Kultur in Flensburg : Die freie Szene muckt auf

Breites Bündnis, hier ein Bruchteil: (von links, vorn) Elisabeth Bohde, Johannes Caspersen, Antje Fuchs, (von links, dahinter) Elisa Priester, Elke Mark, Inga Hartmann, Stela Korljan, Nicola Kochhafen, Inga Momsen und Antje Fuchs.
Breites Bündnis, hier ein Bruchteil: (von links, vorn) Elisabeth Bohde, Johannes Caspersen, Antje Fuchs, (von links, dahinter) Elisa Priester, Elke Mark, Inga Hartmann, Stela Korljan, Nicola Kochhafen, Inga Momsen und Antje Fuchs.

Bündnis von Künstlern weist auf Wert der Arbeit und Unterfinanzierung hin und befragt Kommunalpolitik – alle Ratsfraktionen nehmen Stellung

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22. März 2018, 10:00 Uhr

Die bevorstehende Kommunalwahl am 6. Mai nehmen Musiker, bildende und darstellende Künstler zum Anlass, ihre Stimmen zu erheben. Zum einen blicken sie den Politikern aufs Programm. Zum anderen stellen sie Forderungen auf. Das Bündnis habe sich gefunden, „um den Wert unserer Arbeit aufzuzeigen“, die Bedürfnisse darzulegen und auf Arbeitsbedingungen hinzuweisen, erklärt Theaterpädagogin Elisa Priester, die Sprecherin des Bündnisses freie Kulturszene. Im Wahlkampf sei diese „nur sehr bedingt Thema“. Zwar werde mit der Vielfalt der Szene gern um Touristen geworben, doch sowohl das ganzjährige Angebot vergessen als auch die Wirkung nach innen.

Elisabeth Bohde von der Pilkentafel kritisiert, dass die Mittelhöhe Ergebnis eines politischen Machtspiels sei. Ob und wie die Künstler damit zurecht kommen, sei egal. Die Künstlersozialkasse habe innerhalb ihrer Klientel ein Jahreseinkommen von durchschnittlich 13 000 Euro errechnet, sagt Bohde.

Das Bündnis fordert daher eine Aufstockung des Kulturhaushalts von 3 auf 4 Prozent und eine deutliche Erhöhung des Etats für freie Kulturarbeit. Mit der Forderung nach einem Kulturhaus, nach Räumen für die freien Kreativen bringt Kulturpädagogin Nicola Kochhafen einen weiteren Punkt des Bündnisses aufs Tableau. Der Wille, sagt Kochhafen, sei da, „siehe Bahnpost“. Elisa Priester ergänzt um den Mangel an Proberäumen für Musiker und Ateliers für die bildende Kunst.

Ein Gebäude für die Szene könne ein Anfang sein für die Entwicklung neuer Strukturen, sagt Elke Mark und benennt damit die dritte Forderung nach dem Auf- und Ausbau von Selbstverwaltungsstrukturen. Die freischaffende Künstlerin beklagt die Hilflosigkeit der Entscheidungsträger und, dass die Stadt keine Bereitschaft signalisiere, voranzugehen. Die kleinen Projekte, die nicht an Wirtschaftlichkeit orientiert sind, fallen hinten runter, sagt Mark. „Wir wünschen uns einbezogen zu werden.“ Elisabeth Bohde fügt das Beispiel Jubiläumsjahr 2020 hinzu und die vielen Ideen im Kopf der Kulturschaffenden. Eine andere Wahrnehmung der Szene wünschen sich die Künstler und nicht nur die Anerkennung, dass es sich um hauptamtliche professionelle Arbeit handele, die auskömmlich bezahlt werden müsse, sagt Elisa Priester.

Forderung Nummer vier ist die Erhöhung der Mittel für „Investitionen Soziokultur und freie Theater“.

Welche Bedeutung hat die Kultur für die Stadt Flensburg?

