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Vorfall in Eggebek : Die große Verunsicherung der Schäfer: War es ein Wolf?

vom
Aus der Redaktion der Schleswiger Nachrichten

Nur noch selten melden Schäfer, wenn ihre Tiere gerissen werden. Sie wollen nicht als Deppen dastehen.

Eggebek | War es ein Wolf? Am Mittwoch machten blutige Fotos von getöteten Schafen die Runde – dem Bauernverband wurden sie geschickt, einem Bürgermeister und schließlich landeten sie auch in unserer Redaktion. Die anschließende Recherche gestaltete sich schwierig. Letztlich stellte sich heraus, dass die Schafe vor wenigen Tagen westlich von Eggebek (Kreis Schleswig-Flensburg) gerissen wurden. Um wie viele Tiere es sich handelt, wo genau die Schafe getötet wurden und ob da möglicherweise ein Wolf zugeschlagen hat, blieb zunächst ungeklärt. Und das wird möglicherweise auch so bleiben, denn der Schafhalter ließ ausrichten, dass er sich zu der Angelegenheit nicht in der Öffentlichkeit äußern möchte.

Doch damit nicht genug – der Mann hat den Fall auch nicht offiziell gemeldet. „Ich habe zwar von einem Bekannten davon gehört, eine Meldung ist bei uns allerdings nicht eingegangen“, erklärte Wolfsbetreuer Jens Matzen, bei dem die Fäden zusammenlaufen, wenn es um Wolfsmeldungen in Schleswig-Holstein geht. Damit bleibt wohl auch ungeklärt, ob streunende Hunde oder ein Wolf für die Risse bei Eggebek verantwortlich waren. „Nach ein bis zwei Tagen ist es zu spät, um DNA-Spuren zu nehmen“, sagte Matzen, „darum muss ein Riss spätestens am folgenden Tag gemeldet werden.“ Da dies nicht geschehen sei, verliere der Tierhalter auch seinen Anspruch auf eine Entschädigung. Die wird gewährt, wenn sich herausstellt, dass es tatsächlich ein Wolf war, der die Tiere getötet hat.

„Es ist schade, dass der Kollege das nicht gemeldet hat“, sagt die promovierte Tierärztin und Schäferin Uta Wree, „damit schaden wir Schäfer eigentlich uns selbst.“ Sie hat allerdings in der letzten Zeit immer wieder mitbekommen, dass Risse von Schafen nicht gemeldet werden. Auch sie selbst habe einen Fall nicht weitergegeben, bekennt sie und nennt auch den Grund: „Wir wollen einfach nicht immer als Deppen dastehen. Immer wenn unsere Tiere getötet werden, wird uns auch noch die Schuld dafür zugeschoben.“ Sie und ihre Kollegen hätten es einfach satt, gesagt zu bekommen, sie müssten Zäune ziehen oder einfach besser aufpassen. „Das geht in Schleswig-Holstein mit den vielen Knicks einfach nicht.“

Uta Wree wird emotional, wenn es um getötete Schafe geht. „Es macht Kummer, wenn es in der Herde aussieht, als habe dort ein Kettensägen-Massaker stattgefunden. Dann fühlt man anderes als jemand, der auf dem Balkon sitzt und sich Wölfe in Hochglanz-Bildbänden anschaut.“ Ärgerlich wird Uta Wree auch, wenn sie über gewisse Wolfsschützer spricht. „Es gibt Vorträge, in denen Nabu-Damen tatsächlich mit Rotkäppchen-Handpuppen auftreten. Aber das Leben ist nun mal kein Puppenspiel.“

Die engagierte Schäferin spricht allerdings auch über Geld. „120 Euro gibt es als Entschädigung für ein Mutterschaf, das vom Wolf gerissen wird. Das entspricht dem Wert des Tieres – aber dafür muss ein enormer bürokratischer Aufwand betrieben werden. „Ich kann es mir eigentlich nicht leisten, einem Betreuer stundenlang Rede und Antwort zu stehen und mich dem ganzen zusätzlichen Papierkram zu widmen.“ Sie kann durchaus nachvollziehen, dass Kollegen den Aufwand und die Aufmerksamkeit scheuen, dennoch plädiert sie eindeutig dafür, Risse zu melden. „Aber zurzeit sind wir alle ziemlich gereizt.“

Das bestätigt auch Edda Riedel vom Beratungsring für Schafhalter. „Die Tiere sind jetzt trächtig und es besteht eine ungeheure Verunsicherung unter den Schafhaltern. Alle wissen, dass Wölfe unterwegs sind, aber niemand kann sich sicher sein, wann und wo sie zuschlagen. Das ist für unsere Leute eine Existenzfrage.“

Zu dieser Verunsicherung trage ganz entscheidend die lange Wartezeit zwischen einem Riss und der Mitteilung bei, ob ein Wolf am Werk war oder nicht. „Ich habe gerade von einem Fall gehört, der sich im August abgespielt hat – und erst jetzt, sechs Monate später, liegt das Ergebnis vor. Es war kein Wolf.“ Aber diese Wartezeit sei für die Schafhalter kaum zu ertragen, weil sie immer mit der Möglichkeit rechnen müssten, dass sich in ihrer Gegend tatsächlich ein Wolf herumtreibt. „Das macht die Leute verrückt.“ Wenn die Halter schnell Sicherheit hätten, könnten sie die Schafe in Sicherheit bringen – so bleibe nur Verunsicherung. Warum es bis zu einem Untersuchungsergebnis so lange dauert, dazu wollte sich Edda Riedel nicht äußern: „Das weiß ich nicht, aber ich habe den Eindruck, dass die Leute den Wolf immer noch nicht auf dem Zettel haben.“

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erstellt am 24.Feb.2017 | 16:27 Uhr

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