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Konflikt in Flensburg : „Die Brücke“ erfindet sich neu

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Geschäftsführung und der Vorstand des Vereins werfen das Handtuch. Eine Mitgliederversammlung im September bringt Neuwahlen auf den Weg.

shz.de von
erstellt am 27.Aug.2015 | 07:07 Uhr

Flensburg | Sie mutet an wie eine ganz normale Stellenausschreibung. Doch hinter der Anzeige des gemeinnützigen Vereins „Die Brücke“ verbirgt sich eine Geschichte. Eine unangenehme Geschichte. Eine Geschichte, die geprägt ist von Querelen und Unstimmigkeiten von Mitarbeitern auf der einen, Geschäftsführung, Vorstand und Gesellschafterversammlung auf der anderen Seite.

Die Brücke ist auf der Suche nach einer neuen Geschäftsführung. Der Verein, so steht es auch in dem Stellenangebot beschrieben, betreibt seit vielen Jahren als Teil der gemeindenahen Psychiatrie in Flensburg Einrichtungen und Dienste im Bereich Wohnen und Begleitung. Man erwarte von den Bewerbern Personalführungskompetenz, einen angemessenen betriebswirtschaftlichen Hintergrund sowie fundierte Erfahrungen im Arbeitsfeld der Sozialpsychiatrie.

Das Bemerkenswerte: Sechs Geschäftsführer sind in gut zwölf Jahren verschlissen worden, wie Hans Thielsen, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung, bitter vermerkt. Markus Fischer, der seit Januar 2008 in führender Funktion tätig und seit April letzten Jahres Geschäftsführer ist, hat seinen Job bereits Anfang dieses Monats mit Wirkung zum 31. Oktober 2015 gekündigt.

Mit ihm hat der fünfköpfige Vorstand (bis auf eine ehemalige Mitarbeiterin) das Handtuch geworfen. Das wirft gleichzeitig die Frage auf, ob die beworbene Stellung, wie es in der Anzeige angepriesen wird, tatsächlich ein „attraktiver Arbeitsplatz mit einem großen Gestaltungsspielraum“ ist.

Als die Brücke aus der Taufe gehoben wurde, war die Keimzelle eine kleine Elterninitiative mit großen Ambitionen und viel Idealismus. Es sollte basisdemokratisch zugehen. „Wir hatten eine Idee, und die haben wir mit viel Herzblut gefüllt“, sagt eine langjährige Mitarbeiterin. Inzwischen aber habe sich die Philosophie grundlegend verändert, das Arbeitsklima verhärtet. Wendepunkt sei die Gründung einer GmbH gewesen. Die Geschäftsführung, so ist zu hören, habe die Einrichtung zu einem reinen Wirtschaftsunternehmen verkommen lassen. „Die haben Inklusion nicht verstanden“, sagt die Mitarbeiterin.

Sie steht damit nicht allein unter ihren knapp 50 Kollegen. Einige Beschäftigte haben der Einrichtung den Rücken gekehrt – oder aber wurden entlassen. Das Konfliktpotenzial ist spürbar. „Die Kommunikation ist zum Erliegen gekommen“, sagt ein anderer Mitarbeiter. „Wir stehen am Ende einer Befehlskette, werden nur noch vor vollendete Tatsachen gestellt.“

Fischer selbst will sich zu der Angelegenheit öffentlich nicht äußern, er sagt auch nichts zu Beweg- und Hintergründen seines Schrittes – lediglich, dass er seine berufliche Karriere fortsetzen werde. „Jedoch nicht bei der Brücke. “

Deutlicher wird da schon Knut Franck in seiner Funktion als Vorstandsmitglied. „Die Situation ist in den letzten Wochen kulminiert.“ Man habe auf der Leitungsebene eine neue Besitz- und Führungsstruktur aufbauen wollen, sagt er. „Wir haben immer offen gearbeitet und nichts zu verbergen.“ Doch in diesen Bestrebungen sei man von bestimmten Teilen der Mitarbeiterschaft torpediert worden. Franck: „Ich bin sauer und enttäuscht.“

Bei der letzten Mitgliederversammlung, so der ehemalige Vereinsvorsitzende, habe „eine dicke Luft geherrscht, die man mit dem Messer hätte schneiden können“. Er verteidigt den Kurs der Gesellschafterversammlung: „Es gibt einen wahnsinnigen Konkurrenzkampf im Bereich der psychiatrischen Versorgung, den wir aushalten müssen.“ Die Tatsache, dass sich nun auch noch interne Probleme hinzugesellen, macht ihm sichtlich zu schaffen.

Alleiniger Gesellschafter der Brücke Flensburg GmbH ist der Verein, in dem neben Betreuern und Unterstützern auch Betreute Mitglied sind. Vorstand Hans Thielsen betont, der aktuelle Geschäftsführer und dessen Vorgängerin, die vor etwa sechs Jahren das Amt übernommen hatte, seien regelrecht „geflohen“. Aus den gleichen Gründen – der „Nicht-Regierbarkeit“ des Vereins.

„Es gibt eine hartnäckige Zelle, die partout alte Zustände wieder installieren will“, sagt Thielsen. Die Zeit etwa, als Mitarbeiter noch im Vorstand saßen und quasi ihre eigenen Chefs gewesen seien. Aus dieser Ecke sei sogar die Forderung an den Vorstand gestellt worden, den Platz sofort freizumachen. „Doch wir sind uns unserer Verantwortung bewusst.“ Gleichwohl steht der jetzige Vorstand nicht mehr zur Verfügung. Thielsen weiß, wovon er spricht – lange Jahre war er Geschäftsführer der Mürwiker Werkstätten. „Wir sind ja keine Gurkentruppe“, formuliert er plakativ, „ und haben die Nase langsam voll.“

Der Betriebsrat der Brücke steht offenbar nicht im Zentrum der Kritik. „Es gibt eine gute Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung“, betont Thielsen. Ein Betriebsrat habe an den Sitzungen des Vorstands und der Gesellschafterversammlung teilhaben können. Thielsen: „Wir setzen also auf Transparenz und das ist durchaus nicht selbstverständlich.“

Für den heutigen Donnerstag ist eine Vorstandssitzung einberufen worden. Und im September soll in einer Mitgliederversammlung die Wahl eines neuen Vorstands auf den Weg gebracht werden. Die Bewerbungen für den Posten des Geschäftsführers sind dem Vernehmen nach spärlich. Die Entwicklung der nächsten Wochen wird mit Spannung erwartet. Knut Franck bringt es auf den Punkt: „Entweder geben wir dem Verein ein neues Gesicht oder aber er geht in einem anderen Unternehmen auf.“

Die Brücke steht am Scheideweg.


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