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Neue Ausstellung : Die Evolution erreicht Flensburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Naturwissenschaftlichen Museum geht es ab heute um die Entwicklung der Arten, um Darwin und um den eigenen Forscherdrang

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2013 | 07:00 Uhr

Wenn sich der Besucher in den roten Sessel plumpsen lässt, wird er plötzlich berühmt: „Ich, Charles Darwin, wurde am 12. Februar 1809 in Shrewsbury geboren“, sagt dann eine Stimme über ihm. Die geräumigen Holzkisten seiner letzten Schiffsreise stehen noch ungeöffnet daneben – so scheint es jedenfalls. Ohne Darwin geht es nicht in der sehr sehenswerten Ausstellung „Evolution unterwegs“, die heute im Naturwissenschaftlichen Museum eröffnet wird.

Werner Barkemeyer musste tief in die Tasche greifen, um diese Schau nach Flensburg zu holen. „Es ist die teuerste Ausstellung, die wir je gezeigt haben“, sagte der Museumsleiter. Es geht um die Evolution, um den aufrechten Gang des Menschen, um Taubenzucht, um die Frage, warum der Pfau so einen großen bunten Schweif hat und warum Männer Frauen oft zunächst auf den Busen und auf den Po schauen.

Barkemeyer redet über Darwin wie über einen guten Bekannten: „Der hat auch Regenwürmer auf das Klavier seiner Frau gelegt, um zu schauen, ob sie musikalisch sind. Sie sind es nicht!“ Mit 22 hat der Brite, der als Begründer der Evolutionstheorie gilt, seine große Weltreise mit der „Beagle“ gemacht; „danach hat er England nie mehr verlassen“, erzählt der Flensburger Museumschef – dafür aber zehn Kinder gezeugt. „Er soll ein liebevoller Vater gewesen sein.“

Und er hat Tauben gezüchtet. Damit konnte er selbst in die Evolution eingreifen. Konnte züchtend eine besondere Zeichnung des Gefieders hervorheben. Mit kurzen, anschaulichen Texten wird das Prinzip des Züchtens erklärt. Gleich beim Eingang begrüßt ein besonders farbenprächtiges Evolutionsobjekt die Besucher – der Pfau, der immer wieder wegen seines prachtvollen Federschweifs von weiblichen Artgenossen ausgewählt wurde, daraufhin dieses Merkmal immer stärker ausprägte, obwohl es im täglichen Überlebenskampf eigentlich sehr unpraktisch war.

Die Ausstellung ist keineswegs eine textlastige Ansammlung von Schautafeln. Weinfreunde können sich über die Evolution des Korkenziehers informieren, Informatiker über die Entwicklung von der Wachstafel bis zum Computerausdruck. Unter dem Mikroskop kann man sich ein paar hundert von insgesamt 20 000 Kieselalgen anschauen. Eine große interaktive Europa-Karte thematisiert die Entwicklung der Sprache. Hier kann man sich das Wort Hund oder Nase in diversen Sprachen anhören und es es dann dem entsprechenden Land zu ordnen. Ist die Antwort richtig, brandet Applaus auf – und der Besucher fühlt sich klug, bestätigt und spielt weiter. Um aufrecht stehen zu können, ohne umzufallen, musste der Mensch lange an seinem Knochengerüst Veränderungen vornehmen lassen – klar, dass das Skelett zur Ausstellung gehört. Von simplen Textblättern bis hin zu Multimedia-Darstellungen reicht die Bandbreite in der Wanderausstellung, die das Museum am Schölerberg in Osnabrück zusammen mit der Universität Bielefeld erstellt hat und schon in vielen deutschen Städten zu sehen war. Die Macher der Ausstellung sind heute bei der Eröffnung dabei.

 

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