Die Fischer von Fahrensodde fahren auch bei Minusgraden

Es ist nicht der kleinste Fang, den Hans Naujocks in der Förde 'geerntet' hat und mit an Land bringt. Foto: wb
Es ist nicht der kleinste Fang, den Hans Naujocks in der Förde "geerntet" hat und mit an Land bringt. Foto: wb

Derzeit werden von der Außenstelle des Fischereivereins aus vor allem Dorsch und Hering gefangen

shz.de von
20. Dezember 2012, 07:11 Uhr

Flensburg | Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt halten einen Flensburger Fischer noch lange nicht davon ab, auf die Förde hinauszufahren. Die Nebenerwerbsfischer des Flensburger Fischereivereins jedenfalls fahren mittlerweile wieder, nachdem sie bei dem unwirtlichen Wetter der vergangene Woche ein paar Tage pausiert hatten: "Wir fahren auch bei Minusgraden, wenn die Förde frei ist und kein Starkwind herrscht", sagt Horst Dieter Hansen, Vorsitzender des Fischereivereins von 1872. "Das ist jetzt die Zeit für Dorsch und Heringe", erklärt er. "Flundern haben Schonzeit."

In Fahrensodde stehen ein paar schöne Fischerhäuser am Ewoldtweg nahe am Yachthafen, fast am Hang und doch direkt an der Uferkante. Ein naher Steg, verschiedene Kleinkutter und Gerätschaften schaffen eine maritime Kulisse. Viele Besucher und Spaziergänger kennen die kleine Außenstelle des Flensburger Fischereivereins an der Flenburger Innenförde zwischen Solitüde und den Segelclubs. Hier liegen die Boote und kleinen Fischerhütten der Nebenerwerbsfischer. "Wir sind auch jetzt jeden Tag hier unten bis mittags", sagt Hansen. Meist biete zumindest ein Teil der Nebenerwerbsfischer auch frischen Fang an. Gerade der Dorsch sei derzeit knapp, die Fänge höchst unterschiedlich: "Gestern hatte ich zwei Dorsche, heute 20", verrät er.

Seit Anfang der 50er-Jahre wurden hier die Fischer aus Ostpreußen in Fahrensodde angesiedelt, die nach Flensburg geflüchtet waren. Erst waren die offenen Fischerboote noch an Bojen und Ankern direkt im Segelhafen festgemacht, dann folgte die Holzbrücke mit festen Anlegestellen. Die neun Boote und Kleinkutter sind zwölf Monate im Jahr unterwegs in die nahen Fanggebiete. Abends werden die Stellnetze und Reusen ausgelegt und meist schon am nächsten Morgen wieder eingeholt. Fischer wie Hans Naujocks und Helmut Pose sind dann mit ihrem Geschirr und den Booten nahe der Küste zwischen Flensburg, Glücksburg und Holnis unterwegs.

Die Innenförde hat so einige gute Fanggebiete und viele verschiedene Fischarten, die unterschiedlich und nachhaltig gefangen werden: Meist sind es Flundern und zum Winter hin Heringe und Dorsche, die in den Booten landen, seltener stoßen die Fischfreunde auf Aal und Lachs.

Die Fischer sind immer vormittags in der Woche am Steg ansprechbar und zeigen ihre Fänge. Viele Flensburger kommen auch zum Kauf der Fische nach Fahrensodde zum Ewoldtsweg und verbinden einen Spaziergang mit dem Besuch. "Die Fischer sind auf die kleine Siedlung richtig stolz, und alle haben einen eigenen Pachtvertrag mit der Stadt. Die Verträge werden nur an Fischer weitergegeben", erklärt der Vorsitzende Horst Dieter Hansen.

Der Erhalt der Siedlung hat für die Fischer eine hohe Priorität - und neben dem wirtschaftlichen sowie touristischen auch einen traditionellen Nutzen. Geschützt liegen die Boote zwischen den beiden Molen der Segelhäfen.

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