Lesung in Flensburg : Die fliegende Eidechse in Adelby

Sie mag die Höfe Flensburgs und Indien: Katrin Binder ist 39, besucht gerade ihre Heimatstadt und lebt in Nottingham.
Sie mag die Höfe Flensburgs und Indien: Katrin Binder ist 39, besucht gerade ihre Heimatstadt und lebt in Nottingham.

Die Flensburgerin Katrin Binder liest am Mittwoch aus einem Roman, den sie aus einer seltenen indischen Sprache übersetzt hat

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31. Juli 2018, 14:38 Uhr

Zu einer Zeit, als noch kaum jemand hierzulande von Yoga sprach, geschweige denn es praktizierte, bekam Katrin Binder ein Yoga-Buch für Kinder. Ihr Vater Eike Fischer, heute im Vorstand des Fördervereins der Stadtbibliothek, war seinerzeit Bibliothekar und habe ihr immer mal wieder Kinder- oder Jugendbücher gegeben mit der Bitte, zu sagen, wie sie ihr gefallen, erinnert sich seine Tochter. Was er und eine Kette an Zufällen angerichtet haben, macht ihn heute vermutlich stolz. Katrin Binder, die in Tarup aufwuchs und am Alten Gym ihr Abi absolvierte, ist heute promovierte Indologin und Übersetzerin.

Indien, sagt Katrin Binder, „das war immer so ein bisschen am Horizont“. Als sich die heute 39-Jährige damals in Tübingen für Religionswissenschaften einschrieb, gab sie auch Indologie als weiterem Fach eine Chance und setzte sich zum Probieren eine Frist. „Dann hat es mich so gepackt“, berichtet sie. Indologie wurde ihr Schwerpunkt; Binder beschäftigte sich intensiv, in Feldforschung, monatelang mit einigen der zahllosen Sprachen des Subkontinents und dem südindischen Tanztheater Yakshagana. „Ich habe teilweise jedes Semester eine neue Schrift gelernt und mich gefühlt wie in der ersten Klasse“, sagt sie und zählt sagenhafte neun Sprachen, die sie gelernt hat.

Aus dem Roman, den die Flensburgerin zuletzt mit ihrem Kollegen B. A. Viveka Rai aus der indischen Sprache Kannada ins Deutsche übersetzt hat, liest sie am Mittwoch in Adelby. „Die fliegende Eidechse“ heißt der Titel auf Deutsch.

Ein Plantagenbesitzer trifft einen Biologie-Professor und begibt sich „mit einer wild gewürfelten Mannschaft“ im Dschungel auf die Suche nach der fliegenden Eidechse, die nur einer der Truppe je gesehen habe, skizziert Binder den Plot. Die Geschichte spielt in den Westghats, einer Region im Südwesten Indiens, die an Bio-Diversität kaum zu übertreffen sein soll. Den Autoren K. P. Purnachandra Tejasvi habe sie noch kennenlernen dürfen, sagt Binder, die seit 2005 in Großbritannien lebt, seit 2009 in Nottingham. Wie andere Literaten in Südindien auch war Tejasvi politisch engagiert. In seinem Roman thematisiere er die Bedeutung der Natur, das Verhältnis von Mensch und Natur, die menschliche Natur. Die Idee zu dieser Übersetzung sei vor fünf Jahren entstanden, bei den Summer Schools an der Uni Würzburg, die sie mit ihrem Kollegen Rai anbiete. Den Autoren, den er vorschlug, kannte sie, das Werk nicht. Doch der Roman sei nicht zu lang, „ein moderner Klassiker und das Thema auch für deutsche Leser interessant“.

Wenn indische Autoren ins Englische übersetzten, passiere schon mal Folgendes: „Alle reden gleich, und die philosophischen Passagen werden rausgeworfen.“ Die Aufmerksamkeit, die Katrin Binder vergleichsweise kleinen Sprachen Indiens wie Kannada widmet, wissen Bevölkerung wie Regierung offenbar zu schätzen, „sie sind positiv und interessiert“. Vorletzte Woche war sie in Indien zur Preisverleihung für ihren Tanzlehrer, erzählt Binder. Ihrem Übersetzer-Kollegen Rai genügte ihr Zwischenstopp von 24 Stunden in Bangalore, um eine Art „release party“ in das winzige Zeitfenster „reinzuorganisieren“, sagt die Indien-Expertin, die noch ein paar Tage in ihrer Heimatstadt Flensburg bleibt mit ihrem Mann Jens, ihren Töchtern (10 und 8) und ihrem dreijährigen Sohn. „Die Kinder sind immer gern hier“, sagt sie, „ich auch.“ Sie mag die Höfe, den Markt, den Strand und kehrt morgen für eine Lesung in ihren alten Kiez in Adelby zurück.


Katrin Binder liest am Mittwoch um 17 Uhr aus dem Roman „Die fliegende Eidechse“ von Tejasvi. Der Eintritt zur Lesung im Kirchengemeindehaus Adelby, Richard-Wagner-Straße 51, ist frei, Spenden gehen an ein Sozialprogramm einer traditionellen indischen Tanzschule.

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