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Rathausstrasse : Die Flensburger Ampel ohne Grün

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Blick auf die einzige Lichtzeichenanlage im Stadtgebiet, die nach einem ganz besonderen Prinzip funktioniert.

Neulich am Zob, abends, kurz vor 20 Uhr: Der ältere Herr aus dem benachbarten Ausland presst seine Nase an die Frontscheibe seines betagten Volvos. Sein Blick ist starr auf den Ampelmast vor ihm gerichtet. Der Fahrer steht in der Pole-Position. Die Chancen für eine zügige Weiterfahrt stehen gut.

Doch es es geht nicht voran. Der Ortsunkundige wartet auf Grün. Wartet. Und wartet. Vergeblich. Kein Grün – und jetzt schon wieder Rot. Da er unglücklicherweise auch noch in der Mitte der Fahrbahn steht, sind beide Spuren blockiert. Die Autofahrer hinter ihm raufen sich die Haare. Die dritte lange Rotphase kündigt sich an...

Wer also Ohrenzeuge eines vielstimmigen Hupkonzertes werden möchte, muss nach der Ursache nicht lange suchen. Es ist die berüchtigte Ampel am Ende der Rathausstraße, die Autofahrer auf eine harte Geduldsprobe stellt. In der Regel sehen sie rot. Denn diese Lichtzeichenanlage verfügt lediglich über zwei Lichtzeichen – rot und (kurz) gelb – und ist damit die einzige Ampel im Stadtgebiet, die nach dem Zwei-Phasen-Prinzip funktioniert.

Besser gesagt: Es funktioniert nicht. Während sich Einheimische überwiegend auf den Sonderfall eingestellt haben, kann man es von auswärtigen Gästen nicht zwingend erwarten. Ihre Irritation ist verständlich, zumal die Situation an der Zob-Kreuzung ohnehin unübersichtlich ist.

Wer wüsste das besser als Manfred Schlotfeld, Fahrdienstleiter bei Aktiv-Bus. Er kennt die Probleme seit dem Umbau des Zob in den 90er Jahren. „Aber wir haben gelernt, damit zu leben.“ Sollte ein Autofahrer mal wieder vergeblich auf die Grünphase warten, „dann geben wir ihm eben ein Zeichen“, sagt Schlotfeld schmunzelnd. Er hält die Gemengelage gleichwohl für etwas unglücklich. Insbesondere der Bereich zwischen Rathausstraße und der großen Zob-Kreuzung mute verwirrend an. Kreuzende und einfahrende Busse, Lieferwagen, der sich einfädelnde Verkehr vom Karstadt-Parkhaus, Radfahrer und Fußgänger würden ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit erzwingen. „Da muss man ständig auf der Hut sein und viel beachten“, sagt Schlotfeld, „aber irgendwie regelt sich das alles von selbst.“

Sein Argument, dass alle Verkehrsteilnehmer durch die irritierenden Umstände zu erhöhter Aufmerksamkeit gezwungen sind, wird von der städtischen Verkehrsbehörde geteilt. Es sei sogar, heißt es von dort, ganz bewusst die Entscheidung für eine Zwei-Phasen-Ampel getroffen worden, um den Rückstau besser zu kontrollieren und Autofahrer zur Vorsicht zu mahnen. Es handele sich quasi um eine vorgeschaltete Anlage, bevor die Autofahrer sich in den sensiblen Bereich an der hochbelasteten Hauptkreuzung einordnen. Grün dagegen suggeriere „freie Fahrt“, gibt Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf zu bedenken. Er räumt ein, dass es eine „ungewöhnliche und einmalige Maßnahme“ sei, die allerdings kein Verkehrschaos nach sich ziehe.

Was auch niemand behauptet. Doch Ärger und Konfusion sind präsent. Zum Beispiel bei einem langjährigen Taxifahrer wie Hans-Werner Eggers. Er und seine Kollegen müssten, klagt er auf Anfrage, an besagter Ampel „grundsätzlich hupen“. Und versteht nicht, warum man ausgerechnet an dieser verflixten Kreuzung auf Grün verzichtet. „Da staut es sich dann manchmal bis Fußgängerzone oder Nordergraben.“

Doch sei das Hindernis erstmal überwunden, warte schon das nächste. An der rechten Abbiegespur gehe es trotz grünen Pfeils oft nicht weiter. „Dann dreht der Fahrer vor mir sich um und guckt, warum ich hupe – und schon ist wieder rot!“

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erstellt am 29.Apr.2017 | 06:49 Uhr

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