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Flensburger Tageblatt

21. September 2017 | 12:42 Uhr

Die Herausforderin

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Lange (39), Polizistin aus Überzeugung, wurde von ihrer Partei sowie CDU und Grünen nominiert

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2016 | 12:22 Uhr

Am 5. Juni wird gewählt. Für den Posten des Oberbürgermeisters stehen bereit: Jens Drews (parteilos), Simone Lange (SPD), Kay Richert (FDP) und der derzeitige Amtsinhaber Simon Faber (SSW). Wir stellen die vier Kandidaten in einer kleinen Reihe vor. Heute: Simone Lange.

Das Smartphone ist ein wichtiges Arbeitsgerät für Simone Lange. Nicht nur in Zeiten des Wahlkampfs ist sie jederzeit erreichbar, tippt Kurznachrichten, postet etwas auf Facebook. Doch während des Gesprächs bleibt es erstaunlich ruhig. Dafür wird sie aber vor dem Café auf dem Südermarkt häufig angesprochen und gegrüßt.

Sie hat sich Flensburgs zentralen Platz als Ort für das Treffen ausgesucht. „Er ist sicher nicht der schönste Platz“, sagt sie, „aber er ist ein Ort der Begegnung. Wir können ihn sicher schöner machen.“ Dafür müsse nicht immer gleich alles weg. „Komm, lass es uns doch gemeinsam versuchen!“, appelliert sie an die Flensburger.

Wird die Landtagsabgeordnete am 5. Juni oder bei einer möglichen Stichwahl gewählt, wäre sie die erste Frau an der Spitze der Flensburger Verwaltung. Und dazu vielleicht auch der jüngste Rathaus-Chef aller Zeiten. „Für mein Alter und mein Geschlecht kann ich nichts“, kommt die prompte Absage an dieses Thema. Sie kandidiere, weil Flensburg ihr eine Herzensangelegenheit sei. „OB sein zu können, ist eine persönliche Chance“, räumt sie ein. „Ich habe einfach Lust darauf.“ Gestalten mache ihr Freude, sie sei ein kreativer Mensch. „Es gibt eine große Bereitschaft der Menschen, zu gestalten.“ Die Menschen sollen nach einer Bürgerbeteiligung zufrieden nach Hause gehen. Sie wolle der Bürgerbeteiligung eine Verbindlichkeit geben.

Simone Lange ist in Thüringen aufwachsen, sie stammt aus Rudolstadt. Nach Schleswig-Holstein kam sie durch ihren Beruf. Anders als in vielen anderen Bundesländern konnte sie hier mit Abitur gleich im gehobenen Dienst der Landespolizei beginnen. „Ich suchte einen Beruf, in dem ich für Gerechtigkeit sorgen kann.“ Nach dem Besuch der Verwaltungsfachhochschule Altenholz, wo sie ihren späteren Ehemann kennen lernte, ging sie nach Flensburg. Die Polizei sei ein sehr attraktives Berufsfeld für sie.

Politisch sei sie während der Wendezeit geworden. Als Jugendliche habe sie begriffen, in welchem Staat sie aufgewachsen ist. „Wir haben erlebt, wie Nachbarn abgeholt wurden. Das war ein Unrechtsstaat“, und man habe sich auch gefragt, „was haben wir Unrechtes getan?“ Diese Gedanken prägten bis heute ihr Demokratieverständnis.

Ganz selbstverständlich nutzt Simone Lange soziale Netzwerke wie Facebook. „Dort ist der Großteil der Gesellschaft anzutreffen.“ Sie nimmt in Kauf, dass sich hier Privates und Berufliches vermischt. Ihre beiden Kinder finden allerdings auf ihrer Facebook-Seite – anders als noch vor Wochen – nicht mehr statt.

Für viele Flensburger ist die 39-Jährige nach wie vor das Gesicht der Flüchtlingshilfe. In den Wochen nach dem 9. September hat sie sich mehr als eine Nacht am Bahnhof um die Ohren geschlagen, war ständig erreichbar und avancierte zu einer der Koordinatorinnen der zahlreichen Hilfsaktionen. Die Initialzündung war bei ihr die gleiche wie bei vielen anderen. Sie war am Bahnhof, sah was los war und sagte sich: „Babys schlafen hier nicht auf dem Fußboden! So fing das an.“

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