Museumswerft Flensburg : Die Abenteuer der „Feuerland“

Die „Feuerland“ auf der Museumswerft soll aus dem Schatten ihres einstmaligen Kapitäns, des Fliegerhelden Gunther Plüschow, treten.
Die „Feuerland“ auf der Museumswerft soll aus dem Schatten ihres einstmaligen Kapitäns, des Fliegerhelden Gunther Plüschow, treten.

Schifffahrtsmuseum bereitet Ausstellung über den Expeditionskutter vor

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06. Juli 2018, 07:13 Uhr

Sie sieht unscheinbar aus, ist aber ein Schätzchen. Noch deutet nichts darauf hin, dass der verwitterte Schiffsrumpf an der Außenwand der Museumswerft von historischer Bedeutung ist. Die rissigen Planken und das geplagte Schiffsgerippe gehören zu einem Büsumer Segelkutter, der auf abenteuerliche Weise in 80 Jahre Zeitgeschichte verwoben ist.

Zwischen 1927 und 1929 war die „Feuerland“ schwimmende Basis des deutschen Fliegerhelden Gunther Plüschow, und auch nach ihrem Verkauf blieb ihr Leben als Versorgungsschiff in diesem rauesten der Meeresreviere über 70 Jahre lang aufregend. Sie wurde im Falklandkrieg verwickelt, beschossen, fast versenkt, war britisch-argentinische Friedensstifterin. Jetzt harrt sie als eingetragenes Kulturdenkmal des Landes Schleswig-Holstein in Flensburg ihrer Restaurierung. Um die Menschen für dieses ganz besondere Schiff zu interessieren, bereitet Susanne Grigull eine Feuerland-Ausstellung im Schifffahrtsmuseum vor. Am 19. August soll es losgehen.

„Sie ist eine so tapfere kleine Geschichte. Ich bin hoch glücklich, dass sie endlich gekommen ist“, freut sich die Museumsleiterin. Tatsächlich hatte die „Feuerland“ einige Zeit gebraucht, um von den Falklands nach Flensburg zu gelangen. 2003 war sie von dem deutschen Schiffsoffizier Bernd Buchner auf den Falklands entdeckt worden, ein Dresdener Freundeskreis, fasziniert und inspiriert von dem abenteuerlichen Leben ihres Erstbesitzers, machte sich 2007 daran, das Schiff nach Deutschland zurückzuholen. Über Büsum und Hamburg kam sie im April diesen Jahres nach Flensburg.

Arved Fuchs, mit seinem Expeditionskutter „Dagmar Aaen“ in Flensburg heimisch, hatte die Feuerland während einer Forschungsreise im Südatlantik schon mal besucht und jetzt die Verbindungen zu Museumswerft und Museumshafen geknüpft. In Regie des Förderkreises Kulturdenkmal Expeditionsschiff Feuerland soll sie restauriert und als Museumsschiff in Fahrt gebracht werden.

Sie ist ein Kutter, der begeistert. „Ich habe so etwas noch nie erlebt“, sagt Grigull. Als Carola Buchner vom Förderkreis den Kutter und seine Geschichte vor dem Förderverein des Schifffahrtsmuseums vorstellte, herrschte Gänsehaut-Atmosphäre.

„Das Publikum stand spontan auf, und dann wurde gesammelt.“ Grigull will jetzt mit den Mitteln ihres Museums für Anschub sorgen. Die längste Zeit ihres Kutterlebens war die Feuerland „Argentinierin“ – es gilt, den Bekanntheitsgrad zu erweitern und das Interesse an einem einzigartigem maritimen Objekt zu wecken. „Wir dürfen die Figur Gunther Plüschows nicht zu sehr in den Vordergrund rücken“, sagt Grigull.

Plüschow genoss in seiner Zeit Heldenstatus. Als „Flieger von Tsingtao“ hielt er im Ersten Weltkrieg die deutsche Kolonie vor den anrückenden Japanern über Wasser, nach dessen Einnahme floh er über Kiangsu, Shanghai, San Francisco und London, geriet dort in Kriegsgefangenschaft und entkam als blinder Passagier nach Hause. Er gilt als der einzige deutsche Kriegsgefangene, der je aus Großbritannien entkam.

Kein Wunder also, dass Grigull Plüschows „Feuerland“ – er nannte sie zärtlich „meine Holzpantine“ – aus dem Schatten des Abenteurers herausholen möchte. „Wir wollen Begeisterung für dieses besondere Schiff wecken“, kündigt sie an. Zurzeit sichtet sie das – überschaubare – Material, ihr zur Seite steht Rainer Prüß, der als Traditionsschiff-affiner Projektentwickler seine große Expertise mit einbringt.

Der Flensburger Diplom-Ingenieur Frank Marco Günzel ist unterdessen der Flensburger Brückenkopf des in Dresden beheimateten Fördervereins geworden. Er will helfen, die Geschichte dieses Schiffes so zu erzählen, dass der Baufortschritt auf der Museumswerft für das Publikum interessant wird. Zudem ist er Teil eines großen internationalen Unternehmernetzwerkes, über das einige der erforderlichen Spenden und Sachleistungen eingeworben werden können. „Ich setze auf die Magnetwirkung dieses Schiffs. Die Feuerland hat so viel zu erzählen.“


http://www.expeditionsschiff-feuerland.de, https://fmgi.de

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