Europa-Uni Flensburg : „Die Antwort auf Trump“

Das Direktorium des ICES: (v.l.) Christof Roos (Prof. für European and Global Governance), Ulrich Glassmann (Prof. für Comparative Institutional Analysis – Schwerpunkt Südeuropa), Vizepräsidentin für Internationales Monika Eigmüller, Hedwig Wagner (Prof. für europäische Medienwissenschaft), David Schweikard (Prof. für politische Philosophie Europas).
Das Direktorium des ICES: (v.l.) Christof Roos (Prof. für European and Global Governance), Ulrich Glassmann (Prof. für Comparative Institutional Analysis – Schwerpunkt Südeuropa), Vizepräsidentin für Internationales Monika Eigmüller, Hedwig Wagner (Prof. für europäische Medienwissenschaft), David Schweikard (Prof. für politische Philosophie Europas).

Neues interdisziplinäres Zentrum ICES mit politischem Anspruch – nächster Baustein für Europa-Profil der Uni

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27. März 2018, 17:31 Uhr

Zwischen Reykjavik und Helsinki, Rom und Oslo: Auf einer Nasa-Vogelperspektive verortet die Europa-Universität die Stadt Flensburg mitten auf dem Kontinent. Oslo, Helsinki, Dublin, Riga, Madrid, Luxemburg, Trondheim, Tallinn und Göteborg heißen die Gebäude. Seit dem Festakt am 30. Juni 2014 trägt die Uni Europa im Namen. Junge Leute kommen nach Flensburg, um den Bachelor in European Cultures and Society zu machen, im Master gibt es die Studiengänge European Studies und Erziehungswissenschaft: Bildung in Europa – Education in Europe. Ganz klar: Europa ist profilbildend für die Flensburger Uni. Die Eröffnung des „Interdisciplinary Centre for European Research“ (ICES) ist der nächste Schritt.

Und der sei nicht, wie man meinen könnte, anachronistisch. „So düster ist die Zukunft des Projekts Europas gar nicht“, prognostizierte die Direktorin des Zentrums bei der Eröffnung und verwies auf eine Studie, derzufolge die Identifikation mit der EU nach wie vor hoch sei. Monika Eigmüller, 1975 in Berlin geboren, ist seit März 2015 als Professorin für Soziologie und sozialwissenschaftliche Europaforschung an der EUF tätig.

Die europäische Integration sei ein vielschichtiger Prozess, der Gesellschaft, Politik und Kultur ständig verändere. „Das ICES hat sich zum Ziel gesetzt, mit den unterschiedlichen Perspektiven und Methoden der Sozial- und Geisteswissenschaften diese Prozesse zu erkennen und zu erforschen.“ Die Forscher werden in vier Themenfeldern – Justiz und Demokratie, Wohlfahrt und Arbeit, Kultur und Identität sowie Kommunikation – die drängendsten Fragen europäischer Entwicklung untersuchen. Eigmüller, EUF-Vizepräsidentin für Europa und Internationales, unterstrich zudem die Rolle des Zentrums für das Land: „Europaforschung hat in Schleswig-Holstein bislang keine Tradition. Die Gründung des ICES soll das ändern.“

Europa-Ministerin Sabine Sütterlin-Waack ging auf die Herausforderungen der Europäischen Union ein und nannte drei große: Brexit, Migrationspolitik und die Neuausrichtung des EU-Haushalts nach 2020. Mit Blick auf den Austritt Großbritanniens aus der EU stellten sich praktische Fragen wie die Zukunft akademischer Austauschprogramme mit britischer Beteiligung. Zum Haushalt sagte Sütterlin-Waack, dass alle EU-Programme mit Kürzungen rechnen müssen. Für das Land werde es darum gehen, „möglichst viel von den rund 800 Millionen Euro, die in der aktuellen Förderperiode in unsere Landesprogramme fließen, in die kommende Förderperiode nach 2020 hinüberzuretten.“

Uni-Präsident Prof. Werner Reinhart wies schließlich auf die politische Aufgabe hin: „Das ICES ist die Flensburger Antwort der Wissenschaft auf Donald Trump und Brexit und Viktor Orban und AfD. Die Soziologen haben Europa nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, es zu verändern.“

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