Finanzausschuss Flensburg : Die Europawiese hat einen Job

Wirtschaftshafen Flensburg: Zwei Unternehmen wollen den Umschlag ankurbeln und jährlich 150 000 Tonnen Kies und Rundsteine anlanden.
Wirtschaftshafen Flensburg: Zwei Unternehmen wollen den Umschlag ankurbeln und jährlich 150 000 Tonnen Kies und Rundsteine anlanden.

Finanzausschuss einigt sich auf eine Fünf-Jahres-Verpachtung an zwei Kies- und Betonwerk-Betreiber

shz.de von
30. Juni 2018, 08:00 Uhr

Endlich! Die Europawiese verdient Geld. Der Finanzausschuss beschloss gestern die Verpachtung der Fläche am Harniskai an eine Investorengruppe aus dem Landkreis. Zuvor hatten Lars Glindemann und Thorsten Peper als Geschäftsführer ihrer Unternehmen vor dem Ausschuss noch einmal die Dringlichkeit ihres Anliegens verdeutlicht. Beide Betriebe wollen die Europawiese für den Umschlag von Kies und Rundsteinen für die Betonproduktion nutzen – bis zu 150 000 Tonnen jährlich.

Davor hatte es zähe Verhandlungen gegeben, weil sich die beiden Unternehmen und die Kommunalen Immobilien nicht über einen Pachtpreis für die Fläche einigen konnten. Glindemann und Peper machten am Donnerstag noch einmal klar, dass es angesichts geringer Gewinnmargen bei Massenumschlagsgütern in der Pachtbemessung für sie auf den Cent ankommt. Zuletzt hatte die Preisvorstellung der Stadt mit 1,20 Euro pro Quadratmeter 100 Prozent über dem Angebot der Unternehmen gelegen.

Dass der Finanzausschuss den Weg für einen Pachtvertrag ebnete, dürfte an handfesten ökonomischen und ökologischen Argumenten der beiden Betriebe liegen. Beide Unternehmen sorgen im Norden dafür, dass immer genug Material für den Straßen- und Gebäudebau bereit steht. Und das kommt im Moment ganz überwiegend aus Dänemark. Peper warnte eindringlich vor dieser Abhängigkeit: „Unsere heimischen Ressourcen reichen bei weitem nicht mehr aus. Wenn Dänemark nicht mehr liefert, dann haben wir hier ein Rohstoffproblem! Dann stehen die Baustellen still, weil es kein Material mehr gibt.“

Vor diesem Hintergrund wollen beide Unternehmer eine eigene sichere Lieferkette aufbauen und die benötigten Materialien per Schiff aus Irland und Norwegen nach Flensburg bringen. Idealerweise wollten beide das Material möglichst nahe den eigenen Beton- und Kieswerken im Kreis Scshleswig-Flensburg anlanden und nicht noch lange, teure Lkw-Fuhren durchs ganze Land in die Lieferkette einspleißen. Die beiden Unternehmer wollen stattdessen das Material mit gecharterten Spezialschiffen von der Schürfstelle direkt an den Harniskai bringen und auf der dahinter liegenden Europawiese zwischenlagern. Peper kalkuliert mit Mengen von jährlich 150 000 Tonnen.

Die reine Pacht für die Europawiese bringt vergleichsweise wenig ein. Die hauptsächlichen Effekte erzielt der Hafen durch Kraneinnahmen, Kaigeld und Hafengeld. „220 000 Euro sind für Flensburg drin“, sagt Flensburgs Schiffsmakler Thorsten Callesen. Im Ausschuss wurden Laufzeiten von fünf bis 15 Jahre diskutiert. Am Ende beschloss der Finanzausschuss aber nur die kleine Lösung mit einer fünfjährigen Laufzeit – exakt die Bewährungsfrist, die eine Mehrheit dem Wirtschaftshafen zugestanden hat. Peper kann sich ein längerfristiges Engagement durchaus vorstellen. „15 Jahre sind kein Them,a wenn Sie sicherstellen, dass es hier in 15 Jahren noch einen Hafen gibt.“

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