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Modell-Kita : Die freien bekommen zu wenig Geld

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadtverwaltung zieht gleich drei Vorlagen für den Jugendhilfeausschuss nächste Woche zurück.

Neue Nachrichtenlage oder die Initiative einer Fraktion – dass die Stadtverwaltung die Vorlage für einen Ausschuss zurückzieht, kommt immer mal wieder vor. So ist es nicht pe se ungewöhnlich, dass die Stadtpressestelle gestern Vormittag mitteilte, dass die Vorlage „FA-147/2015 Evaluation der Modell-Kita“ samt Kita-Förderung und -Haushalt für den Jugendhilfeausschuss am 2. Dezember zurückrief.

Wenn langjährige Ratspolitiker, die hier lieber nicht genannt werden wollen, aber sprachlos den Kopf schütteln, ist es diesmal wohl anders. Es geht um die Evaluation der sogenannten „Modell-Kita“, einer Art kindergartenspezifischem Warenkorb, in dem die Kosten der laufenden Bezuschussung überprüft wurden. Im Prinzip sind die Zuschüsse für die elf städtischen und rund 50 freien Trager in Flensburg nämlich gleich. Unterschiedlich ist dagegen der sogenannte Trägeranteil.

„Im Jahr 2014 haben alle Träger von Kindertagesstätten tatsächlich 6 bis 8 Prozent höhere Ausgaben getätigt, als in der Modellkita vorausberechnet wurde“, heißt es in einem Brief der neuen Interessengemeinschaft der freien Kita-Träger KIG. Der nachgewiesene Trägeranteil habe also im vergangenen Jahr nicht bei sieben, sondern zwischen 13 und 15 Prozent gelegen. Den höheren Trägeranteil decke bei den städtischen Kindertagesstätten der Steuerzahler. Den freien Trägern, die mehr als 77 Prozent der Kindergartenplätze in der Stadt stellen, stehe diese Refinanzierung nicht zur Verfügung. Die freien Träger durften nun hoffen, dass das Ergebnis der Modell-Kita-Rechnung, nämlich dass die freien Kitas zu wenig bekommen, in der Vorlage aufgegriffen würde.

Wurde sie aber nicht: „Alles war in Ordnung, bis aus dem Ergebnis der Evaluation eine Vorlage wurde“, sagt ein Sozialpolitiker, der ebenfalls nicht namentlich zitiert werden möchte. Oder aus Sicht der freien Träger ausgedrückt: Die Kita-Verwaltung hatte sich die Zuschüsse offenbar schöngerechnet.

Als das klar wurde, hagelte es Fragen der KIG-Vertreter an die Stadt: „Mit welcher Begründung wird ein einzelner Kita-Träger (Stadt Flensburg) mit über 2000 Euro pro Kind höher bezuschusst als alle anderen Träger? Wie kann ab 2015 ein Ausgleich beim Trägeranteil zugunsten der Freien geschaffen werde? Und: Ist es eigentlich politisch korrekt, dass die Abteilungsleitung, die im Interessenkonflikt zwischen „Trägervertreter für Kitas der Stadt“ und weisungsgebundener Mitarbeiterin der zuschussgebenden Stadt stehe, im Jugendhilfeausschuss mit beratender Stimme teilnimmt, während die freien Träger nur indirekt vertreten seien und kein Rederecht hätten? Mit dem Ziel von qualitativ hochwertigen Kindergärten müssten diese Fragen ausführlich beantwortet werden.

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erstellt am 27.Nov.2015 | 18:32 Uhr

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