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Deutsch-Dänisches Projekt : Dicke Kinder: Mehr Sport in der Schule

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Forscher der Universitäten Syddanmark und Flensburg haben untersucht, wie Bewegung und Ernährung stärker berücksichtigt werden können. Weltweit nehmen chronische Erkrankungen aus diesem Grund zu.

shz.de von
erstellt am 06.Mär.2015 | 12:00 Uhr

Flensburg | Schüler laufen während des Unterrichts durch den Klassenraum oder springen auf Stühle und Tische – und der Lehrer unterstützt sie dabei. Wofür er sich heute vermutlich Ärger mit dem Schulleiter einhandeln würde. An Flensburger Schulen könnte er jedoch schon bald gefeiert werden – wenn es nach Wissenschaftlern der University College Syddanmark und der Europa-Uni Flensburg geht. Die Forscher haben sich drei Jahre lang während eines deutsch-dänischen Projekts mit neuen Perspektiven für eine nachhaltige Ernährungs- und Bewegungskompetenz beschäftigt.

Was zunächst trocken klingt, hat einen ernsthaften Hintergrund: Infolge mangelnder Bewegung und falscher Ernährung nehmen chronische Krankheiten weltweit zu. Und dies beginnt bereits im Kindesalter: Nach Erkenntnissen der Kinder- und Jugendgesundheitsstudie, deren Ergebnisse 2012 veröffentlicht wurden, leidet etwa jeder sechste Minderjährige in Deutschland unter einer chronischen Erkrankung. Die Ursachen dafür sind vielfältiger Natur, doch Bewegungsmangel und Ernährungsfehler spielen eine wichtige Rolle, finden die Wissenschaftler. Da beide Hochschulen nur rund 30 Kilometer auseinander liegen und sich im Gesundheits- und Ernährungsbereich sehr ähnlich sind, schlossen sie sich für das Projekt zusammen. „Die Dänen haben uns unheimlich inspiriert, und wir haben sehr viel gelernt“, lobt Projektleiterin Nele Schlapkohl. „Sie haben oft pfiffige Ideen.“

Aus einer davon entstand zusammen mit den deutschen Forschern und schulischen Partnern das Programm „Bewegung im Unterricht“ , bei dem ohne zusätzliche Hilfsmittel die Schüler spielerisch und in Bewegung lernen sollen und bei einigen Spielen durch den Klassenraum laufen oder auf Tisch oder Stuhl springen.

„In dänischen Schulen sind 45 Minuten Bewegung am Tag Pflicht“, berichtet Henning Kracht, Lehrer an der Deutschen Schule in Tingleff. Als Teil des Projekts wurden dort Schüler zu „Spiele-Experten“ ausgebildet und dürfen seitdem Sportangebote in den Pausen leiten. „Das hat sich als großer Erfolg herausgestellt, daher setzen wir es auf jeden Fall fort“, sagt Kracht. „Aber wir müssen noch untersuchen, ob dieses Angebot Auswirkungen auf den Unterricht hat, etwa weil die Kinder dann ruhiger sind.“

Davon sind die Wissenschaftler überzeugt. „Eine gute Pause hilft dabei, dass die Schüler die Konzentration behalten“, steht in einer Broschüre der Forscher. Wichtig war ihnen, dass Schüler sich möglichst oft gegenseitig anleiten und voneinander lernen. Das funktioniert durchaus, wie Pia Petersen (18) und Drittklässlerin Lynn (9) aus Husum beweisen. Die beiden treten in einem Brettspiel gegeneinander an, bei dem auch Ernährungsfragen gelöst werden müssen. „Das Spiel wurde vor einigen Jahren von damaligen Schülern meiner Schule entwickelt“, sagt Pia Petersen.

Doch auch ältere Bürger sollen von dem Forschungsprojekt profitieren: So entwickelten die Wissenschaftler zusammen mit der Volkshochschule Husum praxisnahe Lehrmaterialien für Erwachsene, die lesen und schreiben lernen. Auch hier dreht sich alles um die Themen Gesundheit und Ernährung. Durch den Unterrichtsraum laufen oder auf Tische und Stühle springen müssen sie allerdings nicht.

 

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