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Lokale Musikszene : Die Erfinder des Neokrautpop

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die junge Flensburger Band Salamanda bringt ihre CD „Follow The Tribe“ heraus. Am Freitag gibt sie ein Doppelkonzert zugunsten der Flüchtlinge mit Tom Klose.

Flensburg | Flensburg Es fing im Wohnzimmer an – und endete im Keller. Jahrelang probten  die Jungs von  Salamanda im Einfamilienhaus der Familie Kraack in Rüde bei Glücksburg. Sohn Leon erfreut sich  nicht nur musikalischer, sondern  auch sehr toleranter Eltern. Und so wurde deren Zimmer zugedröhnt, die Nachbarschaft fröhlich beschallt. „Okay, manchmal wurde es sehr laut, auch nachts“, sinniert Leon.  Die Polizei sei dann schon mal vorbeigekommen. Inzwischen ist der Keller nahezu schalldicht, die Band probt auf engstem Raum.

Wer es wagt, hinabzusteigen in die mit Instrumenten Boxen, Verstärkern und elektronischem Equipment bis auf den letzten Zentimeter gefüllten Probenraum, kriegt ordentlich auf die Ohren. Aber es hilft nichts, Ohren auf: Eine verzerrte E-Gitarre bildet das Intro zum Opener des ersten Salamanda-Albums „Visions Of Thunder“. Ein Song mit eingängiger Melodieführung, der lange nachwirkt. Nicht nur wegen der Lautstärke. In komprimierter Form hätte das Stück das Zeug dazu (und es verdient), bei den Radiostationen rauf und runter gespielt zu werden.  Salamanda liebt es hymnisch, experimentell und bisweilen schräg. Die neun Tracks auf der CD sind von einer bestechenden  stilistischen Vielfalt. Altes Songmaterial, auf den neuesten Stand gebracht, umreißt es Bassist Torben Merz. Texte und Musik stammen aus der Feder von Leon Mancilla (Gesang) und Leon Kraack (Gitarre) – ein sich symbiotisch ergänzendes Duo mit ansprechenden Songwriter-Qualitäten, das gern auch unplugged auftritt. Sie kreieren ruhige Nummern wie das getragene „Ocean“, aber auch den sich ekstatisch steigernden Titelsong, der nahtlos übergeht in das brillante „And Turn Into Stardust“. Eine gute Hypnose, Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen. Bei der Release-Party in der Luftschlossfabrik dehnten die Musiker es aus auf eine gute halbe Stunde.  „Die Grenze zwischen uns und den Zuhörern war völlig aufgelöst“, erinnert sich Frontmann Leon Mancilla.  Eine interaktive, aufgeheizte Bühnenshow – das ist es, was die Band,  zu der Janos Gafert (Schlagzeug) und Milan Sieberichs (Keyboard, Gitarre) neu hinzugestoßen sind, über die musikalischen Qualität hinaus auszeichnet.

Eine Schublade für ein bestimmtes Genre zu finden,  erweist sich als schwierig. Das sieht die Band genauso. So prägte sie zunächst den Begriff „Hardpop“ – angereichert mit psychedelischen Einflüssen. Doch eigentlich sind sie die wahren Erfinder des Neokrautpop. Der Begriff Krautrock wurde Ende der Sechziger geprägt, zahlreiche deutsche Bands gaben sich unter diesem Namen  ihrer Improvisationsfreude hin – mit viel Mut zu Wegen abseits des Mainstream. Salamanda fühlt sich von dieser Zeit inspiriert, auch wenn die Musik nicht mehr ganz so „retro“ ist wie zu Zeiten ihrer härter daherkommenden Schülerband „Crashkurs“.

Wer sich das Neokraut einmal „reinziehen“ möchte, sollte sich den kommenden Freitag (Einlass 21 Uhr, Karten nur an der Abendkasse) dick im Kalender anstreichen. Dann gibt die Band im Volksbad ein  Benefizkonzert für Flüchtlinge in Flensburg – zusammen mit dem charismatischen Liedermacher Tom Klose, der schon im Vorprogramm von  Tim Bendzko und Ed Sheeran aufgetreten und längst dem Status eines Talents entwachsen ist.

 

 Das Album „Follow The Tribe“ wurde von  Sebastian Gimm („Sheba“) produziert – es  ist ab Freitag zunächst nur im Musikpalast im Neptunhof und Musikladen am Nordermarkt erhältlich.

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 27.Okt.2015 | 14:30 Uhr

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