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Flensburger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 14:29 Uhr

Diamantene Hochzeit in der Wahlheimat

vom

Maria und Johann Miske aus Hürup sind heute seit 60 Jahren verheiratet / Kennengelernt hat sich das Paar in einer Kolchose in Sibirien

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Hürup | Sie fühlen sich ausgesprochen wohl in der "Liebesallee" der Seniorenwohnanlage in Hürup. Nach 60 Jahren Ehe dürfen die Eheleute Maria und Johann Miske dort heute ihre Diamantene Hochzeit feiern.

Ein bewegtes gemeinsames Leben liegt hinter den beiden. Geboren wurde der Bräutigam am 2. Oktober 1934 in Novyy Put, Russland. Seine Braut kam am 19. Dezember 1930 in dem vier Kilometer entfernten Novoja Scharapowka zur Welt. Es wurde deutsch gesprochen in ihrem alten Zuhause in Westsibirien, und Feste wie Weihnachten oder Ostern feierte man nach deutscher Tradition. Das musste allerdings heimlich stattfinden, denn ab 1942 war alles "Deutsche" in Russland verboten.

Kennengelernt haben sich die Eheleute während der Arbeit in einer Kolchose. "Meine Frau hat gemolken, und ich habe die Kühe gehütet", erzählt Johann Miske. Da im August Erntezeit war, fand die Hochzeitsfeier 1953 am Abend im ganz kleinen Kreis statt. "Das Brautkleid war geliehen, denn wir hatten kaum Geld", erinnert sich Maria Miske. Die kargen Lebensverhältnisse und die Zwänge des diktatorischen Sowjet-Staates ließen immer mehr den Gedanken an eine mögliche Auswanderung nach Deutschland aufkommen. Allerdings stand für Johann Miske stets fest: "Ich gehe nur weg, wenn die ganze Familie mitkommt!" Das bedeutete, dass die drei Kinder des Paares, eine Tochter und zwei Söhne, mit ihren Familien sich ebenfalls zu diesem Schritt hätten entschließen müssen. Das geschah dann im Jahr 1996 infolge der erleichterten Einwanderungsbedingungen durch das Spätaussiedler-Programm der deutschen Regierung. Und die Familie blieb vereint. Zusammen mit dem Ehepaar Miske reisten nicht nur die Kinder und Enkel, sondern auch noch einige Geschwister mit Familien nach Deutschland aus. Insgesamt war es eine Gruppe von mehr als 20 Personen.

Aus dem Auffanglager ging es direkt nach Schleswig-Holstein, Verwandte leben aber auch noch im Süden Deutschlands. Das Ehepaar Miske bekam 1997 eine kleine, praktische Wohnung in der zu dem Zeitpunkt fertiggestellten Seniorenwohnanlage in Hürup zugewiesen. Die Kinder fanden Arbeit in Flensburg und wohnen auch noch heute dort. Die Familie hält stark zusammen, inzwischen ist die Zahl der Enkelkinder auf elf und die der Urenkel auf sechs gestiegen. Heimweh nach Russland haben die Miskes laut eigener Aussage nicht direkt, doch eine Enkelin meint: "Oma würde gern noch einmal in die Heimat fahren, während Opa von einer Reise nach Amerika träumt."

Das Diamantene Paar ist noch rüstig und versorgt sich selbst. Maria Miske kocht und backt gern. Ihr Mann ist noch häufig mit dem Fahrrad unterwegs.

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