Theater-Tausch : Deutsch-französische Bewegungen

Was ist heilig, was profan? Danach fragt Chor-Leiter Cyrille Colombier und wünscht sich Flensburger als Chöre für seine Show 'Mys tè res'. Foto: sh:z
Was ist heilig, was profan? Danach fragt Chor-Leiter Cyrille Colombier und wünscht sich Flensburger als Chöre für seine Show "Mys tè res". Foto: sh:z

Der Tag, an dem die Pilkentafel für ein Jahr nach Frankreich zieht und die Compagnie "Les Yeuc Gourmands" Flensburg bespielt, rückt näher

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21. August 2012, 02:45 Uhr

Flensburg/Chambéry | Musik beruhe nicht nur auf dem Wort. Und dadurch sei sie einfacher zugänglich und lässt Grenzen vergessen. "Sich innerhalb Europas kennen lernen", sei Sinn seines musikalischen Vorhabens, sagt Cyrille Colombier. Der 40-jährige französische Chor-Leiter und Musiklehrer hat mit seiner Show "Mystères" schon Polen bereist; nun hat er in Flensburg um Chöre und Chor-Sänger geworben und interessierte Signale empfangen. Cyrille Colombier kommt aus der Stadt Chambéry, die auch Heimat der französischen Theater-Compagnie "Les Yeux Gourmands" ist. Und diese tauscht ab dem Sommer Arbeitsort und Lebenswelt mit der Flensburger Theaterwerkstatt Pilkentafel.

"So schnell war ein Jahr noch nie", stellt Elisabeth Bohde inzwischen fest, ein Kopf der Pilkentafel. Der andere und ihr Partner heißt Torsten Schütte und hat seit Februar mehr Zeit in Frankreich als in Flensburg verbracht. Denn er ist als Darsteller in eines der Stücke der Partner-Compagnie schon involviert. Gerade zurück, erlebt er ein volles Haus, daheim in der Pilkentafel: Kamera-Mann Christophe will sämtliche Phasen des Austauschs dokumentieren und in drei Portionen teilen, die auf Deutsch "Hin", "Und" und "Weg" heißen sollen. 50 Stunden Filmmaterial hat er schon. Finanzfrau Katell lässt sich in die hiesige Buchhaltung einweihen und noch nicht entmutigen. Und natürlich ist Véronique Chatard zu Gast, die den Austausch eingefädelt hat und bei "Mystères" die Choreographie übernimmt.

Bohde und Chatard sind sich einig: Wenn es nur um Inhalte, um Kunst ginge, bedürfte es keiner Kompromisse. "Wir haben eine klare Idee von ihrer Ästhetik", sagt Elisabeth Bohde, und die harmoniert. Doch eine Quintessenz aus der konzeptionellen Vorbereitungsphase, in der, so beschreibt es Véronique Chatard, nun Bewegungsstränge zusammenlaufen und der Weg präzisiert werden müsse, lautet: "Jede Struktur hat ihre Zwänge", sagt Elisabeth Bohde und beobachtet auch: "Man stellt fest, dass Europa noch nicht so weit ist, wie man denkt." Wie vertragen sich die in Frankreich erwarteten Mindestlöhne mit dem deutschen Budget, ist eine der unbequemen Fragen, die jetzt beantwortet werden muss. Auch für die Programmplanung, den Spielplan, mit dem die französische Truppe in der nächsten Spielzeit an den Start geht, empfindet Elisabeth Bohde eine gewisse Verantwortung. Es gebe Monate, in denen man besser oder schlechter spielen könne.

Zur Eröffnung der französischen Compagnie in der Pilkentafel werde "Les Yeux de Lilith" aufgeführt - sicher eingebettet in ein Ambiente, das die Besonderheit des Theater-Tauschs würdigt, wünscht sich Bohde. Véronique Chatard reizt die Wanderbewegung, die nicht anhalten soll, während des Jahres. Auch "Mys tè res" bietet Gelegenheit dazu. Nicht nur bewegen sich die Chor-Sänger selbst während der Show über "europäische Kultur" mit zeitgenössischer Chor-Musik innerhalb der Zuschauerreihen, beschreibt von Cyrille Colombier. Für französische Künstler, die an der Show beteiligt sind, werden im Mai 2013 Unterkünfte gebraucht. "Es braucht auch die Hilfe der Stadt", sagt Elisabeth Bohde und will schon mal eine Liste aufstellen von Menschen, die sich privat als Gastgeber in den Theater-Tausch einbringen möchten.www.pilkentafel.de

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