Die Verbraucherzentrale warnt : Die falsche Anwältin und ihr toter Klient

Plötzlich reich? Ein Flensburger Student soll sich als Angehöriger eines verstorbenen Millionärs ausgeben. Dafür wird ihm eine gigantische Erbschaft in Aussicht gestellt.

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15. Mai 2012, 12:54 Uhr

Flensburg | Der Traum vom großen Geld. Sollte er für Eli Ruben Bernitt in Erfüllung gehen? Eine Anwaltskanzlei aus Madrid schickte dem 25-Jährigen unlängst einen Brief - verbunden mit der Aussicht, schon bald um über vier Millionen Euro reicher zu sein. Für den Flensburger, als Student an der Fachhochschule nicht gerade auf Rosen gebettet, ein verlockendes Angebot. Doch zu schön, um wahr zu sein.
Der Briefkopf gibt sich einen seriösen Anstrich. "Isemba Associates & Advocates" präsentiert sich mit Firmenlogo und dem Foto eines aufgeklappten Gesetzbuches. Es gibt eine Adresse, Telefon- und Faxnummer sowie einen E-Mail-Kontakt. "Alles auf offiziell gemacht", sagt Eli, "trotzdem habe ich herzlich gelacht." Aus gutem Grund.
9,25 Millionen Euro sollen in einem Safe liegen
Denn dem jungen Mann, dessen Name sichtbar und unprofessionell in das Schreiben hineinkopiert ist, wird darin der Vorschlag unterbreitet, sich als Angehöriger eines gewissen Dulac Tor Bernitt zu melden, der mit dem Rest der Familie bei der Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004 ums Leben gekommen sei. "Keine konventionelle Herangehensweise", räumt die handschriftlich unterzeichnende Rechtsanwältin Jamie Guion ein. Doch dann trägt sie noch dicker auf. "Vor seinem Tod hinterlegte mein Klient bei einer Sicherheitsfirma (...) 9,25 Millionen Euro in einem Safe", schreibt sie. Nun sei sie auf der Suche nach Hinterbliebenen.
Die Spur führt - natürlich - nach Flensburg. Und nun muss alles ganz schnell gehen. "Inzwischen wurde mir ein Ultimatum auferlegt, bis zu welchem ich einen Erben präsentieren muss", heißt es weiter, ohne dass dafür ein konkretes Datum genannt wird. Ansonsten sei das Vermögen in allergrößter Gefahr, würde womöglich konfisziert und als unbeansprucht in der spanischen Schatzkammer landen. An dieser Stelle, man nimmt es ihm ab, musste Eli Ruben Bernitt noch herzlicher lachen.
"Wegschmeißen! Das ist Betrug"
Der Deal: Eli Ruben Bernitt möge sich als Angehöriger des Verstorbenen ausgeben. Die Anwältin wolle sodann sämtliche Dokumente vorbereiten und "die Freigabe der Überstellung" veranlassen. Natürlich nicht ganz uneigennützig. Das Geld werde kurzerhand geteilt. Fifty, fifty. Über 4,6 Millionen Euro für jeden. Das klingt nach wahrer Gerechtigkeit und sei zudem, wie Jamie Guion versichert, ein hundertprozentig risikofreies Geschäft. Nun stehe nur noch die Antwort des Glückspilzes aus - per Telefon, Fax oder E-Mail. Auch eine eventuelle Absage sei mitzuteilen, "damit ich meine Suche nach potenziellen Partnern fortsetzen kann".
Eli Ruben Bernitt schüttelt den Kopf. "Natürlich", sagt er, "werde ich mich dort nicht melden - andere aber würden es vielleicht tun." Möglicherweise in teuren Warteschleifen landen oder aber in Gespräche mit ungewissem Ausgang verwickelt werden. Genau darum gehe es, sagt ein Sprecher der Kieler Verbraucherzentrale. Auf diesem Wege solle man überzeugt werden, finanziell erst einmal in Vorleistung zu gehen, bevor das große Geld fließe. Sein Rat, kurz und bündig: "Wegschmeißen! Das ist Betrug."
Ein wenig beunruhigt ist der Flensburger Student dennoch. "Woher haben die meine Adresse?", sinniert er. Auch ein persönliches Anschreiben sei doch eher unüblich. Das Prinzip indes ist nicht neu und erinnert stark an die so genannte Nigeria-Connection, die insbesondere Ende der achtziger Jahre weltweit aktiv war. Per E-Mails wurden Tausenden von Empfängern große Summen versprochen, sollten sie afrikanische Geschäftsleute dabei unterstützen, gigantische Dollarbeträge außer Landes zu schaffen. Auch hier wurden den Betroffenen Anteile in Millionenhöhe versprochen. Einfach fantastisch!

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