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Bundespräsidenten in Flensburg : Die Furcht vor dem Glanzschatten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wie die dänische Königin Margrethe II. einmal einem Bundespräsidenten die Show stahl.

shz.de von
erstellt am 04.Okt.2017 | 11:37 Uhr

Es ist wirklich auch höchste Zeit, dass mal wieder jemand kommt. Theodor Heuss kam gleich nach Gründung der Bundesrepublik vorbei, seine Nachfolger aber nahmen sich Zeit, um mal zu schauen, wie’s so läuft in der nördlichsten großen Stadt ihrer Republik. Immerhin konnte Flensburg darauf bauen, dass wenigstens alle zehn Jahre ein Präsident auftritt. Aber seit Johannes Rau – Funkstille. Köhler nicht, Wulff nicht, Gauck nicht. Fehlanzeige. Ob das mit Margrethe II. zu tun hat? Hat die Möglichkeit des plötzlichen Erscheinens einer Königin die letzten drei Präsidenten etwa vergrätzt? Majestät weilte am 20. Juli 1998 in der Fördestadt, um ihre Ausstellung in der dänischen Zentralbibliothek zu eröffnen. Außerdem machte sie ja – wie fast jedes Jahr – sowieso Urlaub um die Ecke in Gravenstein.

Ob Herzog das erwartet hatte? Tausende von Menschen säumten die Straßen, aber nicht, um einen Blick auf ihn zu werfen, sondern auf die dänische Monarchin zu erhaschen. Roman Herzog und die damalige Ministerpräsidentin Heide Simonis waren mehr oder minder Gefolge des Königspaares. Der bürgerliche Herzog stand hier in der nördlichsten Stadt seiner Republik tapfer auf seinem verlorenen Posten. Wo die Wagenkolonne auch auftauchte, die Blicke der tausender Menschen, die Sucher hunderter Fotografen, blieben zuerst bei der Königin hängen. Das Klatschen des Volkes galt nur ihr und die rot-weißen Dannebrogs in den Fenstern sowieso.

Das lag natürlich nicht nur am schicken Kostüm. Das lag auch daran, dass Margrethe II. einen richtigen Hofstaat mit einem prächtigen Marschall und einen dunkelblauen Daimler mit weißlivrierten Fahrern mitgebracht hatte, während Herzog nur in Begleitung von anthrazitgrauen Security-Leuten in einem anthrazitgrauen Mercedes Benz angereist war. Da läuft es in Flensburg für einen Präsidenten, einen bayerischen zumal, ganz zwangsläufig auf ein Auswärtsspiel hinaus. Schön, dass es der Westfale Frank Walter Steinmeier jetzt trotzdem wieder versucht. Margrethe II. hat auch nicht verlauten lassen, dass sie für Donnerstag einen Flensburg-Besuch erwägt. Sturmfreie Bude, Herr Präsident! Bitte kommen!

Besuche  der Präsidenten

Am 29. Oktober 2002 besuchte Bundespräsident Johannes Rau Flensburg.

20. Juli 1998 Roman Herzog.

16. Juli 1988  Richard von Weizsäcker

16. Juni 1984  Karl Carstens.

13. Juni 1978 Walter Scheel.

14. März 1970  Gustav Heinemann.

21. Juni 1960 Heinrich Lübke.

18. Januar 1950  Theodor Heuss.

Die Bundespräsidenten Horst Köhler, Christian Wulff und Joachim Gauck haben Flensburg nicht besucht.

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