Marineschule : Die Aufklärer melden sich ab

Der zwölfte und letzte Kommandeur: Oberst Michael Reiter (links) und sein Stellvertreter Oberstleutnant Rauch beim Appell. Foto: staudt
Der zwölfte und letzte Kommandeur: Oberst Michael Reiter (links) und sein Stellvertreter Oberstleutnant Rauch beim Appell. Foto: staudt

Der Fernmeldebereich 91 auf dem Gelände der Marineschule war 57 Jahre lang in Mürwik zu Hause - die Soldaten verteilen sich bundesweit.

shz.de von
22. März 2013, 07:42 Uhr

Flensburg | Nicht nur für die 216 Soldaten und 27 Zivilangestellten ist es ein eigenartiges Erlebnis, als gestern kurz vor Mittag die Geschichte der Fernmeldeaufklärung auf dem Gelände der Marineschule endet. Neben den geladenen Gästen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bundeswehr waren auch zig Ehemalige gekommen, um dabei zu sein, wenn die Einheit, die all die Jahre im Verborgenen arbeiten musste, nun öffentlich mit einem Appell außer Dienst gestellt wird: "Es ist ein komisches Gefühl", sagt Bernhard Mroß. Der Harrisleer hat fast von den Anfängen von 1963 an hier seinen Dienst verrichtet, bis er nach der Wende nach Berlin berufen wurde: "Mit Wehmut habe ich erlebt, wie das aufgelöst wird", sagt er später. Die bewegenden Momente, das Einholen und Verpacken der Fahne fotografiert er von der Empore der Marineschulsporthalle: "Es geht ein Element aus Flensburg weg, das hier immer heimisch gewesen ist", sagt Mroß weiter.

Von den mehr als 240 Soldaten und Zivilisten bleibt der Region aber ein großer Teil erhalten: Allein 80 Dienstposten wechseln nach Stadum und Bramstedtlund mit seiner beeindruckenden Antennenanlage, weitere 20 gleich in die Mürwiker Nachbarschaft zur Schule für Strategische Aufklärung, und auch der wachsende Standort Jagel kann einige der Fernmelder aufnehmen. Zieht man dann noch diejenigen ab, die in Pension oder Ruhestand gehen können, bleibt noch ein Drittel, das nun "durch die Republik gejagt" werden muss, sagt Presseoffizier Knut Armster.

Zu ihnen gehört Oberst Michael Reiter (52), zwölfter und letzter Kommadeur der seit 1956 von Mürwik aus aufklärenden Einheit. Er wird in die Auswertungszentrale nach Daun in die Eifel wechseln. "Im Auftrag des Kommandos Strategische Aufklärung leistete der Fernmeldebereich 91 durch ununterbrochene Fernmelde- und Elektronische Aufklärung einen wesentlichen Kampf zur weltweiten Krisenprävention", sagte der Oberst, ein Ingenieur. Warum die Fernmelder nach außen immer Geheimniskrämer waren, erklärte Reiter so: "Die sensitive Aufgabe unserer Dienststelle hat von uns allen eine besondere Verschwiegenheit verlangt." Und Oberst Werner Sczesny vom Kommando Strategische Aufklärung erinnerte daran, wie die Einheit der Verschwiegenen in der Öffentlichkeit dennoch immer präsent war, als Partner beim Erbsensuppenverkauf oder bei Segelgroßereignissen wie Nautics oder Sail 2000.

Rund 20 Soldaten konnten das Ende einer Epoche gestern gar nicht in Flensburg miterleben. Sie sind in Afghanistan, auf dem Balkan oder zur Unterstützung der Flotte auf dem Mittelmeer im Einsatz.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen