Wiedervorlage im Sommer : Die Hafenbahn wird abgehängt

Hier trennen sich die Wege: CDU-Ausschuss-Mitglied Kurt Neumann an der Weiche 120, die abgebaut werden soll. Zum Hafen führen dann keine Schienen mehr.
Hier trennen sich die Wege: CDU-Ausschuss-Mitglied Kurt Neumann an der Weiche 120, die abgebaut werden soll. Zum Hafen führen dann keine Schienen mehr.

Aus der Traum vom Bahnhof am Zob? Die Deutsche Bahn baut die Weiche Wilhelminental ab. Die Strecke zum Hafen ist schon länger stillgelegt.

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22. Juli 2015, 08:00 Uhr

Flensburg | Wiedervorlage – so heißt in der öffentlichen Verwaltung, in der Politik oder bei der Justiz die Strategie, damit eine Akte nicht in Vergessenheit gerät. Die Tageblatt-Redaktion holt sich ab heute öffentliche Vorgänge „auf Wiedervorlage“, dass heißt, fragt nach, was aus diesem oder jenem Thema geworden ist. Bewusst startet die neue Serie mit Beginn der kommunalpolitischen Pause. So greift die Stadtredaktion Themen auf, die in der bisherigen Legislaturperiode liegen geblieben sind oder bei denen sich nichts bewegt. Zum Auftakt unserer Serie „Wiedervorlage im Sommer“: der Bahndamm in die Innenstadt.

Bis Januar 2014 galt das Thema als erledigt. Mehrheitlich hatte Flensburgs Kommunalpolitik das Thema eines Innenstadt-Bahnhofs im Januar 2013 beerdigt – aber eben nur scheinbar. Nur ein Jahr später nämlich feierte der lang gehegte Traum eines zentralen Eisenbahnhofs im Herzen der Stadt Wiederauferstehung. Diesmal sogar in einem größeren als dem lokalen Zusammenhang. Flensburg will gemeinsam mit Kommune Apenrade und der Region Syddanmark den Zug auf der Route Aarhus-Flensburg-Hamburg beschleunigen. Ein Gutachten soll Aussagen zur Sinnhaftigkeit eines Fernbahnhofs vor den Stadttoren liefern, ebenso zur Reaktivierung der Bahngleise nach Niebüll bzw. der alten Hafenbahn mit Haltepunkt am heutigen ZOB. Fahrplangemäß soll dieses Gutachten im Oktober präsentiert werden. Fahrplangemäß wird bis dahin allerdings auch die alte Hafenbahn vom Streckennetz der Deutschen Bahn getrennt sein. Die DB will im September mit der Demontage der Weiche 120 am Wilhelminental beginnen, die dahinter liegende Strecke wurde schon vergangenes Jahr stillgelegt.

Und daran ist nicht die Bahn Schuld. Unternehmenssprecher Egbert Meyer–Lovis zufolge wurde nach Ablauf des letzten Nutzungsvertrages die Strecke ab Weiche 120 Ende 2013 an die Stadtwerke Flensburg übergeben, die das Gleis dann stilllegten. „Wir werden ab September die baufällige Weiche ausbauen“, kündigt Meyer-Lovis an. „Für eine neue können wir keinen Bedarf erkennen.“

Den gäbe es wohl – nur finanzieren kann diesen Bedarf wohl keiner. Erstmals musste das Dampf Rundum in diesem Jahr ohne die imposante Abteilung Schienenverkehr auskommen, die bislang buchstäblich ein Schwerpunkt neben den Dampfschiffen gewesen war. Frank Petry, 2. Vorsitzender des veranstaltenden Fördervereins Alexandra, sieht den Verlust mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Sicher war die Dampfeisenbahn immer ein echter Hingucker. Aber ist es wirtschaftlich, dieses Gleis alle zwei Jahre für drei Tage Dampf Rundum vorzuhalten? Die Kosten kann unsere Veranstaltung nicht erwirtschaften“, argumentiert Petry, zumal die Eisenbahner teure Teilnehmer waren.

Kurt Neumann hingegen, Mitglied im Planungsausschuss und in der Arbeitsgruppe Bahn, ärgert sich. Eher per Zufall ist er auf die Ankündigung der Deutschen Bahn gestoßen, am Wilhelminental die Weiche stillzulegen, die das Gleis zum Hafen mit der Hauptbahn Flensburg-Neumünster und damit mit dem Rangierbahnhof Weiche verbindet. Ein solcher Schritt passe nicht zu den Überlegungen über einen neuen Bahnhofs-Standort und möglicherweise über einen Bahnhof am ZOB. Auf die formelle Veröffentlichung des Eisenbahn-Bundesamtes habe er als Bürger ein Schreiben an das Amt geschickt und auf die aktuellen Überlegungen hingewiesen. „Doch das Amt hat bis heute nicht einmal den Eingang des Schreibens bestätigt.“

Rathaussprecher Clemens Teschendorf ist bemüht, den Ball flach zu halten, den Oberbürgermeister Simon Faber mit seinem Zugehen auf die dänischen Nachbarn wieder aufs Spielfeld geworfen hat. Ja – der Abbau zu diesem Zeitpunkt sei ärgerlich, und nein – auf ewig abgehängt sei die Innenstadt dadurch nicht. „Wenn wir dieses Gleis wieder in Betrieb nehmen sollten, wäre der Einbau einer neuen Weiche im Verhältnis zur Gesamtinvestition wohl eher ein kleines Problem sagt er. „Wir freuen uns auf die Diskussion des Gutachtens im Herbst.“

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