Rotary Flensburg : „Deutsche sind wie Kokosnüsse...“

Schließen ihren Aufenthalt mit einem Besuch im Glücksburger Schloss ab: Junge Rotariergäste aus Amerika.
Schließen ihren Aufenthalt mit einem Besuch im Glücksburger Schloss ab: Junge Rotariergäste aus Amerika.

Junge Amerikaner sammelten Einladung der Rotary-Clubs Flensburg überraschende Erkenntnisse. Kurz vor Ende ihres Jahres in Deutschland besuchten sie Schloss Glücksburg.

shz.de von
24. Juni 2014, 09:45 Uhr

Für ein Jahr haben Madeleine, Mari, Arturo, Angalee, Federico, Bruno und Maryemilia auf Einladung der drei Rotaryclubs Flensburg in verschiedenen Familien deutsches Alltagsleben kennengelernt. Zum krönenden Abschluss stand die Besichtigung des Schlosses Glücksburg auf dem Programm, wo Rotarierin Susanne Ascheron als Kulturmanagerin der Stiftung des Schlosses Glücksburg eine exklusive Führung für die jungen Leute durch Frau Franke – im wunderschönen selbst genähten Originalkostüm – organisiert hatte. Besonderen Anklang fand das Standesamtszimmer mit goldenem Mobiliar.

Neben offiziellen Veranstaltungen wie eines Besuchs der KZ-Gedenkstätte Neuengamme, eines Inboundtreffens zum chinesischen Neujahrsfest und mehrerer Reisen durch Deutschland und Europa stand vor allem die Erfahrung, in einem unbekannten Land mit unbekannter Sprache zurecht zu kommen, im Mittelpunkt. Regelmäßig haben die jungen Menschen an rotarischen Meetings teilgenommen und dabei ein großes Spektrum an kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und nicht zuletzt auch kulinarischen Einblicken gewonnen. Sie wiederum berichteten den Rotariern in auf Deutsch gehaltenen Vorträgen über ihre Heimatländer Brasilien, USA, Uruguay und Mexico.

Fast alle Inbounds reisten im vergangenen Juni mit großen Erwartungen, aber ohne deutsche Sprachkenntnisse nach Deutschland, so dass das Büffeln der Sprache in den ersten Wochen in Form eines täglichen fünfstündigen Unterrichts im Vordergrund stand. In dieser Zeit der Orientierung war und ist die Unterstützung der ersten Gastfamilie und der jeweiligen Jugendbeauftragten der Clubs von besonderer Bedeutung, aber alle Inbounds konnten insoweit nur von positiven Ermutigungen berichten.

Inzwischen haben alle Freunde und Freundinnen in den Familien und der Schule gewonnen. Einstimmig wurde das System der Unterbringung, alle drei Monate die Familie zu wechseln, als positiv beurteilt, da sie auf diese Weise eine Vielfalt verschiedener Lebensformen kennengelernt haben. Gut betreut fühlten sich die Inbounds durch die jederzeit hilfsbereiten Jugendbeauftragten der Clubs.

Was ist den jungen Leuten in Deutschland aufgefallen? Zum Beispiel hat es alle überrascht, dass Hunde sowohl in Geschäften als auch Restaurants gestattet sind. Allerdings wurde auch bemerkt, dass die Hunde sehr wohl erzogen sind.

Besonders die lateinamerikanischen Schüler stellten fest, dass Deutsche immer sehr pünktlich und im Umgang zunächst sehr zurückhaltend sind. In Brasilien oder Uruguay werde im Bus sofort das Gespräch mit dem Nachbarn gesucht. Das sei hier anders: „Deutsche sind wie Kokosnüsse, Amerikaner wie Pfirsiche“. Hat man aber einmal Freundschaft geschlossen, ist auf deutsche Freunde Verlass.

Über das Essen wurden nur lobende Worte gefunden, vor allem das Brot und der Kuchen sowie ein Hot-dog in Dänemark und Döner (!) begeisterten die Gäste.

Fast alle haben sich sportlich eingebracht und es zum Teil sogar in die Kreisliga im Frauenfussball geschafft.

Bei den Jugendlichen in Deutschland fiel auf, dass sie Wert auf Kleidung legen und zum Schulbesuch „ordentlich“ angezogen erscheinen – nicht in Jogginghosen oder Schuluniform. Auf jeden Fall haben es deutsche Jugendliche besser als Amerikaner, da sie schon ab 18 Jahren Clubs besuchen dürfen (und nicht erst ab 21). Dafür müssen sie bei Eintritt und Getränk tiefer in die Tasche greifen.

Wenige Tage vor dem Abschied gibt es gemischte Gefühle: einerseits Freude, Familien und Freunde wiederzusehen, aber auch Abschiedsschmerz. Mit zahlreichen Abzeichen auf ihren Blazern beenden sie das für sie einmalige Jahr.

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