Gruppenfindungsprozess verlief spannungsreich, in der ersten Woche relativ inhomogen. Bei solcher Gruppengröße und unterschiedlichen Mentalitäten überrascht das jedoch nicht“, sagt die verantwortliche Pädagogin und ‚Teamerin‘ Sarah Kietz. Das Programm sei zu Beginn vielleicht auch zu umfangreich gewesen. Die Gruppendynamik habe sich jedoch positiv entwickelt, wofür die Wiedersehensfreude nach dem Familienwochenende ein deutlicher Indikator gewesen sei. „Aufgrund ihres Verhaltens mussten zwei Teilnehmer aus Carlisle vorzeitig die Rückreise antreten“, bedauert Sarah Kietz, die den Jugendaustausch bereits mehrfach betreut hat.

Das Regenwetter habe beispielsweise eine gemeinsame Fahrradtour verhindert, ein Ersatz für die große Gruppe war in Flensburg spontan nicht zu organisieren, zumal die „Dienstsprache“ Englisch war. Die Busfahrt zum Hansa-Park habe die Stadt via Ferienpass ermöglicht. Und die Jugendlichen? „Werte und Normen haben sich über die Jahre spürbar in Richtung Konsumverhalten verändert“, sagt Sarah Kietz. Sie freue sich besonders über die schnelle Integration der polnischen Jugendlichen in die Gruppe, die früher eher introvertiert gewesen seien. Die britischen Teilnehmer seien da deutlich extrovertierter, die Flensburger befänden sich dazwischen. Ihr Fazit: „Die Gruppe hat sich zu einem Gemeinschaftsgefühl mit starken emotionalen Direktkontakten hin bewegt“, sagt Sarah Kietz zufrieden.

Beim abschließenden Gemeinschaftsabend war auch die Flensburger Kommunalpolitik anwesend. Arne Rüstemeier wollte sich über die positive Gruppenfindung informieren. „Wichtig ist ein echter Austausch, in dem sich unterschiedliche Kulturen kennenlernen und miteinander statt übereinander reden“, sagte der CDU-Chef. „Wir sehen hier ein gelebtes Europa mit Jugendlichen aus drei Systemen und mit drei Sprachen, die Brücken schlagen.

Angesichts vieler Krisen ist dies die Antwort, wie man es besser machen kann“, ergänzte Ellen Kittel-Wegner, Fraktions- und Jugendhilfeausschuss-Vorsitzende von den Grünen/Bündnis 90. Städtepartnerschaften kenne er aus anderen Regionen, wo sie sich häufig auf wohlwollende Funktionärsreden beschränkten, erklärte Helmut Trost. „Bei uns wächst sie von unten über die Jugendlichen der partnerschaftlich verbundenen Städte. Der Austausch darf auf der Vernetzungsebene gerne noch intensiver werden“, sagte der Fraktionsvorsitzende der SPD. Einig waren sich die Partei-Repräsentanten, dass der trilaterale Jugendaustausch unbedingt fortgesetzt werden müsse.

Rosie (16 Jahre) und Aaran (14) aus Carlisle waren sich einig: „Der Austausch ist eine gute Gelegenheit, junge Leute aus anderen Ländern kennenzulernen. Auch die Betreuer aus den Partnerstädten waren interessant. Das nette Erscheinungsbild und die saubere und ruhige Atmosphäre hat uns an Flensburg gefallen.“ Tomasz empfand die Fördestadt im Vergleich zu Słupsk als modern. „Außerdem hatte ich die Freundlichkeit uns gegenüber so nicht erwartet“, sagte der 16-Jährige. Jakub (17), ebenfalls aus der Nähe von Słupsk, hat die Flensburger Architektur beeindruckt, „besonders der Mix aus historischen und modernen Gebäuden.“

Der 17-jährige Kay, der die Fritjof-Nansen-Schule besucht, war kurzfristig von einem Freund auf den Kurs aufmerksam gemacht und erst zwei Tage vor Beginn angenommen worden. Der intensiv-persönliche Kontakt habe ihm sehr gefallen, auch dass Konflikte gemeinsam schnell gelöst wurden. „Insgesamt sind dies die schnellsten zwei Wochen meines Lebens gewesen“, sagt er - angesichts des jetzigen Kursendes ein wenig wehmütig. Alle Jugendlichen wollen beim nächsten Trilateralen Austausch 2015 in Słupsk unbedingt wieder dabei sein.




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