Aktion Mensch des Jahres 2013 : Die Gesichter der Courage

Gute Sache:   Brauerei-Geschäftsführer Andreas  Tembrockhaus  (links) unterstützt die Aktion Mensch gerne, die in diesem Jahr (v.l.)  Christian Petersen, Maximilian Green, Siegerin Ruth Muschalla, Gisela Mikolajewicz, Maike Jessen und Denise Reichenbach zur Wahl vorschlug. Stadtpräsidentin Swetlana Kretzschmar im weißen Blazer nahm die Ehrung vor.
Gute Sache: Brauerei-Geschäftsführer Andreas Tembrockhaus (links) unterstützt die Aktion Mensch gerne, die in diesem Jahr (v.l.) Christian Petersen, Maximilian Green, Siegerin Ruth Muschalla, Gisela Mikolajewicz, Maike Jessen und Denise Reichenbach zur Wahl vorschlug. Stadtpräsidentin Swetlana Kretzschmar im weißen Blazer nahm die Ehrung vor.

1500 shz-Leser beteiligten sich an der Wahl. Klares Votum für Ruth Muschalla und ihre Verdienste um die Rettung verletzter Tiere in der Tierauffangstation Hüllerup

shz.de von
20. November 2013, 10:00 Uhr

Die Tiere hätten auch für sie gestimmt. Vielleicht erklärt das auch den Vorsprung, mit dem Ruth Muschalla bei der Leserabstimmung zum Menschen des Jahres gewählt wurde. Ausdruck der umfassenden Anerkennung einer Lebensleistung aus Liebe zur Kreatur, für die Flensburgs Stadtpräsidentin Swetlana Krätzschmar die 79-Jährige am Montagabend in der Phänomenta auszeichnete.

Und nicht nur sie. Rund 100 Gäste waren zu der gemeinsamen Veranstaltung des sh:z und der Flensburger Brauerei gekommen, um Ehrenamt und Courage zu ehren. Und in dieser Hinsicht hatte Muschalla würdige Vertreter an ihrer Seite.

Maximilian Green (14) und Christian Petersen aus Kleinwiehe zunächst, die sh:z-Redakteurin Antje Walther vorstellte. Die beiden Freunde hatten auf dem Nachhauseweg vom WaldSchwimmbad Lindewitt nach einem Unfall einem Rentner geistesgegenwärtig Erste Hilfe geleistet. Beste Freunde, die sie sind, kamen die beiden Jugendfeuerwehrleute im Uni-Look: „Ich hab’ Zivilcourage und Du?“ stand auf den T-Shirts, die ihnen Feuerwehrkameraden nach der Rettungstat anfertigen ließen.

Oder Denise Reichenbach und Maike Nissen. Die beiden Angestellten des Media-Markts im Citti-Park fanden sich unversehens in einer ähnlichen Situation wieder, als ein Kunde einen Herzanfall erlitt. Sein Überleben verdankte er den schnellen und beherzten Wiederbelebungsmaßnahmen der beiden Frauen. „Eine Selbstverständlichkeit“, meinte zwar Ersthelferin Maike Nissen, doch ihr Interviewer Gunnar Dommasch war nicht so sicher, ob das jeder jederzeit könne. Für alle Zweifler hatten die jungen Frauen einen guten Rat parat. „Nichts zu tun, das ist das Schlimmste.“

Nichtstun kommt für Gisela Mikolajewicz ohnehin nicht in Frage. Die Ur-Flensburgerin spult auch mit 80 Jahren in ihrer Lieblingsstadt Jahr Dutzende Kilometer ab. Und wo andere 20 Minuten benötigen, vergehen bei Mikolajewicz anderhalb Stunden – die sinnvoll gefüllt sind, denn sie weiß über Flensburg manches, was selbst Urgesteine nicht über Flensburg wissen. Nur als Lockerungsübung nahm sie die Gäste im Gespräch mit sh:z-Urgestein Gerhard Nowc mit auf eine Zeitreise nach Klein Westerland und dem angrenzenden Göttich-Park, ein verwunschenes Kinder-Paradies in der Vergangenheit, das jetzt unter Sonwik und der Unterführung der Mürwiker Straße durch den Ziegeleiweg begraben liegt.

Sie alle verbindet mit Ruth Muschalla, was Andreas Tembrockhaus, Geschäftsführer der Flensburger Brauerei, in seiner Laudatio als menschliche Eigenschaft überaus schätzt: Rückgrat. Muschalla, die in ihrer Tierauffangstation einer nicht mehr feststellbaren Zahl von Geschöpfen durch Aufnahme und tierliebende Pflege das Überleben ermöglicht hat, steht als Mensch des Jahres auf einer landesweit bedeutenden Liste. „Jeder hat den ersten Preis verdient, der es auf diese Liste geschafft hat“, betonte sh:z-Chefredakteur Helge Matthiesen. Er dankte den sechs Kandidaten für ihre Teilnahme. Auch aus Sicht des Ehrenamtes. „Es hilft der Sache, dem Ehrenamt ein Gesicht zu geben.“ Die Schleswig-Holsteiner, so die Erkenntnis aus zwölf Jahren Aktion Mensch des Jahres engagieren sich gerne. „Und auch das“, so Matthiesen, „macht glücklich.“

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