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Interview mit Dieter Hallervorden : „Didi war gestern, heute ist Dieter“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In dem Film „Sein letztes Rennen“ gibt der 78-jährige Kabarettist, Schauspieler und Theaterleiter Dieter Hallervorden jetzt sein Kino-Comeback. 

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2013 | 07:29 Uhr

Mit seiner  klamaukigen „Didi“-Rolle hat Dieter Hallervorden Fernsehgeschichte geschrieben. Hallervorden spielt den gealterten Marathonläufer Paul Averhoff, den die Eintönigkeit des Lebens im Altersheim zurück in seine Vergangenheit trägt:  Er will noch einmal den  Berlin-Marathon laufen – obwohl ihm Familie und Freunde die Idee ausreden wollen.

Herr Hallervorden, Sie haben unlängst eine Goldene Kamera für Ihr Lebenswerk bekommen – und dann machen Sie anschließend so einen für Sie untypischen Film. Wollen Sie noch den Eindruck Ihres Lebenswerks korrigieren?
Ich sehe mein Lebenswerk gar nicht unbedingt in dem, was ich bisher geschafft habe, sondern in dem, was ich eines Tages mal geschafft haben werde. Und dieser Film ist so deutlich auf mich geschrieben, die Philosophie des Paul Averhoff ist so deckungsgleich mit meiner, dass ich mich natürlich gefreut habe, ihn spielen zu dürfen.

Wo genau sehen Sie die Parallelen zwischen Ihnen und Paul Averhoff?
Ich habe genau wie Paul meinen eigenen Kopf, ich habe mir immer Ziele gesteckt und alles versucht, um diese zu erreichen. Paul Averhoff ist jemand, der sagt: Wer stehenbleibt, hat schon verloren. Und ich sage immer: Man muss in seinem Leben mindestens einmal mehr aufstehen als hinfallen. Das sind sehr ähnliche Einstellungen.

Wenn Sie sagen, man muss immer wieder aufstehen, beziehen Sie das auch auf die Höhen und Tiefen Ihrer Karriere?
Ich meine das eher als meine persönliche Lebensphilosophie – nicht beruflich, sondern als Mensch.

Und was ist die berufliche Philosophie des Künstlers Dieter Hallervorden?
Wohlmeinende Kritiker haben mir immer eine gewisse Vielseitigkeit zugeschrieben. Und genau diese Vielseitigkeit versuche ich auch auszuleben, deswegen ist der neue Film auch ganz anders als das, was die Leute bei Dieter Hallervorden eigentlich erwarten.

Der Zuschauer erwartet eher Didi als Dieter, man bringt Sie nach wie vor meist  mit Ihren klamaukigen Rollen in Verbindung. Wären Sie gern früher ein sogenannter ernsthafter Schauspieler geworden?
Zumindest sagen mir viele Menschen, dass ich mit dem Film jetzt in einer ganz anderen Liga spiele. Außerdem habe ich doch schon ernsthafte Rollen gespielt: 1973 den Springteufel, eine bitterböse Person, oder in Wolfgang Menges Millionenspiel den Killerboss Köhler. Da habe ich mir zwischendurch eben auch die Zeit für Nonsens genommen.  Mittlerweile leite ich ja auch in Berlin das renommierte Schlosspark Theater und stehe dort viel auf der Bühne.

Diese Rolle als Marathonläufer war sicherlich nicht nur eine besondere für Sie, sondern auch  eine körperlich sehr anstrengende. Mussten Sie viel trainieren?
Ja. Ich habe fünfeinhalb Monate lang trainiert, zum Teil mit einem persönlichen Trainer. Dazu bin ich zweimal die Woche ins Fitness-Studio gegangen, habe auch an Geräten gearbeitet. Und ich bin jeden Tag gelaufen. Ich habe außerdem meine Ernährung umgestellt und  auf Alkohol verzichtet.

Und wahrscheinlich ordentlich Gewicht verloren...
Neun Kilo. Ich habe mich wirklich noch nie auf einen Film so intensiv vorbereitet wie auf diesen, weil er mir besonders am Herzen lag.

Der Film dreht sich auch um das Thema Abschied. Haben Sie mit jetzt 78 Jahren noch nie an das Karriereende gedacht, gerade auch dann, wenn die Arbeit so  anstrengend ist?
In diesem Film spiele ich Teile meines Wesens selbst, das ist für mich kein Opfer. Ich spiele nur noch, was mir gefällt. Es kann ja nicht sein, dass ich mit 78 Jahren noch nach der Gage schiele. Jetzt hat Qualität Vorrang.

Sind denn noch weitere Filmprojekte  in Sicht?
Ja, es gibt zwei neue Projekte, da ist aber noch nichts spruchreif, weil sie noch mitten in der finanziellen Planungsphase stecken.

Und da wird dann Dieter Hallervorden gefragt sein – und nicht Didi?
Da können Sie sicher sein. Sicherlich habe ich nichts dagegen, in einer Komödie zu spielen, aber dann mit anderen Mitteln. Didi war gestern, heute ist Dieter.

Gibt es in der Rückschau etwas, das Sie vielleicht besser nicht hätten machen sollen?
Es gibt einige Dinge, die ich im Nachhinein mit Kopfschütteln betrachte.  Zum Beispiel dieses Lied mit  Helga Feddersen, „Du, die Wanne ist voll“ – das hätten wir vielleicht doch besser nur für unsere Verwandtschaft aufführen sollen.

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