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Flensburger Tageblatt

22. Oktober 2017 | 12:40 Uhr

Die Altstadt rockt beim Honky-Tonk

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Volle Häuser beim 15. Kneipenfestival mit 17 Bands von Blues bis Latin. Flensburger Folk-Rocker präsentieren ihr neues Album.

shz.de von
erstellt am 28.Sep.2015 | 10:28 Uhr

Um 1 Uhr nachts ist die Schlange vor dem Irish Pub am Schiffbrückplatz noch fast zehn Meter lang. Die Menschen wollen hinein, um „The Andersons“ zu hören – ein Trio, das mit Inbrunst, Spaß und Leidenschaft Rocksongs covert und sich dabei lustige Mützen oder Masken aufsetzt. Die Zuschauer sind begeistert, grölen mit, hauen den Rhythmus mit der flachen Hand auf den Tresen, hinter dem das Service-Personal kaum mit dem Zapfen hinterher kommt.

In der Lounge des Hotel Arcadia geht es derweil gesitteter zu. Man sitzt an niedrigen Tischen und hört Sidney Ellis zu, einer afroamerikanischen Sängerin, die stil- und stimmsicher zwischen Jazz, Soul und Blues pendelt und dabei von einer famosen Retroband mit Orgel, Bass und Schlagzeug begleitet wird.

Es ist wieder Honky Tonk, schon zum 15. Mal, und das etwa 630. Kneipenfestival in Deutschland seit 1993. In Schweinfurt ging damals alles los, etwas später kam Leipzig hinzu, 2001 auch Flensburg. Hier geht seitdem das nördlichste Honky-Tonk-Kneipenfestival über die improvisierten Bühnen von Bars, Cafés, Pubs und Musikkneipen zwischen Deutschem Haus und nördlicher Altstadt.

Zum Beispiel im „Lord Nelson“, einer der kleinsten Kneipen der Stadt, mit nur einem Raum, in dem geraucht werden darf. Hier ist nur Platz für eine One-Man-Band, und die heißt Eric Paisley an diesem Abend, ein Hamburger, der auch den John Lennon bei den „Beatles 65“ gibt. Hier und heute zeigt er, dass sein Repertoire weit über das der Fab Four hinaus reicht und nahezu unerschöpflich scheint. „Mrs. Robinson“, „Yesterday“, „Weather with You“, aber auch – oh Schreck – „Griechischer Wein“! Hinterm Tresen sitzt Wirt Dirk auf einer Cajon und begleitet Paisleys Songs mit dumpfen, aber passenden Rhythmen.

Derweil ein paar Steinwürfe entfernt am Nordermarkt: Ein Kellner im rappelvollen Café Central würde auch beim Oktoberfest eine gute Figur machen – angesichts der vielen Bierkrüge, die er in beiden Händen durch die Menge transportiert. Und: Es scheint ein Rocker in ihm zu stecken, denn er singt aus voller Kehle die Texte der Band „Geronimo“. Das Trio um Manuel Preuß rockt die Räume über alle Ebenen. Der Bassist ist Sänger in Personalunion – und was für einer! Songs von Billy Idol oder Kings of Leon interpretiert er mit starker, markanter Stimme. Fast schon beängstigend ist das Gedränge vor der Minibühne, aber es herrscht eine Live-Atmosphäre, wie sie besser kaum sein könnte.

Selbst McDonald’s ist in diesem Jahr dabei, und hier werden hungrige Gäste, die sogar ohne Eintrittsbändchen Zutritt bekommen, zum Mitsingen geradezu gezwungen von den „Super Coverlovers“. Sogar der kleine Grieche ein paar Häuser weiter ist mit von der Partie – nicht mit Syrtaki, sondern mit „Jackbeat“, die das Terrain zwischen „Beatles“ und „The Who“ beackern. Klar, dass im „La Tasca“ die Musik karibisch klingt – muss man aber draußen hören, weil der Laden rappelvoll ist.

Wer sich an diesem Abend treiben lässt und womöglich etwas vom Weg abkommt, landet vielleicht im Volksbad. Auch hier ist es rappelvoll, auch hier gibt es Rockmusik. Das Volksbad ist aber gar nicht dabei beim Honky-Tonk, sondern macht sein eigenes Programm: Die Flensburger Band „Aalkreih“ stellt hier vor ausverkauftem Haus ihre neue CD vor. Die vielfache Konkurrenz des Honky-Tonk hat ihr nicht geschadet. Unverstärkt singen die Fünf als allerletzte Zugabe ihre traurige Ballade „Sprit“. Mit diesem Ohrwurm geht’s zurück auf die Honky-Tonk-Piste – bis morgens im „Max“ das Licht angeht.

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