CDU: Die Stadt Flensburg hat Kultur zu einem Globalziel gemacht: Flensburg wird zum innovativen Mittelpunkt der deutsch-dänischen Kulturregion. Dabei setzt Flensburg auf einzigartige kulturelle Angebote und bietet kulturelle Bildung von Anfang an.

SPD: Kultur rechnet sich, trotz der entstehenden Kosten. Eine allein betriebswirtschaftliche Sichtweise auf die Kultur lehnen wir ab. Der gesellschaftliche Nutzen einer von öffentlichen Mitteln geförderten Kulturszene liegt in dem wichtigen Beitrag zur Bildung und Persönlichkeitsentwicklung sowie zur Integration. Darüber hinaus ist eine attraktive Kulturlandschaft ein wichtiger Standortfaktor.

FDP: Für Flensburg als lebendige Stadt mit hoher Lebensqualität ist ein attraktives Kulturangebot selbst- verständlich. Kultur schafft Identität und Identifikation und prägt die Individualität unserer Stadt. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil der Freizeitgestaltung, macht Flensburg attraktiv und lockt Besucher an.

Grüne: Eine sehr weit gestellte Frage, auf die man lange antworten kann. Unser Wahlprogramm sagt dazu: "Kultur hat einen hohen Stellenwert in Flensburg. Charakteristisch ist die große Vielfalt an kulturellen Einrichtungen und Veranstaltungen. Neben den klassischen Institutionen wie den städtischen Museen und dem Landestheater prägen vor allem die vielen kleineren Initiativen und -projekte das reiche Kulturleben in unserer Stadt. Kultur in Flensburg ist auch grenzüberschreitend: Die vielfältigen Aktivitäten verbinden unterschiedliche Kulturen und Nationen, fördern das Zusammenleben und das soziale Miteinander. Kultur bildet, regt die Kreativität an, verknüpft Geschichte und Gegenwart und wirkt identitätsstiftend. Sie strahlt über die Stadtgrenzen hinaus und macht Flensburg sowohl für seine Einwohner*innen als auch für Tourist*innen attraktiv und lebenswert." Wenn die Frage heißt: Welche Bedeutung hat die Freie kulturelle Szene? So muss man sagen, sie ist unerlässlich. Sie ist der durch hohes privates, oft ehrenamtliches und zu selten hauptamtliches Engagement angetriebene Motor zur Innovation der kulturellen Landschaft und Experimentierfeld direkt an der Erlebniswelt der Menschen dieser Stadt. Hier beginnen nicht nur künstlerische Werdegänge, hier müssen sie auch die Möglichkeit haben, dauerhaft im besten Sinne professionell zu arbeiten. Die Frage könnte aber auch heißen: Sollte die Kultur nicht eine größere Bedeutung in der Kultur- und Finanzpolitik der Stadt Flensburg spielen? Und die kurze und klare Antwort ist "Ja!".

Die Linke: Für jede Stadt oder größere Kommune sollte "die" Kultur die Möglichkeit eines freien "Raumes" einer kritischen Selbstreflektion und Selbstdarstellung vorhalten, der von der Kommune auch entsprechend gefördert und damit "frei" zur Verfügung gestellt werden muss. Wir möchten in diesem Zusammenhang betonen: Als Partei, die sich besonders der "sozialen Gerechtigkeit" verschrieben hat, gilt unsere Forderung nach "freien Räumen" nicht nur für die Kulturschaffenden sondern selbstverständlich auch für die Nutzer*innen, für die Besucher*innen, für die Konsument*innen der Kultur - diese Kultur darf nicht durch die oftmals hohen Hürden der Eintrittspreise von den weniger gut verdienenden Bürger*innen abgeschottet werden, "freie Räume" bedeutet auch, diese finanziellen Hürden zu schleifen bzw. sie zumindest so gering wie möglich zu gestalten. Für die Stadt Flensburg als gewachsener Hochschulstandort, als historisch geprägte Grenzstadt zwischen dem übermächtigen Deutschland und den skandinavischen Ländern und als Ort traditionell hoher Bevölkerungsanteile migrantischer Bürgerinnen und Bürger kommt der Kultur naturgemäß eine besondere Bedeutung für das Zusammenleben der Menschen zu. Das sollte die Stadt entsprechend in ihrer Kulturpolitik berücksichtigen - im gegenwärtigen Stellenwert der Kultur in ihrem Anteil z.B. am Haushalt der Stadt ist davon nichts zu bemerken! Hinzu kommt dass die Kultur extrem unter der mehrheitlich festgeschriebenen Schuldenbremse zu leiden hat: Der ohnehin gedeckelte Kulturhaushalt ist mit seinen krümeligen Prozentpunkten nicht erweiterungsfähig - jede Erweiterung im einen Bereich ist nur unter der Massgabe der Reduzierung eines anderen Bereiches möglich. Eine Veränderung oder gar faktisch notwendige Aufwertung ist damit per se ausgeschlossen! Das gilt es aufzuhebeln!

WIF: Die Bedeutung der Kultur für eine wachsende Stadt ist allen bewusst und wird immer wieder betont. Sie schafft Arbeitsplätze und hilft den Unternehmen, qualifiziertes Personal nach Flensburg zu locken. Sie bereichert durch kritische Beiträge die gesellschaftlichen Diskurse über Zustand und Zukunft der Stadt. Sie spiegelt die Vielfalt der ethnischen Hintergründe der Flensburger Bevölkerung wieder und gibt diesen idealerweise einen Raum.

SSW: Flensburg ist mit einem Anteil der Bevölkerung von zirka 15 bis 20%, der sich zur dänischen Minderheit bekennt, und mit über 100 weiteren Nationalitäten, die hier leben, eine Stadt mit großer kultureller Vielfalt. Dieses spiegelt sich auch im vielfältigen Kulturangebot wieder: Landestheater, Lille Teater, Niederdeutsche Bühne, Kühlhaus, Pilkentafel, Volksbad, Phänomenta, Stadtmuseum, Schifffahrtsmuseum, Naturkundliches Museum, Folk Baltica und viele andere bieten hervorragenden Kulturangebote. Das Flensburger Kulturangebot ist einzigartig in der ganzen Region und ein Alleinstellungsmerkmal, das die Stadt attraktiv macht sowohl für die Bürgerinnen und Bürger als auch für Touristen und Unternehmen, die neue Mitarbeiter anziehen wollen. Der SSW will diese kulturelle Vielfalt in den nächsten Jahren weiter konsequent ausbauen.

Wird die Freie Kulturszene ausreichend durch städtische Subventionen gefördert?

CDU: Die freiwilligen Leistungen der Stadt Flensburg, zu denen auch die Mittel der lokalen Kulturförderung zählen, unterliegen strenger Richtlinien zur Haushaltskonsolidierung. Daher freuen wir uns, dass wir den Etat in der vergangenen Wahlperiode nicht nur halten, sondern sogar verbessern konnten.

SPD: Wegen der Konsolidierungsvereinbarungen mit dem Land ist der Kulturetat der Stadt Flensburg gedeckelt. Zu den Bemühungen, Flensburg für immer mehr Bürgerinnen und Bürger attraktiv zu machen gehört auch ein Ausbau der kulturellen Förderung, vor allem für Jugendliche und Studierende, und Freiräume für die Erprobung neuer Ideen und Konzepte. Bei der Erarbeitung von kulturellen Gegenentwürfen zur etablierten Kultur braucht es entsprechende Freiräume. Die SPD setzt sich daher für eine deutliche Erhöhung des Kulturetats im Haushalt ab 2019 ein.

FDP: Aus Sicht der FDP Flensburg darf Kultur auch in Zeiten knapper Kassen nicht gänzlich infrage gestellt werden. Um kulturelle Vielfalt zu erhalten und auszubauen, muss es neben den staatlichen Institutionen möglichst viel Spielraum für private Engagements, Stiftungswesen, Sponsoring, Initiativen und Unternehmungen geben. Dies gilt auch für die freie Kulturszene in Flensburg.

