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Flensburg Ringstrasse : Die Jahrtausend-Allee wurde nur 17

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Von Minier-Motte und Bakterium verursachtes Baumsterben an der Ringstraße: Von 160 Kastanien wird keine mehr übrig bleiben

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2017 | 05:56 Uhr

Einen Baum zu pflanzen ist ja stets eine in die Zukunft gerichtete hoffnungsfrohe Aktion mit viel Symbolkraft. Das war auch kurz nach der Jahrtausendwende so, als 2001 an der Ringstraße acht kleine Kastanien gepflanzt wurde. Initiiert vom Taruper Verein für Naturnahes Spielen sollten sie die Vorboten von insgesamt 160 Kastanienbäumen sein, die auf dem Streckenabschnitt zwischen Sportplatz und Bahnbrücke eine Jahrtausend-Allee bilden sollten. Doch aus dem schönen Unternehmen wurde nichts. Alle Kastanien sind seit Jahren erkrankt und werden absterben. Die Jahrtausend-Allee wurde nicht mal 17 Jahre alt.

Ernst Friedrich Kroll gehörte zu den Geburtshelfern dieser Idee, die 1999 im Taruper Verein für Naturnahes spielen entstanden war. „Damals gab es wegen der bevorstehenden Jahrtausendwende einen bundesweiten Wettbewerb für die schönste Allee“, erinnert sich Flensburgs Stadt- und Grünplaner a.D. In Flensburg war die Ringstraße erste Wahl, weil sie als Hauptverkehrsweg tausender Schülerinnen und Schüler, die zwischen Sünderup, Tastrup, Ost-Tarup und den beiden Adelbyer Schulen das Zeug zu bleibenden Kindheitserinnerungen hatte. „Wir dachten damals noch in Kategorien wie Kastanien sammeln und Basteln im raschelnden Herbstlaub“, so Kroll. „Naja, das hat sich auch alles sehr geändert seither.“

2001 wurden die ersten acht Bäumchen gepflanzt, 150 weitere sollten folgen. Ursprünglich war beabsichtigt, die Bäume nach dem Vorbild der mächtigen Mecklenburger Alleen dicht an dicht zu pflanzen – aber das verhinderte ein Leitungsstrang auf der Taruper Seite der Ringstraße. Baum-Patenschaften sollten schließlich die Verbindung von Mensch und Natur abbilden, die damalige SPD-Umweltpolitikerin in der Ratsversammlung, Regina Porath, rief die Paten auf: „Besuchen sie ihren Baum ab und zu und freuen sie sich an ihm.“

Das hat sich erledigt – zumindest für die Kastanien. „Schon als die Idee entstand, wusste man um die Gefahr“, sagt Kroll. „In Südeuropa hatten die Kastanien arg mit der Minier-Motte zu kämpfen.“ Im Norden setzte man noch auf knackige Winter und eine – wenn überhaupt – nur langsame Ausbreitung der Motten. „Aber im fünften Jahr ging es auch hier los“, so Kroll.

Das Technische Betriebszentrum fällt seither regelmäßig erkrankte Bäume. Allein in diesem Winterhalbjahr sollen 28 Kastanien fallen. „Die Bäume sind unheilbar krank, leider“, sagt Geoffrey Warlies vom TBZ. Die Miniermotte würden sie noch überleben. „Schlimmer ist der gleichzeitige Befall mit dem Bakterium Pseudomonas, gegen das es noch kein Gegenmittel gibt. Beides zusammen ist für den Baum absolut tödlich.“ Das TBZ verfolgt dessen ungeachtet weiter den Allee-Gedanken und ersetzt gefällte Kastanien durch andere Baumarten – Birke, Buche, Hainbuche, Vogelkirsche, und Stieleiche, um nur einige zu nennen.

Eines Tages wird die Ringstraße also eine Allee sein. Ob es dann in Deutschland überhaupt noch Kastanien gibt, ist im Moment sehr fraglich, heißt im TBZ. 18 Jahre nach Beginn des Projektes ist aus der Kastanien-Symbolik ein Fanal geworden.

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