Kultur in Flensburg : Die Annett und vier Martins

Sprach auch über ihre Schwangerschaft: Annett Louisan entzückte ihr Publikum mit älteren und neuen Songs und Plaudereien.
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Sprach auch über ihre Schwangerschaft: Annett Louisan entzückte ihr Publikum mit älteren und neuen Songs und Plaudereien.

Stehende Ovationen im Deutschen Haus für die ebenso sympathische wie musikalische Sängerin Annett Louisan

shz.de von
24. März 2017, 07:28 Uhr

Im nachtblauen Licht glänzen die silbergoldenen Schuhe der kleinen Sängerin Annett Louisan, die sich leichtfüßig unter einem weiten Lichterkranz über die Bühne bewegt. Hinter ihr stehen Florian und vier Martins – sie heißen wirklich alle Martin – mit einer Anzahl von diversen Instrumenten. Ein beruhigendes Bühnenbild, das mit der leise gehauchten Stimme der Sängerin zur meditativen Atmosphäre beiträgt.

Ihre Fans begrüßt die Hamburgerin mit einem leichten „Hallo, geht’s gut?“ und plaudert dann von ihrer Schwangerschaft, ihrem Ehemann und ihrer Leidenschaft für die öffentlichen Auftritte. Es macht offensichtlich keinen Unterschied, ob sie zu 1000 Zuschauern oder einem Menschen spricht, denn mit ihrem Charme stellt sie sofort einen vertraulichen Kontakt zum Publikum her. Dazu singt sie ihre zarten Lieder zur überwiegend ruhigen, von der Begleitband perfekt interpretierten Musik.

Und doch ist Annett keine Schmusesängerin, denn in ihren Texten stecken genaue Beobachtungen und klare Gedanken, oft in eingängige Reime oder witzige Wortspiele verpackt. Auf dem Programm stehen bekannte Hits wie das vom „Roten Telefon“ oder der nervtötenden Eve, aber auch neue Lieder. In denen geht es um das beklemmende Zusammenleben ohne Liebe, Sehnsüchte nach einer unverbrauchten Wahrnehmung oder um ein problematisches Tochter-Mutter-Verhältnis. Akkordeon und Slide-Guitar, Mundharmonika und gestrichene Saiten runden die rhythmisch vielfältig gestalteten Kompositionen ab.

Ganz nebenbei lässt Louisan auch einen Seitenhieb in Richtung des „Affen“ in Amerika los. Aus ihrer letzten Veröffentlichung „Berlin Kapstadt Prag“ präsentiert die Sängerin einen starken Song von Anette Humpe, in dem es mit einem rockigen Gitarrensolo endlich auch musikalisch richtig zur Sache geht. Packender Höhepunkt ist der Engelsong von Rammstein mit verhallenden, schrägen Gitarrensounds im mystisch ausgeleuchtetem Saal.

Eher still sitzt Annett auf dem roten Samtsofa, lässt ihre Musiker mit einer noblen Geste auch mal stimmlich den Vortritt, und der Gitarren-Martin mit der tollen Stimme bekommt spontanen Applaus. Mit einem „Bye bye love“, womit auch Flensburg gemeint ist, verabschiedet sich die sympathische Sängerin unter Standing Ovations.

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