Flensburg : "Die Baustelle ruiniert das Geschäft"

Baustelle Norderstraße: Ein Fernwärme leck sorgte hier für große Probleme.
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Baustelle Norderstraße: Ein Fernwärme leck sorgte hier für große Probleme.

Seit drei Monaten wird an der Kreuzung Neustadt/Duburger Straße in Flensburg gebuddelt. Ladenbetreiber beklagen Umsatzeinbußen und Existenznot.

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14. Juli 2012, 10:56 Uhr

Flensburg | Die Döner-Spieße in den Imbissen hinter dem Nordertor drehen einsam ihre Kreise. In der Neustadt herrscht gähnende Leere statt bunten Treibens – und das schon seit drei Monaten. "Es ist eine Katastrophe", schimpft Imbiss-Betreiberin Yildiz Göndüz. "Seitdem die Baustelle da ist, verdienen wir kaum noch was – trotz Sonderangeboten." Bereits seit fast einem Vierteljahr herrscht kein Durchkommen an der Ecke Duburger Straße/Neustadt hinter dem Nordertor, die sonst so viel befahrene Straße Neustadt ist eine Sackgasse. Autos werden über den Junkerhohlweg umgeleitet.
Die Ursache: Seit dem 16. April saniert das Technische Betriebszentrum (TBZ) hier das Kanalsystem – eine Maßnahme, die nach und nach bei allen veralteten Leitungen ansteht. "Diese Tiefbauarbeiten haben sich wegen der Vielzahl von Rohrleitungen als extrem schwierig erwiesen, weshalb ein Spezialfahrzeug angefordert werden musste", erklärte gestern Stadt-Sprecher Thomas Kuchel auf Anfrage. Das habe mehr Zeit erfordert als ursprünglich geplant. Erschwerend kam das schlechte Wetter der letzten Monate hinzu. "Der Grundwasserspiegel hat sich durch die hohen Regenmengen stark erhöht, was die Pflasterarbeiten verzögert hat", so Kuchel weiter.
"Die meisten drehen am Nordertor um, wenn sie den Bauzaun sehen"
Unverständnis, Wut und Existenzsorgen löst die Situation bei den Geschäftsleuten in der Neustadt aus. Sie leben normalerweise von der Laufkundschaft und den Autofahrern, die kurz anhalten, um in einem der zahlreichen Imbisse ihren Hunger zu stillen. "Jetzt drehen die meisten am Nordertor um, wenn sie den Bauzaun sehen", klagt Murat Youssuf, der arabische Spezialitäten verkauft. Oder eher nicht verkauft. Derzeit kommt er auf nicht einmal zehn Kunden pro Tag. "Wenn ich abends 120 Euro in der Kasse habe, ist das schon viel", erzählt er, mit Sorgenfalten auf der Stirn, "die Baustelle ruiniert das Geschäft". Seit drei Monaten habe er seine Miete nicht zahlen können, da die Einnahmen ausblieben. Finanzamt und Stromanbieter machen Druck. "Ich kann nicht mehr und werde wohl aufgeben müssen." Dies zu sagen fällt ihm sichtlich schwer, denn er hat sein Herzblut und viel Geld in den Laden investiert, allein 38.000 Euro für den Umbau.
Da wegen der Sperrung auch die Buslinien 1 und 7 die Neustadt umfahren, bleiben auch diejenigen Kunden weg, die sonst nach dem Ausstieg vorbeischauten. Hinzu kommt die Angst, "dass die Leute sich an die Situation gewöhnen" und auch nicht wiederkommen, wenn der Bauzaun endlich weg ist, wie die Geschäftsleute befürchten.
"Wissen Sie, wann die endlich fertig sind?"
Auch in der kleinen Änderungsschneiderei von Metin Hortlu gibt es kaum etwas zu tun. "Wissen Sie, wann die endlich fertig sind?" – so seine erste Reaktion, auf die Baustelle angesprochen. Doch ein Ende der Sackgassenlage ist in Sicht: Ab Montag, 7 Uhr, soll der Bereich Nordertor wieder frei sein, wie Stadt-Sprecher Thomas Kuchel gestern mitteilte. Allerdings mit einer Einschränkung. Der Verkehr kann zwar aus der Neustadt kommend vor dem Nordertor links in die Duburger Straße (Richtung Werftstraße) abbiegen, rechts herum – im oberen Abschnitt zwischen Gartenstraße und Neustadt – ist die Duburger Straße aber weiterhin gesperrt, die Umleitung über den Junkerhohlweg bleibt bestehen.
Rot-weiße Zäune blockieren nicht nur stadtauswärts hinter dem Nordertor den Durchgang, sondern auch davor in der Norderstraße ist der Bereich Norderfischerstraße bis Phänomenta seit dem 17. April voll gesperrt. Die Ursache hier: Ein Rohrbruch in einer der größten Fernwärmeleitungen der Stadt. Das Leck lag ungünstigerweise in einem großen Betonquader, der zunächst aufwändig aufgesägt werden musste. Die Fertigstellung war für Ende Mai geplant - mittlerweile sind zwei weitere Monate vergangen. Stadtwerke-Sprecher Joachim Polzin: "Es gab Verzögerungen bei der Anlieferung von Spezialteilen, ein defekter Bagger musste zunächst repariert werden und die Beton-Sägearbeiten haben viel Zeit gekostet." Außerdem wurden im gleichen Zuge direkt weitere Nebenleitungen vorsorglich erneuert. Die gute Nachricht lautet: Während der Sanierungsarbeiten gab es im Bau stellenumfeld keine Engpässe bei der Lieferung von Fernwärme und Wasser.
Laut Polzin sind die Arbeiten an der Fernwärme-Leitung selbst erfolgreich abgeschlossen, sodass nach den Pflasterarbeiten in der kommenden Woche voraussichtlich ab Montag, den 23. Juli wieder freie Durchfahrt herrscht - wenn auch nur kurzweilig. Nach Angaben der Stadtwerke stehen in der Norderstraße nämlich schon die nächsten Baumaßnahmen vor der Tür: In einem anderen Teilbereich (Hausnummern 121 bzw. 88) soll die Fahrbahn aufgegraben werden, um einen gleichartigen Schaden rechtzeitig entdecken und vorbeugen zu können.

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