Grüne: Ausreichend im Sinne von Schulnoten wäre nicht einmal befriedigend. Wir wissen, dass die finanzielle Ausstattung der Kultur lange nicht dem entspricht, wie es für ein wirklich freies künstlerisches Schaffen nötig wäre. Unser Ziel ist es, bei geringem finanziellem Spielraum die kulturelle Vielfalt zu fördern und setzen uns im Besonderen für die Förderung derer ein, die nicht auf ein Massenpublikum setzen können. Auf unseren Antrag hin wurde der Etat zur Förderung freier Kulturarbeit/ -projekte erheblich erhöht und wir haben maßgeblich daran mitgewirkt, dass die Institutionellen Förderungen für die Soziokulturellen Zentren Volksbad und Kühlhaus, sowie für die Pilkentafel und FolkBALTICA stark angehoben wurden. Hier war auch besonders wichtig, durch längere Vertragslaufzeiten, Planungssicherheit zu gewährleisten.

Die Linke: Auch wenn die Zuschüsse nach zähen Verhandlungen in der jüngsten Zeit endlich angehoben worden sind, kann von dem nötigen Freiraum, wie uns gerade die skandinavischen Länder "um die Ecke" vorleben, überhaupt nicht geredet werden. Wir registrieren, dass auch in den "bürgerlichen" Parteien Stimmen eines realistischeren Umbruchs zu registrieren sind, dennoch laufen engagierte Kulturpolitiker*innen gegen die Haushälter der "Schuldenbremse" wie gegen eine Betonwand. Jede*r Kulturpolitiker*in weiss, dass die städtischen Mittel für die freie Kultur nur das eben Nötigste an Zuschüssen gewähren - aber den notwendigen kulturellen Freiraum oder die Entlastung von finanzieller Einengung schaffen sie nicht.

WIF: Kultur wurde nie ausreichend, wird nie ausreichend und wird auch nie ausreichend gefördert werden. Denn wann soll man von „ausreichender“ Förderung sprechen? Man kann immer noch mehr in Kultur investieren. Für die bestehenden Rahmenbedingungen ist aber viel für die freie Kultur herausgeholt worden. Es wird immer wieder vergessen, dass eigentlich 170.000€ eingespart werden sollten. Stattdessen sind die Förderungen der freien Kultur z.T. deutlich erhöht worden. Dennoch kann man sich leicht mehr und weitergehende Förderungen vorstellen. Nur ohne Gegenfinanzierung wird das gegenüber der Landesregierung, die die Finanzaufsicht hat, nicht durchsetzbar sein.

SSW: Nein, das ist leider immer noch nicht der Fall. In der letzten Wahlperiode ist es aber nicht zuletzt auf Initiative des SSW gelungen die Zuschüsse für die Freie Kulturszene bis 2020 um ca. 40% zu erhöhen. Der SSW wird sich dafür einsetzen, dass diese Zuschüsse nach 2021 weiter erhöht werden damit diese wertvollen alternativen Kulturangebote weiter gestärkt und ausgebaut werden können.

Können Sie die Forderung mittragen, dass alle städtisch geförderten Kulturprojekte eine Bezahlung der Mitarbeiter angelehnt an die Tarife vergleichbarer Anstellung sichern müssen?

CDU: Städtische Förderung bedeutet nicht städtische Ausführung. Es gibt in Flensburg hunderte Vereine, die sich gerade durch ihre Ehrenamtlichkeit auszeichnen. Wo eine Aufgabe durch die Stadt oder ihre Töchter hauptamtlich erledigt wird, sorgen städtische Beschlüsse für die tarifliche Bezahlung. Ob Vereine sich dem freiwillig anschließen und diese Mittel einspielen/durch Beiträge einnehmen, obliegt nicht der Aufsicht durch die Stadt.

