Um 4 Uhr beim Gemüsehändler : Die geheimen Gesetze des Marktes

4.45 Uhr: Biobauer Boy Gondesen lädt seinen Lastwagen aus. Foto: jolly
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4.45 Uhr: Biobauer Boy Gondesen lädt seinen Lastwagen aus. Foto: jolly

Auf dem Südermarkt öffnet der Wochenmarkt um 7.30 Uhr - drei Stunden davor laufen die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren.

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04. Juli 2012, 04:44 Uhr

Flensburg | Thomas Fürstenberg ist immer der Erste und immer der Letzte. Wenn sich jemand am Mittwochmorgen um vier Uhr auf dem Südermarkt verirrt, wird er feststellen: Vom Wochenmarkt ist zwar noch wenig zu erkennen. Aber Fürstenberg ist schon eine halbe Stunde da: Seit 3.30 Uhr ist er am Stand - und um 15.15 Uhr wieder weg.
Mit dem Aufbau startet er vier Stunden vor Verkaufsbeginn um 7.30 Uhr mit zwei bis drei Leuten: "Wir haben eben ein großes Sortiment von Ananas bis Zwiebel", sagt der Obst- und Gemüsehändler aus Langballig, während ein Mitarbeiter wissen will, wie das Obst präsentiert wird: "Sollen wir erst blaue oder helle Trauben machen?"
Nektarinen nach vorne und Aprikosen nach hinten
Um 2.40 Uhr steht Fürstenberg an Markttagen auf. "Das muss man mit Herzblut machen oder gar nicht", sagt er bestimmt, während der Mitarbeiter wissen will, wo die Zucchini sind. Zweimal pro Woche fährt Fürstenberg außerdem nach Hamburg zum Großmarkt. Sonntagabend um 23 Uhr zum Beispiel steigt er in seinen Gemüselaster, um Montagnacht zwischen zwei und sechs Uhr persönlich auf dem Gemüsegroßmarkt auszusuchen. Um 9 Uhr ist er dann wieder zu Hause in Langballig: "Das muss man mit 120 Prozent machen oder es lassen", findet Fürstenberg, bevor es weitere Präsentationsfragen zu bewegen gilt: "Nektarinen nach vorne und Aprikosen nach hinten." Und wo sind jetzt die kernlosen Trauben?
Der Aufbau des Wochenmarktes auf dem Südermarkt folgt ungeschriebenen, aber festen Gesetzen. Nach Fürstenberg kommt zwischen 4.15 Uhr und 4.30 Uhr Gemüsebauer Boy Gondesen aus Ausacker mit seinem Biosortiment. "Es ist eigentlich selten, dass jemand zu spät kommt und wieder eingeklappt werden muss", erzählt er und zeigt die Markierung für den Reifen unter dem mobilen Verkaufsstand. Die ersten Schlachter rollen erst um kurz nach fünf hier an - und die Gärtner, die in der ersten Reihe vor der Südermarkt-Apotheke stehen, als letztes. Was wohl passieren würde, wenn die Marktverkäufer mit den äußeren Ständen zuerst da wären? "Dann funktioniert die ganze Aufbauerei nicht", sagt Gondesen.
Kleines logistisches Meisterwerk
Die Aufbauerei ist in Wahrheit also ein kleines logistisches Meisterwerk. Für Gondesen hat der Markttag um drei Uhr in seiner Gärtnereihalle in Ausacker begonnen. Ist die Ware okay? Das Packen und Laden am Hof macht er allein. Auf dem Südermarkt zum Auspacken wartet schon Mitarbeiter Jan Fehlhaber. Sie sind ein eingespieltes Team, plaudern beim Aufbau über Fußball, St. Pauli und die EM. In den Spitzenzeiten der EM-Euphorie hat er sogar Cherrytomaten in schwarz-rot-gold angeboten. Wobei die dunklen nicht wirklich schwarz waren.
Mindestens zwei Drittel seiner Ware kauft Gondesen auch zu, wobei er nicht selbst auf den Großmarkt fährt, sondern telefonisch bestellt: "Natürlich ist es ein schöner Job, die Ware in Augenschein zu nehmen.", sagt er. Aber mit seinen Markttagen in Flensburg, Harrislee, Husum und Schleswig sei das nicht zu machen. Er ordert telefonisch.
Wann schläft ein Marktverkäufer?
Eine halbe Stunde ausladen, zweieinhalb Stunden aufbauen, anrichten und Probierstückchen schneiden: "Wir könnten gut zwei Stunden später anfangen und zwei Stunden länger machen", findet Gondesen. Dabei hat er nicht das frühe Aufstehen im Blick, sondern vor allem die Kundschaft, die speziell sonnabends bestimmt noch gerne später über den Markt schlendern würde: "Wir müssen um 15.30 Uhr vom Platz sein", sagt er, weiß aber auch, dass diese Meinung nicht von allen Marktleuten geteilt wird.
Zurück zum Stand der Fürstenbergs, wo auch Sohn Dyke mithilft. Mit sechs Jahren habe er zum ersten Mal hier Kürbisse verkauft, erzählt der angehende Abiturient. Vater Thomas macht den Job schon seit 28 Jahren.
Ist eigentlich nur noch eine Frage zu klären: Wann geht ein Marktverkäufer schlafen? Boy Gondesen lacht: "Ich bemühe mich, nach der Tagesschau zu Bett zu gehen. So diszipliniert bin ich aber selten."

In der Sommerserie "24 Stunden Flensburg" begeben wir uns an die unterschiedlichsten Orte der Stadt - jeweils für eine Stunde. Heute Teil 3: Aufbau des Wochenmarktes auf dem Südermarkt.

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