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Waltraud Wende in Flensburg : Die Bildungsministerin lächelt die Krise weg

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Waltraud Wende besucht die Flensburger Goethe-Schule und wirkt entspannt – trotz der aktuellen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen sie

Flensburg | Ihre Besuche an Schulen im Lande, um neue Lehrer dort zu begrüßen, standen in dieser Woche zu keiner Zeit in Frage. „Das wäre absurd, zu sagen, man mache weiter, um dann nicht weiterzumachen“, erklärte Ministerin Waltraud Wende gestern in der Goethe-Schule in Flensburg. Dort überbrachte sie fröhlich den neuen Lehrerinnen Judith Appel und Wiebke Bülow Sonnenblumen – verbunden mit dem Wunsch, dass beiden „mehr Sonne als Schatten“ bei ihrer Arbeit blühe.

Licht sucht derzeit die Staatsanwaltschaft Kiel in die Hintergründe der Rückkehr-Option an die Uni Flensburg zu bringen, die die frühere Präsidentin der Hochschule mit ihrer ehemaligen Wirkungsstätte ausgehandelt und inzwischen zurückgezogen hat. Ermittelt wird aufgrund des Anfangsverdachts auf Bestechung und Bestechlichkeit.

Ob betont oder unbetont: Waltraud Wende wirkt gelassen, locker, entspannt sogar. Auf Nachfrage sagt sie, auf die morgendliche Zeitungslektüre verzichte sie derzeit; andere würden ihr zutragen, wenn Neues berichtet würde. Mit ihren Visiten an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen mit oder ohne Oberstufe will die Wissenschaftsministerin den Kraftaufwand würdigen, den es gekostet hat, um mit insgesamt 728 neuen Lehrer-Stellen bis zum Jahr 2017 Unterrichtsausfall zu bekämpfen, befristete Arbeitsverträge zu reduzieren und die Abwanderung von Fachlehrern zu unterbinden. Der erste Schwung in diesem Schuljahr macht 228 davon aus. „Wir hatten Sorgen, dass wir keine Lehrer für Mathematik, Chemie und Physik bekommen“, erzählt Wende bei Tee, Kaffee und Bio-Keksen in der Arbeitsbücherei des Gymnasiums am Ostufer. Doch waren die Bedenken unbegründet: Nahezu 90 Prozent der neuen Stellen an Gymnasien und in Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe seien besetzt.

Überrascht zeigt sich die Ministerin davon, dass Schulleiter Arnd Reinke ausgerechnet Lehrer für das Fach Biologie „ganz, ganz oben“ auf seiner Wunschliste platziert. In ihrem Ministerium sei das nicht als Mangelfach ausgewiesen. Mathe werden Wiebke Bülow (44) und Judith Appel (27) künftig beide an der Goethe-Schule unterrichten; Appel außerdem Philosophie und Bülow zudem Chemie. Die Ministerin verrät der Runde, dass sie Abitur gemacht habe, um Chemie zu studieren. Doch während ihr theoretisches Wissen mit einer Eins plus belohnt worden sei, scheiterte sie in der Anwendung. Und schwenkte um.

Mit Freude zeigen ihr die Kollegen den neu eingerichteten Fach-Raum mit 28 Arbeitsplätzen, in dem noch Umzugskartons auf die frische Einrichtung hindeuten. Später geht die Ministerin auch den steilen Weg, den zuvor 77 neue Fünftklässler genommen haben, nämlich die Stiegen hinauf in die Kuppel. Sonnenschein und ein grandioser Überblick über die Fördestadt empfangen sie. Freundlich ist die Stimmung, plaudernd der Ton, höflich und zurückhaltend sind die Fragen an Waltraud Wende. Sie bleiben es trotz ihrer Ermunterung, dass „eine Ministerin nicht oft so hautnah“ sei.

Judith Appel möchte wissen, warum das Referendariat auf anderthalb Jahre verkürzt worden sei und erfährt, dass dies unter der Vorgänger-Regierung der Umstellung auf Bachelor-und Masterstudiengänge und der Erhöhung der Regelstudienzeit auf zehn Semester geschuldet sei. Appels Kollegin Gabriele Reinfeld spricht die vielfältigen Entwicklungen in der Schullandschaft an. „Die Arbeitsdichte ist hoch“, sagt Reinfeld. „Es wäre schön, wenn wir mehr Ausgleichsstunden hätten.“ Diesen Wunsch kann Wende nicht erfüllen. Doch drückt sie ihre Hoffnung aus, dass 30 Millionen Euro für die gesicherte Schulsozialarbeit und neue Schulassistenzstellen an Grundschulen für Entlastung sorgen.

Hellhörig wird die Ministerin beim Stichwort „Medienpädagogik“, das ihr Reinke zuspielt. Der Schulleiter, der im Februar 2013 aus Husum nach Flensburg kam, kündigt an, dass die Schule diesen Schwerpunkt setzen möchte. Wende erinnert an das neue Lehrerbildungsgesetz, das künftige Lehrer verpflichtet, sich mit Medien-Pädagogik zu beschäftigen.

Auch mit der Wortwahl „Begabungsförderung“ – im Unterschied zum eher einengenden Begriff der „Hochbegabtenförderung“ im Verständnis der Bildungsministerin – trifft der Chef der Goethe-Schule Wendes Nerv. Sie wiederholt ihre Absicht, das Gymnasium erneut zu besuchen, am besten im Frühling. An diesem Tag setzt sie ihre Reise fort, um elf neue beziehungsweise verbeamtete Kollegen in der Gemeinschaftsschule Handewitt und acht neue Lehrer für Westerland auf Sylt mit Sonnenblumen zum Schulstart zu begrüßen.

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erstellt am 28.Aug.2014 | 07:28 Uhr

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