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Jugendaufbauwerk : Die ersten Flüchtlinge sind da

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadt hat das alte Jugendaufbauwerk Am Dammhof kurzfristig renoviert. Sechs der 68 Geflohenen wohnen seit gestern im Johannisviertel.

shz.de von
erstellt am 30.Sep.2015 | 14:30 Uhr

Flensburg | Die Stadt hatte kurzfristig zum Informationsabend zur neuen Flüchtlingsunterkunft Altes Jugendaufbauwerk (JAW) am Dammhof eingeladen. Montagabend standen Oberbürgermeister Simon Faber und seine Fachleute knapp 100 Anwohnern der östlichen Altstadt in die Handwerkskammer Rede und Antwort, gestern sind bereits die ersten sechs Geflohenen in der ganz frisch renovierten Immobilie an der Ecke Johannisstraße eingezogen.

Die wachsende Dynamik im Handeln der städtischen Immobilienmanager lässt sich anhand von wenigen Zahlen erklären: Nachdem im Sommer noch jede Woche acht Flüchtlinge aus der Erstaufnahme Neumünster nach Flensburg zogen, muss die Stadt in dieser Woche erstmals Unterkünfte für mehr als 40 Geflüchtete vorhalten. Insgesamt wohnen nun 581 Flüchtlinge dezentral in insgesamt 110 städtischen Wohnungen.

68 Menschen sollen im früheren JAW auf 661 Quadratmetern Nutzfläche Platz finden. Rechnerisch sind das fast zehn Quadratmeter pro Geflohenem. Zum Wohnen bleiben den Familien pro Person aber kaum mehr als die Hälfte, da das ganze Erdgeschoss mit einem großen Koch- und Essensraum, sechs Herden, fünf Spülen sowie Tischen und Stühlen für mehr als 60 Personen eingerichtet sind. Gegenüber gibt es Duschen, Toiletten und Anschlüsse für vier Waschmaschinen.

Mit einem Vorlauf von gerade einmal zehn Tagen soll die Stadt informiert werden, wie viele Flüchtlinge kommen, berichtete OB Faber: „Aber das klappt im Moment nicht.“ Während andere Kommunen Geflohene längst in Turnhallen oder Zelten unterbringen würden, bleibe die Stadt bei der dezentralen Strategie in Wohnungen in den Stadtvierteln. Und während die Stadt bereits unter 85-4600 eine Hotline zu Flüchtlingsfragen aller Art geschaltet hat, ließ Immobilienchef Miachael Draeger am Info-Abend in der Handwerkskammer durchblicken: Wer Wohnungen zum Vermieten anzubieten habe, dürfe ihn gerne direkt anrufen. Die 110 verschiedenen größeren und kleineren Wohnungen, die die Stadt unterhalte, seien allesamt keine Sammelunterkünfte. Faber und Draeger erinnerten daran, dass man auch Wohnungen für die sogenannte zweite Phase benötige, wenn Asylbewerber nach der Anerkennung selbst eine Bleibe finden müssten.

Am Dammhof soll künftig an einem Tag in der Woche ganztägig, an allen anderen Tagen stundenweise betreut werden. „Man kann die Menschen besuchen, wenn man sie kennt. Sonst haben sie das Recht, in Ruhe gelassen zu werden“, sagte der Oberbürgermeister.

Am Dammhof sollen der Stadt zufolge hauptsächlich Familien, aber auch Einzelpersonen untergebracht werden. Im Dachgeschoss sind die Zimmer mit fünf bis zu acht Betten, zum Teil als Etagenbetten einfach, aber neu möbliert.

Langfristig hat die Stadt geplant, den Standort zu Wohngemeinschaften für 34 Menschen umzubauen.

Ein Anwohner fragte, ob die aktuelle Lage angesichts der Leerstände in der Stadt auch die Chance sei, Wohnraum wiederherzustellen. Dräger zeigte sich skeptisch: Erstens gebe es Leerstand meist in sozialen Brennpunkten, und zweitens hätten diese Häuser für die Stadt einen entscheidenden Nachteil: „Sie gehören uns nicht.“

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