Der Zuckerhof - Zentrale des Westindienhandels

1882 wurde das alte Adelspalais zu einer repräsentativen Fabrikantenvilla umgebaut und erhielt  die charakteristische Dreigiebelfront mit Zierelementen aus der eigenen Eisengießerei. Fotos: Dommasch
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1882 wurde das alte Adelspalais zu einer repräsentativen Fabrikantenvilla umgebaut und erhielt die charakteristische Dreigiebelfront mit Zierelementen aus der eigenen Eisengießerei. Fotos: Dommasch

Der Westindienhandel markiert Flensburgs Blüte und prägt auch 400 Jahre danach die Kultur der Stadt. Die Serie Rum- & Zucker-Meile stellt die markantesten Zeugnisse aus jener Zeit ins Licht. Zum Start: Als der Margarethenhof Zuckerhof war.

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22. Juli 2009, 06:20 Uhr

Flensburg | Der am Ende der Johannisstraße sich majestätisch erhebende Margarethenhof blickt auf eine über vierhundertjährige Geschichte zurück. Flensburgs Denkmalpfleger Eiko Wenzel, der selbst in einem Flügel des Gebäudes wohnt, hat sich eingehend mit der Geschichte des ehemaligen Adelspalais befasst. Er verweist auf ein historisches Dokument: Schon auf der Stadtansicht von Braun und Hogenberg aus dem Jahre 1588 ist ein Hofgebäude mit eingezäuntem Garten direkt am Fördeufer erkennbar.

In einer Beschreibung aus dem Jahre 1690 wird ein "Baum- und Küchengarten in St. Jürgen bey Flensburg nebst 4 aneinanderstoßenden Wohnungen, einem Garten und einem Lusthaus" genannt. 1710 gelangte das Anwesen in das Eigentum des Reichshofrats und Kammerpräsidenten Heinrich Graf zu Reventlow. Unter Detlef Reventlow zu Stubbe wurde um 1720 ein Adelspalais neu errichtet, das in seinem Kern noch im heutigen Wohnhaus erhalten ist. Einen Eindruck von seiner barocken Pracht und dem vorgelagerten, streng symmetrischen Garten mit Pavillon an der Förde, dort, wo sich heute der Stadtteilplatz vor dem Margarethenhof befindet, vermittelt ein im Reichsarchiv in Kopenhagen aufbewahrtes Aquarell.

1759 wurde aus dem Adelssitz ein gewerbliches Anwesen. Peter Holst gründete eine Seifensiederei und baute zwei Jahre später einen großen, barocken Speicher an der Johannisstraße. Wie Eiko Wenzel zu berichten weiß, richtete dessen Bruder Mathias Holst in diesem Gebäude zusammen mit Mitgesellschaftern der "Handlungsgesellschaft auf St. Croix in Westindien" im Jahre 1762 eine der ersten Zuckersiedereien (Raffinerien) Flensburgs ein, die bis 1829 Bestand hatte. Der Trakt wurde am 2. Mai 1945 bei einem Luftangriff durch Sprengbomben völlig zerstört. Der "Zuckerhof" beschäftigte einen Meister, fünf Gesellen, einen Arbeiter und einen Schreiber. Dort wurden Jahr für Jahr etwa 300 Fässer Rohzucker verarbeitet. Er gehörte zur "Westindischen Kompagnie" und war eine der erfolg reichsten Unternehmungen des Westindienhandels in Flensburg.

1789, ein Jahr, nachdem der "Westindienspeicher" auf dem Anwesen von Andreas Christiansen errichtet wurde, entstand auch der noch heute erhaltene große Speicher mit Satteldach an der Johannisstraße - ein letztes Zeugnis des "Zuckerhofes".

Ab 1842 richtete Nicolaus Jepsen dort eine Eisengießerei ein. In dieser Zeit entstand wahrscheinlich auch das Torhaus an der Johannisstraße. Auf den verlandeten Fördeflächen und im aufgegebenen Garten entstand bis zur heutigen Wilhelmstraße ein weitläufiger Fabrikkomplex.

Die historischen Speichergebäude sind im Laufe der Jahre zwar äußerlich instand gesetzt worden, haben aber noch keine neue Nutzung erhalten. Für die Baulücke, die sich an der Stelle des kriegszerstörten Speichers befindet, ist unlängst ein Bauantrag für ein Wohnhaus gestellt worden.

Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb Nicolaus Jepsen den ehemaligen "Zuckerhof" und richtete dort eine Eisengießerei ein.

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