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Flensburger Kitas : Die große Erzieher-Offensive

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In der Stadt entstehen rechnerisch 150 Vollzeitstellen: Hauseigentümer und Mieter zahlen ab 1. Januar indirekt dafür durch höhere Grundsteuer

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erstellt am 28.Dez.2016 | 12:27 Uhr

Es ist ein Projekt, das landesweit ohne Vorbild ist und mit dem Flensburg sich bei der Qualität der Kindertagesbetreuung der Krippenknirpse (1 - 3 Jahre) und Kita-Kinder (3 - 6) auf einen Schlag an die Spitze setzen soll. Jede der 241 Kita-Gruppen in Flensburg kann ab Januar mit einer halben Erzieherstelle mehr planen als bisher. Dann soll es in den Kitagruppen zwei statt bislang 1,5 Erzieher (pro 20 Kinder) geben und 2,5 statt bislang zwei Erzieher für zehn Kinder in Krippengruppen. Bislang können Kitas kaum Mitarbeiter zur Fortbildung schicken, und bei Krankheit ist eine Vertretung schwer organisierbar.

Zum Paket der Qualitätsoffensive gehören auch zusätzliche Heilpädagogik und längere Öffnungszeiten (9. und 10. Stunde). Eine Flensburger Kita-Gruppe hat künftig Anspruch auf fünf Stunden Heilpädagogik pro Woche – eine Kita mit vier Gruppen kann damit eine halbe Stelle schaffen. Rechnerisch entstehen zum Jahreswechsel also rund 60 neue Halbtagsstellen für Heilpädagogen in der Stadt. Dabei gilt für diese genauso wie für die gesuchten neuen Erzieher: „Die Stellen finden wir nicht auf der Straße. Der Markt gibt das nicht her“, ahnt Bildungsfachbereichsleiter Wolfgang Sappert. Dennoch spürt die Stadt große Aufmerksamkeit in der Erzieherszene für die Kita-Offensive. Die zuständige Kita-Referentin Almut Ritter berichtet von mehr als 70 Bewerbungen in drei Runden. Dabei hat sich die Stadt auch überregional auf die Suche gemacht: „Es ist nicht unser Ziel, uns gegenseitig die Kräfte wegzunehmen“, sagt Ritter. Bis nach Hamburg seien Erzieher an den neuen Stellen in Flensburg interessiert. „Die besseren Arbeitsbedingungen und die gute Qualität führen dazu, dass sich mehr Leute bewerben“, sagt die stellvertretende Fachbereichsleiterin Maren Jensen. Während Krippenkinder im Hamburg zum Beispiel mit einem Schlüssel von 1:7,6 betreut würden, liege die Quote in Flensburg derzeit bei 1:5 und künftig bei 1:4.

Die Herausforderung für die Stadt ist also, wechselwillige Erzieher nach Flensburg zu bekommen. Deshalb werden bereits mit Arbeitsagentur, Jobcenter und der Hannah-Arendt-Schule als zuständiger Ausbildungsstätte Gespräche geführt, wie mittelfristig mehr Erzieher ausgebildet werden können. Die Hannah-Arendt-Schule habe ihr Ausbildungsprogramm bereits erweitert. Zuletzt waren die Ausbildungszahlen insgesamt eher rückläufig als steigend. „Wir rechnen nicht damit, dass wir 2017 alle Stellen besetzt kriegen“, sagt Wolfgang Sappert. Schnell könne der verbesserte Stellenschlüssel überall dort umgesetzt werden, wo Teilzeitkräfte daran interessiert seien, ihr Stundenkontingent zu erhöhen. Zahlreiche Arbeitsverhältnisse seien zudem entfristet worden. Realistisch sei, dass man im Februar damit beginnen könne, die offenen Stellen zu besetzen. Zwölf Bewerber hätten bereits eine Zusage bekommen. Für die derzeit 51 Gruppen in den städtischen Kitas wurden 25,5 Vollzeitäquivalenz-Stellen für Erzieher und 6,54 für Heilpädagogen neu in den Stellenplan aufgenommen. Fachbereichsleiter Wolfgang Sappert hofft, bis 2019/20 das Projekt komplett umgesetzt zu haben.

Übrigens: Mit der rund sieben Millionen Euro teuren Qualitätsoffensive wird Flensburg ab 1. Januar allerdings auch – abgesehen von Zwangsgrundsteuererhöher Glücksburg – Spitzenreiter bei der Grundsteuerlast in ganz Schleswig-Holstein. Der Anstieg beim Hebesatz um 210 Prozentpunkte auf 690 Prozent hievt Flensburg weit vor Hamburg, Kiel und Lübeck fast auf das Niveau von Bremen.

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