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125 Jahre Flens : Die doppelte Brauerei-Geschichte

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Einst versorgten zwei Brauereien die Bürger in Flensburg und der Region mit Bier – eine im Norden und eine im Süden der Stadt.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2013 | 19:15 Uhr

125 Jahre Flensburger Brauerei – das ehrwürdige Gebäude am Munketoft in Flensburg gehört zur Stadt wie der herbe Pilsgeschmack des Flensburger Bieres und der unverwechselbare Korken, der so schön ploppt. In der deutschen Brauerei-Landschaft ist eine weit über hundert Jahre alte Brauerei eine absolute Ausnahme. Anlass, die Geschichte dieses Familienunternehmens in einer mehrteiligen Serie nachzuzeichnen – in loser Folge. Zudem zeigt das NDR-Fernsehen am Mittwoch um 21 Uhr die „Flens“-Geschichte.

Die Brauereigeschichte in Flensburg beginnt nicht mit der Gründung des Unternehmens 1888, sondern reicht deutlich weiter zurück. Die kriegerischen und politischen Wirren zwischen 1864 und 1867 brachten für Flensburgs Handel schwere Nachteile. Die Stadt und ihre Unternehmen verloren ihre wichtigsten – dänischen – Märkte, hohe Zolltarife galten. Zwei Währungsumstellungen waren zu verkraften, eine leistungsfähige Bank fehlte in der Stadt. Bedeutende Investitionen blieben in diesem Klima aus.

Führende Flensburger Kaufleute ergriffen von sich aus die Initiative und gründeten gemeinsam Unternehmen, die – oder deren Nachfolger – bis heute einen guten Ruf haben: die „Flensburger Dampfschiffahrtsgesellschaft von 1869“, die „Flensburger Schiffsbaugesellschaft“ 1873, die Privatbank 1874 – und die Aktienbrauerei 1873.

Zur Gründung dieser Brauerei sahen die Initiatoren gute Voraussetzungen: die günstige örtliche Lage und das gute Flensburger Wasser. Der Start war ausgezeichnet: Innerhalb weniger Tage war das Grundkapital, 150 000 Taler in 1500 Aktien, überzeichnet. Der Bau konnte beginnen. Wegen der günstigen Verkehrsanschlüsse fiel die Entscheidung für ein Gelände nördlich der Werft (der heutigen Alten Werft, heute Flensburger Fahrzeugbau), an der Galwik – der Galgenbucht. Der im Vergleich zu heutigen Industriekomplexen interessant anmutende Fabrikbau stand auf einem flachen Hügel, der sanft zur Förde hin abfiel.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1874 wurde das erste Bier gebraut. So wie der Start, waren auch die ersten Jahre ausgezeichnet. Große Mengen von Bier wurden nach Ostasien, Australien und Südamerika exportiert. In den ersten 18 Jahren erhielten die Aktionäre durchschnittlich eine Dividende von 12 Prozent. Der Vorgänger des „Flens“ wurde mit mehreren Medaillen ausgezeichnet. Die großen Erfolge gingen aber auf Kosten der rund 20 kleingewerblichen Brauereien in der Stadt , von denen 1890 nur noch drei übrig geblieben waren.

15 Jahre nach der Aktienbrauerei wurde die zweite große Brauerei in Flensburg gegründet – die Exportbrauerei am Munketoft. Hochmodern ausgestattet, produzierte sie das Bier wesentlich rationeller: mit 70 Beschäftigten 70 000 Hektoliter pro Jahr, während die 90 Arbeiter der Aktienbrauerei 40 000 Hektoliter brauten. Doch in den 1890-er Jahren machten wirtschaftliche Restriktionen den Export unmöglich, die beiden Brauereien stiegen ein in einen erbitterten Kampf um die heimischen Biertrinker. Im Jahr 1900 einigten sie sich auf einen gemeinsamen Bierpreis in der Stadt. Gespräche über eine Fusion scheiterten 1905. In der wirtschaftlichen Not nach dem ersten Weltkrieg, 1915, kam dann doch die Zusammenlegung. Es entstanden die „Flensburger Brauereien“ – ein Begriff, der über viele Jahrzehnte weiter geführt wurde, auch als die Brauerei im Norden der Stadt längst nicht mehr existierte. Der Plural signalisierte: Hier war nicht eine Firma übernommen worden, hier hatten sich zwei Unternehmen zusammengeschlossen.

Das alte Brauereigebäude, das dem Brauereiweg seinen Namen gab, sollte noch für etliche Zwecke genutzt werden. Der bekannteste war die Fischfabrik, an die sich noch viele ältere Flensburger erinnerten. In ihren Luftschutzkeller flüchteten sich bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg Kinder aus einem dänischen Kindergarten der Nachbarschaft. Zerstörungen schlossen sie in dem Keller ein, eine geborstene Wasserleitung ließ die Kleinen jämmerlich ertrinken.

In den 1980er Jahren kauften die Stadtwerke Gebäude und Grundstück. Der alte Bau sollte weg. Der Plan: Kurzen Prozess machten Sprengladungen mit dem Mauerwerk. Das allerdings hatte seine Tücken. Der Komplex war in Schalbauweise errichtet worden: Statt einer dicken Mauer zwei dünne, deren Zwischenraum mit Schlacke aufgefüllt wurde. In dieser Schlacke verpuffte die Wirkung des Sprengstoffes. Was die Sprengladungen nicht schafften, besorgte – wenn auch etwas langsamer – ein Abbruchbagger im Juli 1986.

Das war das Ende der ersten großen Brauerei im Stadtgebiet, deren Geschichte in der des Unternehmens mit dem runden Jubiläum aufgegangen ist.


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