SPD: Wer mit Kultur Geld verdient, muss davon ausreichend leben und etwas für seine Altersvorsorge zur Seite legen können. Der vom Bundesverband Darstellende Künste angegebene Richtwert von 2300 Euro sollte bei den Beratungen über die Kulturförderung berücksichtigt werden. Die Kulturinstitutionen müssen so ausgestattet werden, dass sich sie sich entsprechende Fördermöglichkeiten beim Land, beim Bund und bei anderen Fördereinrichtungen erschließen können.

FDP: Diese Forderung können wir nicht mittragen. Wie oben schon angedeutet, befindet sich die Stadt Flensburg in einer schlechten, finanziellen Situation. Hier haben sicherlich andere Themen wie Schulen, KITA´s etc. eine höhere Priorität. Zudem sollte es doch auch ein Markenzeichen der freien Kulturszene sein, sich selber zu finanzieren und nicht von Subventionen abhängig zu sein.

Grüne: Ja, wir fordern in unserem Wahlprogramm, dass sich die Bezahlung der freien Kulturschaffenden an den Honoraruntergrenzen orientieren muss. Nur durch existenzsichernde Honorare und Gehälter, die auch eine entsprechende Altersvorsorgemöglichkeit beinhalten, kann qualitatives Arbeiten gewährleistet werden. Das unwürdige System der institutionalisierten Selbstausbeutung im freien Kulturbetrieb muss durchbrochen werden.

Die Linke: Diese Forderung ist eine Selbstverständlichkeit - bei den städtischen Bediensteten in den Kultureinrichtungen oder im Landestheater gehört die Einhaltung der Tarife ja auch zum Muss. Und jede Diskussion über die entsprechende Förderung freier Kultureinrichtungen beginnt mit "eigentlich" müsste mensch ja aber die "Haushaltslage" .... Es ist seit Anbeginn unserer Mitarbeit im damaligen Kulturausschuss und jetzt im Ausschuss für Kultur und Tourismus ein Essential unserer Arbeit, eine gleiche Bezahlung entsprechend der üblichen Tarife einzufordern.

WIF: Was wird unter „vergleichbarer Anstellung“ verstanden? Von welchen Tarifsystemen soll die Rede sein? Ist es überhaupt vergleichbar, wenn ein angestellter Musiker des öffentlichen Dienstes die gleiche Bezahlung bekommt wie ein freischaffender Musiker, der z.B. in der Künstlersozialkasse versichert ist und gänzlich andere Versicherungsbeiträge zu leisten hat? Auch übersieht diese Fragestellung die Unterschiede zwischen institutionellen Förderungen und Projektförderungen. Zusammensetzungen, Anforderungen usw. sind mitunter sehr verschieden. Eine dann ganz allgemeine Bezahlungsforderung würde der städtischen Finanzlage ebenso wenig gerecht wie der Vielfalt unterschiedlicher Projekte. Es gibt ja auch ehrenamtliche Kulturprojekte – dürfen diese dann nur gefördert werden, wenn das Ehrenamt durch Festangestellte ersetzt wird? Insofern sind wir für diesen Diskurs offen, nehmen aber noch keine abschließende Position ein.

SSW: Im Prinzip Ja. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit muss idealerweise auch im Kulturbereich gelten. Allerdings muss man ehrlicherweise sagen, dass die Tarifangleichung aller von der Stadt geförderten Kulturprojekte mit den jetzigen verschiedenen Strukturen und Tarifbedingungen nur langfristig und mit einem langen Atem gesichert werden können. Der SSW ist dazu bereit sich dafür einzusetzen. Es wird aber mehr als eine Wahlperiode dauern dies zu schaffen.

Kommunalpolitiker können durch die Schaffung von geeigneten Rahmenbedingung entscheidenden Einfluss auf die kulturelle Szene nehmen. Was sind Ihre kulturpolitischen Visionen für die nächsten fünf Jahre?

