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Flensburger Tageblatt

19. August 2017 | 17:09 Uhr

Die Grüne und das Rote Schloss

vom

Grünen-Chefin Claudia Roth ist erstmalig zu Gast in der Marineschule und spricht mit Kadetten

Flensburg | "Grottenschlechte Musik" ist der Grund für Claudia Roths Besuch in der Marineschule Mürwik. Die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/ Die Grünen war im Frühling vor einem Jahr zu Gast bei einer Veranstaltung im Deutschen Haus und flüchtete vor der Mugge in die Lobby. Dort stellte sich Roth, der ehemaligen Managerin der Band "Ton, Steine, Scherben", ein süddeutscher Kampfschwimmer vor, der offenbar den Musikgeschmack der Grünen teilt. Das Gespräch gipfelte in einer Einladung.

Und der kam Claudia Roth am Donnerstag nach - mit einer grünen Entourage und einem "romantisch verklärten Bild" von der Marine, gibt die Süddeutsche zu. "Was machen die da oben", fragt sie Kapitänleutnant René Ohnesorge, als Ausbilder die Abschluss-Übung der Offizieranwärter in der Takelage des Übungsmastes zeigen. "Da oben werden die Segel bedient", erklärt Ohnesorge und bestätigt: "Ja, auch bei Nacht." Als Roth erfährt, dass der wahre Mast des Segelschulschiffs "Gorch Fock" mit 48 Metern beinahe doppelt so hoch wie die 2,3 Millionen Euro werte Kopie an Land ist, flößt ihr das umso mehr Respekt ein. Und noch mehr, als sie hört, dass das Sicherheitssystem mit Gurten auf dem Festland umfangreicher ist, weil es an Bord in dieser Weise nicht praktikabel wäre.

Die Ausbilder in den Rahen klatschen in die Hände. Claudia Roth lacht und wundert sich. Das Klatschen solle verhindern, dass sich die Soldaten krampfhaft am Schiff fest klammern, begründet Lehrgruppenkommandeur Ivo Schneider den scheinbar unmotivierten Beifall.

Während die neue Crew VII/2013 in ihrer Ausbildung in "Mast und Takelage" erst noch sattelfest werden muss, wankt sie nicht auf politischem Terrain. Die Fragen der Offizieranwärter an die Bundesvorsitzende und ihre grünen "Freunde" aus Flensburg und Kiel haben Tiefe, berühren Syrien, die Uno. Ivo Schneider betont allerdings, dass in einer Bundesliegenschaft keine Politik gemacht werde. Das ist in Claudia Roths Sinne, die ihre Visite "explizit" nicht als Wahlkampfveranstaltung betrachtet. Natürlich. "Wer kommt von südlich der Linie Köln - Berlin?", möchte die Grünen-Vorsitzende zunächst einmal wissen. Denn die Tatsache, dass vier von fünf Kadetten für gewöhnlich aus dem Süden stammen, freut die Augsburgerin offensichtlich. Sie überrascht zudem, dass auch Offizieranwärter aus anderen als Nato-Ländern in Flensburg lernen, darunter aus dem Libanon oder Ghana.

Als sich Roth vorstellt, erzählt sie, dass innerhalb ihrer Fraktion und Partei immer "heftig" vor Abstimmungen über Bundeswehreinsätze debattiert werde. "Ist es denn zu verantworten, Soldaten in einen Einsatz zu schicken? Denn es geht um Leben und Tod", frage sie vor jeder Entscheidung. Ihre Antwort ist heute eine andere darauf als noch vor 15 Jahren. Damals sei sie "zutiefst überzeugt" gewesen, dass die Bundeswehr im Ausland nichts zu suchen habe. Doch der Wandel hat Claudia Roth wie die gesamte Partei erfasst. "Selbst ein Christian Ströbele machts sich nicht so leicht wie die Linke, die immer nein sagt."

Konsequent fragt einer die Grünen-Vorsitzende: "Für welchen Wert sind Sie bereit, uns in den Einsatz zu schicken?" Roth überlegt kaum, wiederholt, dass darüber "sehr, sehr intensiv diskutiert" werde. Ihr fällt auf, dass lediglich über Marine-Einsätze stets einhellig abgestimmt werde in der Fraktion. Dann hält sie fest, dass es Gewalt gibt und ein militärischer Einsatz zu einer politischen Perspektive führen könne. Einsätze mit bloßer symbolischer Wirksamkeit jedoch widerstreben ihr.

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erstellt am 09.Aug.2013 | 04:59 Uhr

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