Flensburger Bürgerfonds : Die Armut wächst trotz Aufschwungs

Alexandra Kaiser von der „Treppe“ (links), Diakoniepastor Thomas Nolte und Karen Welz-Nettlau von der Stadt Flensburg.
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Alexandra Kaiser von der „Treppe“ (links), Diakoniepastor Thomas Nolte und Karen Welz-Nettlau von der Stadt Flensburg.

Im 15. Jahr ist Flensburgs „Hilfe im Advent“ notwendiger denn je – die Notlagen werden nicht weniger.

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30. November 2013, 10:00 Uhr

Thomas Nolte macht sich nichts vor: Die Armut in Flensburg wächst trotz Aufschwungs. Jedenfalls hat der Diakoniepastor vom Johanniskirchhof überhaupt keine Anzeichen einer Besserung: „Wir stellen fest, dass sich wirtschaftliche Notsituationen verfestigen, trotz wirtschaftlich guter Daten“, sagt er. Besonders Alleinerziehende und Familien mit mehreren Kindern seien betroffen. Oft Menschen, die ganz knapp oberhalb der Hartz-IV-Grenzen liegen. Womöglich im Monat nur zehn Euro zu viel haben für den Anspruch auf Sozialleistungen und damit durch jedes Hilfsraster fallen. Menschen, denen dann manchmal aber einfach 100 Euro fehlen, um das Kind an der Klassenfahrt teilnehmen zu lassen.

Es kommen Menschen, die eine neue Brille brauchen und selbst mit dem Null-Euro-Kassengestell nichts anfangen können, weil sie die Gläser nicht finanzieren können. Zunehmend kämen Bedürftige über die Beratungsstellen von Stadt, Kirche und Wohlfahrtsverbänden zum Bürgerfonds, weil ihnen die Gesundheitskosten über den Kopf wachsen. Hörgeräte sind ein Beispiel. Oder ein Kind muss für eine medizinische Spezialuntersuchung in die Hamburger Uni-Kliniken nach Eppendorf, seine Eltern können aber das Geld nicht aufbringen.

Eine Mutter habe sich in ihrer Verzweiflung an den Bürgerfonds gewandt, weil kein Geld für das Mittagessen in der Kita mehr da war. Und Alexandra Kaiser von der „Treppe“ trifft schon zeitig im Herbst auf Frauen mit Löchern in den Schuhen, bei denen sie ahnt: „Mit diesen Schuhen kann man unmöglich über den Winter kommen.“ Andere gingen gar nicht mehr zum Arzt, weil sie sich keine intakte Unterwäsche mehr leisten können. So sieht die alltägliche Armut aus in dieser Stadt, sagt Nolte.

Oder sogenannte „Bearbeitungsgebühren“ beim Mietwechsel: „190 Euro auf den Tisch, sonst gibt es keine Wohnung“, solche Sätze werden dem Diakoniepastor und Karen Welz-Nettlau, Leiterin der sozialpädagogischen Dienste der Stadt, immer häufiger geschildert. Ohne Geld keine neue Wohnung. Ohne neue Wohnung... Ein Teufelskreis. Alexandra Kaiser trifft in der Treppe Menschen, die sich ab Monatsmitte vor allem mit Spaghetti und Tomatensauce oder massenweise Brot ernähren, weil das am billigsten ist und satt macht.

Nolte, Kaiser und Welz-Nettlau sind sich absolut einig: „Es ist toll, dass es in Flensburg und Umgebung so viele Menschen gibt, die den Bürgerfonds unterstützen.“

Für den Bürgerfonds hat das Diakonische Werk das Konto 10108413 bei der EDG Kiel (BLZ 21060237) eingerichtet. Übersetzt in in die neue Welt von BIC und IBAN bedeutet das: IBAN: DE 14 2106 0237 0010 1084 13; BIC: GENO DE F1 EDG. Spender sollten für eine Bescheinigung im Verwendungszweck ihre Adresse angeben. Wer nicht im Tageblatt genannt werden möchte, verweise bitte darauf. Durch Ihre Spende helfen Sie in der Adventszeit und im ganzen Jahr unbürokratisch anderen Menschen in schwierigen Situationen. Die Spenden werden ohne Abzug von Verwaltungskosten weitergegeben. Die Verwaltungskosten trägt der Kirchenkreis.

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