zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

24. August 2017 | 01:35 Uhr

Juli : Die Berliner Melancholiker

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Morgen kommt die Gruppe Juli nach Flensburg. Im Max wollen die Wahl-Berliner vom Dorf vor allem Songs ihres jüngsten, ihres vierten Albums namens „Insel“ spielen und Songs vom ersten.

Flensburg | In Leonberg nahe Stuttgart 1978 geboren, im hessischen Langgöns aufgewachsen: Dass sie vom Dorf kommt und nicht aus der Großstadt ist Eva Briegel in mancher Hinsicht schon wichtig. Denn dies habe auch mit der Musik zu tun, die sie und ihre Band Juli machen. Die „jugendliche Melancholie“ in den Liedern führt die Frontfrau nicht zuletzt auf die Herkunft der Bandmitglieder (aus Dörfern rund um Gießen) zurück. Bis auf „Dedi“ (Andreas Herde, Bass), der an die Bergstraße geheiratet habe, lebten die Juli-Musiker inzwischen in Berlin. Am Mittwoch ist das Quintett in Flensburg zu Gast.

Gründungsdaten von Juli gebe es mehrere, sagt Eva Briegel und skizziert die Werdung einer der erfolgreichsten deutschen Bands der letzten Jahre – mit rund 1,5 Millionen verkauften Tonträgern – im Schnelldurchlauf: Als der Bassist Dedi 13 gewesen sei, habe er schon mit Simon Triebel (Gitarrist und Sänger) zusammen Musik gemacht. Später sei der Gitarrist Jonas Pfetzing, im Jahr 2000 sie selbst als Sängerin und kurz darauf schließlich Marcel Römer fürs Schlagzeug hinzugestoßen. Auf der Erfolgswelle begann Juli 2004 zu schwimmen – dank des Hits „Perfekte Welle“. Von den Radiostationen wurde die Single allerdings nach dem Tsunami in Asien Ende desselben Jahres abgesetzt, weil der Text allzu sehr die Katastrophe assoziierte. Dem Erfolg der Band tat dies keinen Abbruch; schließlich fanden sich auf demselben Debüt-Album andere Ohrwürmer – wie „Geile Zeit“.

Die fünf sind hauptberuflich seit 2004 Musiker. „Wir können nach wie vor davon leben“, sagt Eva Briegel. Wegen der Musik haben alle seinerzeit das Studium unterbrochen, „das alle mehr oder weniger widerwillig aufgenommen haben“, verrät die Sängerin. Sie nennt die Fächer Kunstgeschichte, Pädagogik, Psychologie, die sie nacheinander angefangen habe zu studieren. Bei neuer deutscher Literatur wäre sie wohl hängen geblieben, wenn nicht die Musik plötzlich die erste Geige gespielt hätte. Dann überrascht Briegel, die mit dem Gitarristen der Band Mia liiert ist: Musik sei für manche erfüllend, doch auf lange Sicht für sie „ein bisschen wenig“. Man müsse ja auch etwas zu singen haben, findet die Sängerin, die Songs schreibt.

Nein, so verneint sie die Frage, Fans müssen deshalb nicht in Sorge um Juli geraten. Die Band werde es weiterhin geben. Das wäre, wie eine Ehe aufzugeben, die, je länger sie bestehe, doch immer besser werde, vergleicht Briegel. „Man kämpft nicht mehr um Macht-Geschichten.“ Nach zehn Jahren sei eine solche Zusammengehörigkeit da, die will sie nicht missen. Die Tour wirke immer wie ein Motivationsschub, „weil wir merken, wie gut wir uns tun“. Anders als zuvor reise dieses Mal nicht das „Familienzimmer“ im Tourbus mit. Aus Kostengründen und, weil das zu strapaziös für alle sei: „Stecker, heiße Lampen, Alkohol“, zählt die Mutter einer kleinen Tochter auf, welchen Gefahrenquellen Kinder von Popstars so ausgesetzt sein können...

In Flensburg wollen die Wahl-Berliner vom Dorf vor allem Songs ihres jüngsten, ihres vierten Albums namens „Insel“ spielen und Songs vom ersten. Ja, und auch vom zweiten und dritten, macht die Sängerin die Reihe komplett und stellt fest, dass die Band „wesentlich mehr Songs als sonst“ auf Tour auf die Bühne bringt. Doch habe sie „noch keine Klagen gehört“. Die 36-jährige Sängerin beobachtet, dass insbesondere „2004“ und „Wasserfall“ bislang ganz gut ankämen im Publikum. „Insel“ dürfte den meisten durchs Radio im Ohr sein. Eine Strategie, sich von vergleichbaren deutschen Bands zu unterscheiden, gibt es für Juli nicht. Verkleidungen wirkten nur angestrengt. „Ich möchte gern, wie ich bin, auf die Bühne gehen. Wir sind ja keine Produkte“, betont Briegel.
 

Juli kommt mit der „Insel live-Tour“ am Mittwoch, 25. März, ins Max (Schiffbrücke) in Flensburg. Einlass ist um 18.30 Uhr, Beginn um 19.30 Uhr. Tickets kosten 28 Euro plus Gebühren, erhältlich unter Telefon 0461-588120, auf www.mittendrin-gmbh.de und an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Der Solist „Georg auf Lieder“ bespielt das Vorprogramm.

 

zur Startseite

von
erstellt am 23.Mär.2015 | 12:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen