Flensburger Schiffbau-Gesellschaft : Die Größte zum Schluss

208 Meter lang, Tragfähigkeit 20 000 Tonnen: Die U.N. Istanbul ist das größte Schiff für den treuesten FSG-Kunden U.N. RoRo. Foto: Michael Staudt
208 Meter lang, Tragfähigkeit 20 000 Tonnen: Die U.N. Istanbul ist das größte Schiff für den treuesten FSG-Kunden U.N. RoRo. Foto: Michael Staudt

Nach 12 Jahren Partnerschaft fand gestern der vorerst letzte Stapellauf für türkischen Großkunden statt: 208 Meter lange "U.N. Istanbul" getauft.

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10. Februar 2013, 09:35 Uhr

Flensburg | Nach einer Reihe eher schmuckloser technischer Stapelläufe herrschte gestern auf dem Gelände der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft Volksfeststimmung. Die war dem Koloss geschuldet, der in der Werfthalle darauf wartete, in sein Element zu gleiten. Baunummer 755 der FSG, größtes und vorerst letztes aus einer Serie von 15 Schiffen für die U.N. RoRo. Gute Gründe, ein wenig zu feiern, vielleicht auch ein guter Grund, ein Schiff endlich "Istanbul" zu taufen.

Weit über 500 Menschen waren zum Stapellauf gekommen. Darunter viele Kinder der FSG-Mannschaft, die munter mit türkischen Wimpeln winkten. Das wiederum freute mehr als 80 Menschen aus Istanbul, die zum Stapellauf in den Norden gekommen waren. U.N.-Reederei-Chef Sedat Gümüsoglu führte eine 80-köpfige Delegation an, die von einigen türkischen Reporterteams begleitet wurde. "Wenn eines der bekanntesten und erfolg reichsten Unternehmen in Flensburg ein großes RoRo-Schiff kauft, ist das eine Nachricht", freute sich Raimon Strunk, einer der vier Verkaufsdirektoren.

Es war wohl mehr als bloß das. FSG-Chef Peter Sierk sagte es ebenso wie sein Kollege Sedat Gümüsoglu: Beide Unternehmen verbindet eine lange Partnerschaft, die auch durch schwere Zeiten getragen hat. Seit 2001 lässt der treueste Kunde des Flensburger Unternehmens seine RoRo-Schiffe an der Förde bauen. Preis pro Einheit immerhin zwischen 50 und 70 Millionen Euro. Diese Freundschaft, dankte Sierk den türkischen Gästen, habe es überhaupt ermöglicht, dass die FSG der weltweit erfolgreichste Produzent in diesem Segment werden und den Grundstein einer klassischen Win-Win-Situation ausbauen konnte: Die ständige Verfeinerung des ursprünglichen Entwurfs sorge dafür, dass die Kunden nicht nur das erfolgreichste, sondern auch das beste Produkt bekommen.

Der Kunde jedenfalls war hochzufrieden. "She’s a beautiful Lady", strahlte Gümüsoglu auf der Ehrentribüne, eine wunderschöne Dame. Auch er erwähnte die Erfolgsstory, die beide Unternehmen durch RoRo verbindet. Und natürlich wünschte er sich, dass dieses mit 208 Metern Länge, 20 000 Tonnen tragende Schiff im Pendelverkehr zwischen dem italienischen Triest und Istanbul dem Unternehmen noch viele wirtschaftlich erfolgreiche Jahre bescheren möge.

Traditionell ist die Taufe eines Schiffes Frauensache. In diesem Fall war dafür die Frau des türkischen Generalkonsuls in Hamburg, Nilgün Öztürk, zuständig. Nachdem die Champagnerflasche problemlos am Rumpf zerschellt war, glitt der Rumpf der blau-weißen U.N. Istanbul ebenso problemlos in sein Element. Das Schiff wird in den nächsten Wochen an der Ausrüstungspier fertig gebaut. Abgabetermin ist im April.

Damit ist das Kapitel U.N. für Flensburg (vorerst) vorbei. Aber andere Kunden warten schon. Im Orderbuch befinden sich Aufträge für eine ConRo-Fähre für Oceanex (Kanada), zwei multifunktionale Projektladungsschiffe für Rolldock (Niederlande), zwei Offshore-Seismik-Schiffe für WesternGeco (England) sowie eine RoPax-Fähre für CMAL (Schottland) - alle Kunden waren gestern übrigens ebenfalls vertreten. Gut möglich also, dass nach dem Serien- nun der Spezialschiffbau die FSG weiter trägt. "Wir investieren in die Zukunft", sagt Strunk selbstbewusst. Wir haben im vergangenen Jahr 40 neue Leute für den Bereich Forschung eingestellt. Ich denke, das ist ein klares Signal."

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