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Flüchtlingskrise in SH : Die Helfer vom Flensburger Bahnhof packen ein

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Zahl der durchreisenden Geflohenen ist rapide zurückgegangen. Die Kleiderkammer am Bahnhof soll bleiben.

shz.de von
erstellt am 12.Jan.2016 | 08:00 Uhr

Flensburg | Nur zwei Flüchtlinge verlieren sich in der großen Halle, zwei Helfer am Info-Tresen, zwei Damen an der gut bestückten Essensausgabe. Das Bild am Flensburger Bahnhof hat sich grundlegend gewandelt. Vorbei sind die Zeiten, in denen bis zu 2500 Asylsuchende aus Syrien, Afghanistan, Eritrea oder anderen Ländern an einem einzigen Wochenende versorgt wurden. Sie wurden mit Bus oder Bahn auf die Reise nach Schweden geschickt oder aber für eine Übernachtung in eine der bereitgestellten Turnhallen oder einen leer stehenden Möbelmarkt.

Das Abebben des Flüchtlingszustroms hatte sich vor Weihnachten bereits deutlich bemerkbar gemacht. Als bekannt wurde, dass die dänische Regierung Passkontrollen wieder einführen würde, gab es Anfang des Jahres kaum noch Durchreisende – und die Zahl der Helfer ging parallel mit dieser Entwicklung ebenfalls zurück.

„In den vergangenen Tagen war es jeweils ein knappes Dutzend Geflohener, das hier Station gemacht hat und dann in Richtung Neumünster oder Dänemark weitergereist ist“, berichtet Nicolas Jähring, einer der Aktivposten bei der Organisation „Refugees Welcome“. „Wir müssen unsere Strukturen also langsam anpassen.“

Heißt, die Präsenz in der Bahnhofshalle soll sukzessive zurückgefahren werden. „Das soll nicht von heute auf morgen geschehen“, betont der 31-Jährige. Als sicher gilt, dass zunächst die Versorgung mit Lebensmitteln mehr oder weniger eingestellt wird. Der Info-Point soll bis auf Weiteres mit reduziertem Personalaufwand betrieben werden. „Wie es genau weitergeht, wird ja auch von der politischen Entwicklung abhängen“, sagt Jähring.

Ganz anders verhält es sich mit der Kleiderkammer, die sich erfolgreich in der ehemaligen Gepäckaufbewahrung der Bahn etabliert hat. Sie steht nicht nur Asylsuchenden, sondern auch anderen Bedürftigen offen und soll, wie deren Leiter Mario Roth bestätigte, dauerhaft erhalten bleiben. Zu diesem Zweck sei eine Vereinsgründung geplant. Alle künftigen Maßnahmen wollen die Ehrenamtlichen von „Refugees Welcome“ am Dienstag in einer größeren Runde erörtern.

An einem zentralen Punkt will man in jedem Fall festhalten: „Wir bleiben standby“, so Nicolas Jähring. Denn nicht nur in Flensburg rechnet man damit, dass größere Fluchtbewegungen noch ausstehen. Und wer das perfekte Helfer-Netzwerk einmal kennengelernt hat, weiß, dass man hier jederzeit blitzschnell auf veränderte Bedingungen reagieren kann.

Seit dem 9. September 2015 haben hier mindestens 150 aktive Helfer vorbildliche Arbeit geleistet – zum Teil bis zur körperlichen und psychischen Erschöpfung. Hinzu kommen unzählige Bürger, die mit Geld- und Sachspenden dazu beigetragen haben, dass das ehrenamtliche Engagement an der Förde bundesweit Beachtung und Anerkennung gefunden hat.

„Es ist etwas ganz Besonderes, dass sich hier Menschen dauerhaft zusammengefunden haben, die sich vorher völlig fremd waren“, sagt die Flensburger Landtagsabgeordnete Simone Lange (Bündnis Buntes Flensburg). Niemand hat sie exakt gezählt, aber es dürften über 50.000 Flüchtlinge gewesen sein, die am Bahnhof vor ihrer Weiterreise betreut wurden.

Die Zivilgesellschaft hat Flagge gezeigt. Doch die Arbeit ist noch lange nicht getan. Das weiß auch Simone Lange: „Alle, die weiterhin aktiv sein wollen, werden auch eine Aufgabe finden. Im Stadtgebiet wird jede helfende Hand gebraucht.“

 

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