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Wirtschaft in Flensburg : Die Förde-Reederei entdeckt Amerika

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Flensburger Unternehmen verlegt Halunder Jet von der Linie Hamburg – Helgoland nach Vancouver

shz.de von
erstellt am 17.Okt.2017 | 06:00 Uhr

Fast 15 Jahre lang verkehrte sie vor Deutschlands maritimem Tor zur Welt: Hamburg – Helgoland und zurück, eine gute Million Seemeilen, 1,2 Millionen Fahrgäste – die schnelle Halunder-Jet war ein Erfolgsmodell für die Förde-Reederei Seetouristik (FRS). Im Zuge der weltweiten Ausrichtung des Flensburger Traditionsunternehmens startet der schnelle Katamaran Ende Oktober zu seiner weitesten Reise – huckepack an Bord eines Spezialtransporters. Das Ziel ist Vancouver, gut 8000 Seemeilen entfernt, ein neuer Hafen für das Schiff – und ein weiterer Meilenstein der Expansionspolitik der FRS.

Birte Dettmers lässt „ihr“ Schiff mit einem lachenden und einem weinenden Auge ziehen. Die Flensburger Geschäftsführerin der FRS-Tochter Helgoline konnte mit dem schnellen, geräumigen Jet die deutsche Hochseeeinsel für immer mehr Festlandbewohner erschließen. Letztendlich war es der Erfolg des Nordsee-Taxis, der die FRS tief in die Tasche greifen ließ: Für knapp 18 Millionen Euro orderten die Flensburger nach weltweiter Ausschreibung beim weltweiten Marktführer für schnelle Mehrrumpfschiffe aus Aluminium in Australien einen größeren Nachfolger. Rechtzeitig zu Beginn der Saison 2018 will Dettmers in der Deutschen Bucht das neue Schiff einsetzen – mit Platz für 120 zusätzliche Passagiere (dann 692), mehr Bewegungsfreiheit und größeren Freidecks – eine in Passagierbefragungen immer wieder auftauchende Bitte, wie Dettmers sagt.

Der Schiffstausch ist dem Wachstum der Förde-Reederei in Amerika geschuldet. Zu Jahresbeginn 2016 hatten die Flensburger in Seattle an der US-Westküste die Mehrheitsanteile der Clipper Inc. in Seattle übernommen, Reiseexperte für den Nordwesten der USA und den Westen Kanadas. Die amerikanische Tochter unterhält als Reiseveranstalter in der boomenden Tourismusregion eigene Fährlinien zwischen Seattle, Victoria und den St. Juan Islands, eine gute Investition, wie die FRS schnell herausfand. „Mittlerweile ist Clipper Navigation eine 100-prozentige Unternehmenstochter“, so Dettmers. Von Victoria aus will die Tochter eine feste Verbindung nach Vancouver etablieren. Auf der Suche nach einem geeigneten Fahrzeug wurden die Flensburger im eigenen Hause fündig: Die Halunder Jet passte perfekt in das Raster der in diesem Fahrtgebiet geltenden Schiffssicherheits- und Umweltbestimmungen. „So betrachtet, hat die Halunder Jet die Neuanschaffung überhaupt erst ermöglicht.“ Die letzte Tour nach Helgoland absolvierte die voll ausgebuchte Schnellfähre am vergangenen Sonntag, seit gestern liegt sie zur Überholung in der Werft, am 31. Oktober geht es per Heavylift-Transport von Emden aus in den neuen Heimathafen, wo sie noch dieses Jahr den Fährdienst aufnehmen soll.

Die US-Geschäfte der Förde-Reederei scheinen nicht nur an der Pazifikküste zu gedeihen, dank ihres Clipper-Brückenkopfes hat die bis zum Wegfall von Duty Free Ende 1999 nur regional bedeutsame Traditionsfirma mit Sitz an den Norderhofenden jetzt auch am Golf von Mexiko eine Niederlassung. Von Miami aus unterhält die FRS Caribbean mit einem 38 Knoten schnellen Katamaran eine Linienverbindung zum Inselparadies Bimini. Und das ist wohl auch nur eine Zwischenstation auf dem Wachstumskurs: Nach wie vor, so Dettmers, verfolgt die Reederei – in den USA steht das Kürzel FRS nicht für Förde-Reederei Seetouristik, sondern für Fast Reliable Seaways – das große Ziel, eine Linie nach Kuba aufzubauen. „Das ist ein dickes Brett, das wir dort bohren“, räumt sie ein. „Und natürlich sind auch Mitbewerber auf dem Markt.“ Die Flensburgerin gibt sich jedoch zuversichtlich. „Wir stehen in Verhandlungen, und die verlaufen gut.“ Dass Donald Trumps neuer politischer Kurs die zaghaft begonnene Öffnung Kubas wieder rückgängig macht, glaubt man in Flensburg nicht. Dettmers: „Er hat ja schon einen Golfplatz auf Kuba. Das ist doch schon mal ein ganz guter Anfang!“

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