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Die an den Mauern tanzen: Hofkultur steht kopf

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Die Veranstaltungsreihe geht auf die Zielgerade und wartet heute mit einer ganz besonderen Performance auf

Flensburg | Er hängt zum Glück nicht am seidenen Faden, sondern gut gesichert an einem starken Seil. Legt sich quer, baumelt kopfüber, windet sich, einer Schlange gleich. Gleitet die Wand entlang, lugt in ein Fenster, verschwindet fast darin. Samuel Deschamps probt den vertikalen Tanz.

An einer Hausmauer auf dem Hof des Schifffahrtsmuseums begegnet ihm in luftiger Höhe seine Partnerin Angelique Barbu, ebenfalls 29 Jahre alt. Es entspinnt sich ein Pas de deux, begleitet von Schlaginstrumenten aller Couleur. David Timme, Schlagzeug-Student an der Musikhochschule Lübeck, trommelt auf alles, was nicht rechtzeitig weglaufen kann. Und wenn heute Abend die Vorstellung beginnt, dürfen sich die Gäste vor Sticks und Klöppeln nicht unbedingt sicher fühlen.

Das französische Duo Murmure stellt Sehgewohnheiten buchstäblich auf den Kopf. Es hat sich mit der Theaterwerkstatt Pilkentafel für diese außergewöhnliche Performance liiert. Kein in Deutschland obligatorisches Nummernprogramm ist dieses Stück, es erzählt eine Geschichte, hat gleichsam einen roten Faden. Gleichwohl ist die Darbietung nicht durchchoreografiert, sondern es gibt einen Rahmen, innerhalb dessen improvisiert wird. "Es barg ein gewisses Risiko, weil wir nicht wussten und wissen, was daraus wird", sagt Hofkultur-Chef Thomas Frahm. Man habe sich aber gern auf dieses neue Format einlassen wollen.

Annäherung, Liebe, Sehnsucht werden spürbar, untermalt von Texten, die dem Publikum ebenfalls einiges abverlangen werden; genauso wie der kontinuierliche Perspektivwechsel - dann etwa, wenn die Wand zum Boden wird, der Raum sich zu drehen scheint. Licht spielt eine zentrale Rolle. Der gesamte Hof wird bespielt, ein geschlossenes Gebäudeensemble, dessen Architektur Tradition und Zeitgenössisches vereint. An dem alten Kranhaus, an dem einst die Rumfässer hingen, hängt nun der Mensch.

"Es hat mich immer interessiert, verschiedene Disziplinen zusammenzubringen", sagt Samuel Deschamps. Tanz, Theater, Artistik. Ein kraftraubendes Spiel. Wie lange hält man so etwas durch? "Das Stück dauert so lange", sagt Elisabeth Bohde, "dass es sich lohnt zu kommen." Bodenhaftung bitte mitbringen!

Duo Murmure, heute um 20.30 Uhr auf dem Hof des Schifffahrtsmuseums. Abendkasse 18 , ermäßigt 9 Euro.

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erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

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