Diako spürt Kindersegen der Westküste

Der Vater schreibt am 08.08. per Mail: : Mutter und Kind geht's super und sind schon zu Hause.Kreißsaal Diako, Kirsten Momsen (ein M in der Mitte!) und ihr Partner Sönke Vollstedt (Tel.: 01792221439) aus Braderup (Kreis NF) bringen ihr zweites Kind in Flensburg zur Welt, da es Niebüll nicht mehr gibt, Hebamme Gisela Nainzadeh links --- Foto STAUDT
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Der Vater schreibt am 08.08. per Mail: : Mutter und Kind geht's super und sind schon zu Hause.Kreißsaal Diako, Kirsten Momsen (ein M in der Mitte!) und ihr Partner Sönke Vollstedt (Tel.: 01792221439) aus Braderup (Kreis NF) bringen ihr zweites Kind in Flensburg zur Welt, da es Niebüll nicht mehr gibt, Hebamme Gisela Nainzadeh links --- Foto STAUDT

1800 Geburten im Jahr überfordern die Spezialklinik / Erweiterung für neun Millionen Euro geplant.

shz.de von
09. August 2016, 18:09 Uhr

Der nordfriesische Kindersegen schwappt nach Flensburg und sorgt für eine voll belegte Frauen- und Kinderklinik. Die Leitung des Diakonissenkrankenhauses ist in die Offensive gegangen und will mit einer Erweiterung reagieren. Kosten: rund neun Millionen Euro.

Insbesondere frei praktizierende Hebammen merken die Überlastung der Klinik am Marienhölzungsweg. Zu den üblichen Kursen in der Geburtsvorbereitung gehört für die werdenden Mütter und Väter auch ein Gang durch den Kreißsaal. Der wird in diesen Zeiten schon mal abgesagt: „Die Bude ist voll – Besichtigung nicht möglich.“

Es wirkt wie ein Domino-Effekt: Als die geburtshilflichen Abteilungen auf Föhr und auf Sylt geschlossen wurden, verwiesen die Verantwortlichen die werdenden Eltern an die Geburtshilfe im Krankenhaus Niebüll.

Doch auch die wurde zum 1. Juli dieses Jahres geschlossen. Die Kreispolitiker hofften auf eine Verteilung der jährlich rund 240 werdenden Mütter aus dem Norden Nordfrieslands auf die Kliniken in Flensburg und Husum, vielleicht auch noch Schleswig.

Rein statistisch gesehen wäre das in der Frauen- und Kinderklinik der Diako zu verkraften gewesen, sagt Krankenhausdirektor Dr. Christian Peters. „Aber nur rein statistisch.“ Tatsächlich aber kippten viel mehr Dominosteine in Richtung Flensburg.

Die Klinik ist mit vier Kreißsälen und einem Wöchnerinnenzimmer für 1000 bis 1200 Geburten ausgestattet. Peters: „Wir liegen jetzt bei 1800 Geburten im Jahr. Es ist ein Allzeithoch.“

Für Druck sorgt auch die Tatsache, dass die Klinik die einzige Perinatalstation im nördlichen Landesteil ist: Anlaufstelle für jede Risikogeburt. So kommen am Marienhölzungsweg die Frühchen auf die Welt, die voraussichtlich nur 1250 Gramm mitbringen. „Dafür haben wir die Spezialisten, die Kliniken in Husum oder Schleswig aber nicht.“

Mit Erweiterungsmaßnahmen will die Diako die hohe Auslastung abfangen. Geplant ist die Erweiterung um einen Kreißsaal und ein weiteres Wöchnerinnenzimmer. Peters: „Mit fünf Kreißsälen sind wir dann gut ausgestattet, auch zehn Geburten auf ein Mal können wir versorgen. Das wird dann etwas trubelig.“ Für das Vorhaben sind Kosten in Höhe von neun Millionen Euro eingeplant. Wegen der Mitfinanzierung durch das Land seien Gespräche mit dem Sozialministerium aufgenommen worden. Auch beim Personal werde die Klinik aufstocken. Peters: „Wir müssen allerdings feststellen, dass nicht alle Arbeit suchenden Hebammen nach Flensburg wollen. Hebammen könnte die volle Konzentration auf Mutter und Kind durch Assistenzen ermöglicht werden, etwa durch medizinische Fachangestellte für die Dokumentation.“

Ein Schnellschuss wird das Einstellen auf den nordfriesischen Kindersegen allerdings nicht. Bis die Erweiterungsmaßnahmen wirksam werden, vergehen nach Schätzung des Krankenhausdirektors etwa eineinhalb Jahre. 

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