Menschen des Jahres 2017 Flensburg : Die Initiatoren des Klinik-Neubaus

Chefärzte für Klinikneubau: Dr. Ulrich Schoeder, Dr. Henning Schmidt, Dr. Friedrich Wrede (von links).
Chefärzte für Klinikneubau: Dr. Ulrich Schröder, Dr. Henning Schmidt, Dr. Friedrich Wrede (von links).

Als das Land 200 Millionen Euro zur Verfügung stellte, wurden sie nicht müde, die große Lösung zu verlangen: ein gemeinsames Krankenhaus

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18. November 2017, 06:13 Uhr

Eigentlich sind alle drei schon seit vielen Jahren im Ruhestand: Aber als in den Osterferien die Nachricht die Runde machte, dass die Landesregierung für die Erneuerung von Diako und Malteser St. Franziskus-Hospital zusammen fast 200 Millionen Euro zur Verfügung stellen wird, wollten sie nicht mehr ruhig bleiben. Wenn so viel Geld zur Verfügung steht, fanden der frühere Ärztliche Direktor der Diako Dr. Ulrich Schroeder (74), der frühere Chefarzt der Neurochirurgie Dr. Henning Schmidt (75) und der frühere Chefarzt der Unfallchirurgie Dr. Friedrich Wrede (74) – dann müsse endlich ein gemeinsamer Neubau einer Klinik am Stadtrand entstehen. Mit Erfolg: Ein halbes Jahr später hat die Planung für einen Klinikneubau am Peelwatt im Flensburger Süden begonnen.

Zwar ist es gewiss noch ein weiter Weg, bis zwischen der Peelwattbrücke und dem gleichnamigen Industriegebiet ein modernes 900-Betten-Klinikum entsteht. Es ist den pensionierten Chefärzten aber anzumerken, dass sie dieses rasche gemeinsame Einlenken von Oberbürgermeisterin, Kommunalpolitik, beiden Krankenhausträgern und dem Gesundheitsministerium nicht für möglich gehalten hätten: „Das war nicht zu erwarten, als die Initiative gestartet wurde“, sagt Ulrich Schroeder, der den 2006 gestarteten Klinikverbund, also die heute praktizierte Aufgabenteilung von Diako und St. Franziskus in seiner achtjährigen Zeit als Ärztlicher Direktor der Diako vorbereitet hatte.

Es ist für sie ein Erfolg von Bürgerengagement im besten Wortsinne – und die Diskussion und Meinungsbildung ein wahrhaft demokratischer Prozess. Genau 50 Leserbriefe haben die Chefärzte im Tageblatt in diesem Frühjahr gezählt, die Debatte verlief ganz überwiegend jenseits der politischen Kampflinien und inhaltlich auf erstaunlich hohem Niveau – ganz gleich ob Chefärzte, potenzielle Patienten, Krankenschwestern oder durch andere Aspekte Betroffene sich in den Diskurs einbrachten.

Die gesamte Diako abreißen außer der Kirche und Haus Pniel – nein, das haben sie von Anfang an für ein verrücktes Ansinnen gehalten. Henning Schmidt sieht das Engagement heute weniger als Initiative von drei Chefärzten, sondern als Lehrstück von Demokratie und Bürgersinn: „Es ist erstaunlich, was Bürgerwille bewirken kann“, sagt er – eine echte Repolitisierung der Bevölkerung.

Doch obwohl das Triumvirat der Chefärzte schon viel erreicht hat, verfolgen sie jede Wendung mit kritischer Distanz: „Ich warte, bis der Grundstein gelegt ist“, sagt Friedrich Wrede. Und Henning Schmidt weist auf eine der nächsten Klippen hin, die die Chefunterhändler des gemeinsamen Krankenhausneubaus noch zu umschiffen haben: „Unser großes Anliegen ist eine Trägerschaft“, sagt Henning Schmidt. Bislang gibt es zwei Verwaltungen, zwei Tarifverträge und vieles mehr. Sie halten es für die beste Lösung, wenn auch die Stadt in die Trägerschaft eingebunden wäre.

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