CDU: Unser Kommunalwahlprogramm ist mit Aussagen zum Landestheater, zum deutsch-dänischen Kulturpreis, zu Museen, allem voran aber zur Kulturentwicklungsplanung versehen. Dort heißt es wörtlich: „Die CDU setzt sich dabei besonders für den Erhalt der vorhandenen Kulturangebote, aber auch für weitere Spitzenkultur ein. Eine der Kultur gegenüber offene Stadt wird von Menschen und Betrieben gleichermaßen geschätzt; die kulturelle Vielfalt gehört damit zu einem wesentlichen Angebot Flensburgs für die Lebensqualität und als Standortfaktor.“

SPD: Wir wollen die Kulturszene dahingehend unterstützen, dass Sie den Horizont der Flensburgerinnen und Flensburger erweitert und die Stadt für Touristen attraktiv macht. Es wäre wünschenswert, dass Kulturprojekte, die aus Flensburg kommen, auch überregional Aufmerksamkeit erzeugen und dass Kulturinteressierte und Kulturschaffende aus nah und fern Flensburg für sich entdecken. Zu den Zielen der Kulturpolitik gehören u.a. die stadtgeschichtliche Ausstellung zum Jubiläum der Grenzabstimmung 2020, eine Berücksichtigung der Kulturszene bei der Stadtplanung, eine Klärung der Frage nach dem Standort des Kühlhauses und eine erfolgreiche Neuausrichtung der Pilkentafel.

FDP: Soweit finanziell darstellbar sind wir bereit, kulturelle Projekte zu unterstützen. Allerdings erwarten wir hier auch ein Eigenengagement der Künstler und Projektgruppen. Dieses ist ja auch ein wesentliches Merkmal der freien Kulturszene im Gegensatz zur institutionellen Kultur. Sponsoren akquirieren, um Spenden werben etc. sollten eigenverantwortlich umgesetzt werden. Zudem muss man hier auch immer den Kostennutzenfaktor berücksichtigen. Es ist nicht möglich, Projekte, die nur wenig Interesse finden aber viel Geld kosten, zu unterstützen. Die FDP Flensburg möchte sich vermehrt für Deutsch- Dänische Kulturprojekte einsetzten und diese durch INTERREG- Programme der Europäischen Union finanzieren lassen. Die FDP Flensburg bekennt sich zum Fortbestand des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters und zum Erhalt der Niederdeutschen Bühne. Zudem setzen wir uns für einen jährlich zu vergebenen Kulturpreis ein.

Grüne: Neben den oben genannten Punkten setzen wir uns ein für:

- Mehr Freiraum für alternative Kulturprojekte durch Probenräume, Ausstellungsmöglichkeiten, Werkstätten etc.

- Sicherung des Kühlhauses entweder im Bestand oder durch Umsiedelung in ein geeignetes und zukunftsicheres Objekt.

- Erhalt und Stärkung des Naturwissenschaftlichen Museums

- Etablierung einer Ausstellung zur jüngeren Flensburger Geschichte insbesondere zur NSVergangenheit

- Erarbeitung eines Konzeptes zur gezielten Förderung von Kunst im öffentlichen Raum (in Anlehnung an das erstellte Kunstkataster)

- Umplanung des Hafen- Ost- Ufers auch als Ort des Kulturschaffens

- Überwindung der klassischen "Zielgruppentrennung" in Kulturveranstaltungen durch Förderung von neuen Vermittlungs- und Darstellungsformaten. (Stichworte: Jugenderreichbarkeit, Soziale Segregation, Inter- und Multikulturalität)

- Verteidigung des Kulturetats gegen die Einsparvorschläge als sog."Freiwillige Leistungen" in Zeiten der knappen Haushaltsmittel.

