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Schule am Campus : Die Erfolgsschule, die keiner wollte

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die frühere Löhmannschule hat viele pädagogische Neuerungen eingeführt – dennoch musste sie ihre eigene Schließung beantragen.

shz.de von
erstellt am 31.Dez.2013 | 08:22 Uhr

Anstatt mit einem Jahresrückblick samt Zahlen und Daten erinnert die Tageblatt-Redaktion an wichtige Flensburger Ereignisse des Jahres aus der Sicht Betroffener oder Handelnder. Heute: Kehraus in der Schule am Campus.

Lernwerkstatt, Lehrstellengarantie, flexible Ausgangsklasse: In den sechs Dienstjahren des Schulleiters Gerhard Fenner auf dem Sandberg hat die Schule am Campus allerlei pädagogische Innovationen erlebt – und sich schließlich mit einem engagierten Kollegium als eine Art Kompetenzzentrum für die schwierigen Fälle erwiesen. Mit ihren Projekten hat die Schule überregional Furore gemacht und hätte gewiss auch weiter dabei geholfen, erfolgreich Perspektiven vor allem beim Hauptschulabschluss zu bieten. Der einzige Haken an der Sache: Die Eltern mochten ihre Kinder nicht an diesem Kompetenzzentrum für die anderswo hoffnungslosen Fälle anmelden. „Schule funktioniert nicht, wenn die Starken wegbleiben“, ist eine der Erkenntnisse der Schulleiters. Allein für die Lernwerkstatt wäre man früher mit Preisen überschüttet worden, ist er sich sicher.

So, wie der Erfolg meist viele Mütter und Väter hat, so ist es wohl auch beim Misserfolg der früheren Löhmannschule. Viel zu spät durfte sich die nach der Schließung von Petri und Osbek letzte Hauptschule Flensburgs einen neuen Namen geben: Schule am Campus sollte sogar Kooperationsschule der Uni werden. Bloß zur Gemeinschaftsschule durfte die letzte Regionalschule auch erst dann werden, als schon alles zu spät war. „Am Ende hat es gar keine Evaluation der Regionalschule gegeben“, schimpft Fenger. Und wer will sein Kind schon zu einer Schule mit so einem dramatischen Sanierunsgsstau schicken, dass nicht einmal die Flure beheizt sind?

Gerhard Fenger kann sich noch gut an seinen Start an der Löhmannschule erinnern, Anfang Februar 2008. Es sei die Zeit gewesen, als praktisch alle Gemeinschaftsschulen mit viel Fördergeld modernisiert wurden. Käte-Lassen-Schule, IGS, Gemeinschaftsschule West und Comeniusschule. Nur an der Schulze-Delitzsch-Straße blieben die Flure kalt. Der Todesstoß für die Schule, die sich für die Schwächeren engagiert – wenn man möchte, lässt sich jede Menge Symbolik aus diesem Lehrstück des Niedergangs holen.

Dazu beförderten allerlei Seltsamkeiten den Niedergang der Engagierten – einmal fehlte die Schule in der Anmeldeliste der Stadtverwaltung für alle weiterführenden Schulen sogar völlig. Führte die Stadt mit dieser Schule Böses im Schilde, gab es andere Pläne für Gebäude und Gelände, mit der idealen Lage zwischen City und Campus? Die Stadt hält sich bedeckt mit Äußerungen zur Zukunft der Schule. „Beim Thema Schule am Campus befinden wir uns derzeit noch in einem Sondierungsprozess, in dem die Detailfragen auch noch nicht geklärt sind. Dieses wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagt Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Rund 3,4 Millionen Euro Fördergeld stecken in Turnhalle und Mensatrakt der gebundenen Ganztagsschule. Der bisher nicht abgeschriebene Teil davon, rund 1,5 Millionen Euro, müsste zurückgezahlt werden, wenn die Gebäude nicht mehr schulisch genutzt werden würden.

Bloß, wer könnte die Räume sinnvoll schulisch mit Leben füllen? Vertreter der Stadt haben Gelände und Gebäude neulich bei einer Begehung inspiziert. Die Führung übernahm der Hausmeister, der zur Verschwiegenheit verpflichtet wurde. Der Schulleiter wurde gar nicht erst mitgenommen. Sicher ist sicher.

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