Die Linke: Nach demnächst 9 Jahren Mitarbeit im Kulturausschuss bzw. Ausschuss für Kultur und Tourismus sehen wir diesen Einfluss nicht mehr (eigentlich haben wir den schon immer eher gering eingeschätzt). Wir haben gewisse überfällige Förderungsanpassungen mit erkämpfen können, wir haben zum Ende unserer ersten "Legislatur" mit großer Unterstützung der kulturpolitisch-interessierten Öffentlichkeit den großen Kahlschlag verhindern können - aber diese defensiven "Erfolge" waren es denn auch schon. Von den großen Visionen einer breiten Förderung kritischer kultureller Freiräume, die ihren Teilnehmer*innen ein auskömmliches Arbeiten ermöglicht, sind wir noch weit entfernt. Trotzdem gilt es dafür auch in der Zukunft zu streiten.

WIF: Die Visionen sind Aufgabe der Kulturschaffenden. Die Aufgabe der Politik besteht darin, nach Wegen zu suchen, die Visionen umsetzbar zu machen. Gegebenenfalls sollte die Förderung mehr darauf ausgerichtet sein, Vernetzungen von Kulturschaffenden zu stärken und damit größere Breitenwirkungen im Feld der freien Kultur zu erzeugen. Die Förderung einer Einrichtung der freien Kultur sollte im Idealfall nicht nur dieser Einrichtung zu Gute kommen, sondern auch multiplikatorische Effekte für viele Kulturschaffende haben. Die Bereiche Musik und Theater sind mit Volksbad, Kühlhaus und Pilkentafel schon gut abgedeckt. Eine Lücke aber besteht im Bereich der Malerei, der Aktionskunst, der Bildhauerei usw. Und grundsätzlich gilt es, beharrlich daran weiterzuarbeiten, dass die Stadt sich auch als kreativer Hotspot versteht und die Kultur-schaffenden selbstverständlicher miteinbezogen und mitgedacht werden, wenn es um Stadtentwicklung geht (nicht nur bei Fragen der Kultur).

SSW: Der SSW hat u.a. folgende Forderungen im Kulturbereich für die nächsten fünf Jahre:

- Mehr Investitionen in den Kulturbereich, so dass die Stadt langfristig statt 3% ihres Gesamthaushaltes 4% für den Kulturbereich ausgibt. Dies wird in länger als eine Wahlperiode dauern, aber wir werden dafür kämpfen, dass die Stadt die in den nächsten Jahren die richtigen finanziellen Weichenstellungen für den Kulturbereich stellt.

- Ein neues Kulturzentrum, das unter anderem das Kühlhaus eine neue Heimstatt bietet.

- Die kostenlose Ausleihe in der Stadtbibliothek nach skandinavischem Vorbild.

- Die Gleichstellung der dänischen Kultureinrichtungen in Flensburg, wonach die städtischen Zuschüsse an die Preis- und Inflationsentwicklung angepasst werden.

- Die deutsch-dänische Kulturregion Sønderjylland-Schleswig weiter ausbauen.

- Eine Ausstellung „100 Jahre Grenzabstimmung“. Das Jubiläumsjahr 2020 ist eine gute Gelegenheit, die jüngere Flensburger Stadtgeschichte kennenzulernen und sich damit auseinanderzusetzen. Wir wollen eine Dauerausstellung ab 2021.

 

Die Fragen an die Politiker sämtlicher Ratsfraktionen – alle antworteten – betrafen dann auch die Bedeutung der Kultur für die Stadt und ob städtische Subventionen für die freie Kulturszene ausreichend seien. Außerdem fragten die Kreativen nach der Bezahlung der Mitarbeiter und den kulturpolitischen Visionen der Parteien für die nächsten fünf Jahre.

Das Forderungspapier sei ein Auftakt, „um eine laute Stimme zu finden“, sagt Elisa Priester. Und die Mitglieder des Bündnisses werden mit „unseren Ausdrucksmöglichkeiten“ die Antworten der Parteien bis zur Wahl verbreiten. Priester lässt sich nur so viel Deutung entlocken: Die Antworten seien „aussagekräftig“ und eine „Wahlentscheidungshilfe“.

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