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Bildhauer Uwe Appold : Der Zorn eines Flensburger Künstlers

vom

Der Flensburger Maler und Bildhauer Uwe Appold ist sauer auf die Stadt. Seine Kunstwerke aus dem öffentlichen Raum verschwinden - und seine Fragen ins Leere laufen.

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 12:07 Uhr

Flensburg | Es brodelt in Uwe Appold. Der Flensburger Maler und Bildhauer hat bundesweit seine Spuren hinterlassen. Kunst am Bau, Kunst im öffentlichen Raum, Kunst in der Kirche. Mit Vorliebe in seiner Heimatstadt. Doch nun fühlt er sich genötigt zu fragen: Gilt denn der Künstler nichts im eigenen Land?
Vor einigen Jahren wurde im Zuge der Innenstadt-Sanierung vor der Flensburger Holmpassage ein von ihm entworfener illuminierter Brunnen schnöde entfernt - nur die zugehörige Stele blieb. Der nächste Affront: Ein Brunnen Appolds an der St. Jürgen-Straße, der früher munter vor sich hin plätscherte und seinem Namen ("Die Welle") alle Ehre machte, blieb ebenfalls nicht verschont. Ihm entzog man kurzerhand das Wasser - da war es mit dem Plätschern auch schon vorbei.

"Ich wurde nicht informiert"


Jüngster Fall: Ein mehrteiliges Relief, das sich über die gesamte Hausbreite des Jugendaufbauwerks am Dammhof erstreckt hatte und in Zusammenarbeit mit Jugendlichen, Betreuern und Lehrkräften Ende der 70er Jahre entstanden war, ist plötzlich um ein Drittel dezimiert. Wer die Platten von der Wand montiert und mit ihnen den JAW-Schriftzug, ist dem Schöpfer derselben nicht bekannt. "Ich wurde nicht informiert und weiß bis heute nicht, wo die fehlenden Teile geblieben sind."
Das Kunstwerk aus Stahl zeigt ein Sammelsurium von Küchengeräten, es entstand unter Verwendung von Pfannen, Töpfen und Besteck. Selbst das Abbild von Appolds privater Paella-Pfanne findet sich darin wieder.

Urheberrecht verletzt, Eigentum vernichtet?


Der Künstler reagierte indigniert, ist inzwischen gar zornig. "Alle reden von Bürgerbeteiligung und Dialog. Man muss doch mit mir sprechen, bevor man sich an meiner Kunst vergreift." Für Appold wird damit nicht nur das Urherberrecht verletzt. Auch der Tatbestand der Vernichtung von Eigentum sei erfüllt, grollt er. Mehrfach habe er mit der Verwaltung über die Vorgänge gesprochen, nie eine hinreichende Antwort erhalten.
Der Kunstbegriff ist bekanntlich weit dehnbar, im Fall des Holm-Brunnens klaffen die Meinungen extrem auseinander. Während Appold den tieferen Sinn einer kombinierten Licht-Brunnen-Stele mit der Reminiszenz an die ehemals vielen Brunnen an Holm und Großer Straße begründet, sieht Stadtsprecher Thomas Kuchel in dem Kunstwerk lediglich eine Vertiefung, die den Namen Brunnen kaum verdiene. "Eher war es eine Art Pfütze." Nicht einmal das. Denn auch dieser Brunnen, so ist zu hören, hatte irgendwann sein Wasser eingebüßt, weil undicht. Der Wiederaufbau, so hat Kuchel recherchiert, hätte erhebliche Kosten verschlungen, "die nicht gedeckt werden konnten". Zum ramponierten Stahl-Relief konnten auch gestern keine näheren Angaben gemacht werden. "Wahrscheinlich", so mutmaßt er, "hat es etwas mit dem Umzug des JAW an die Eckenener Straße zu tun."
"So einfach geht das nicht", findet Uwe Appold. Zumindest zu einer Entschädigung möge die Stadt sich durchringen. Die angeblich von Bürgermeister Brüggemann gegebene Empfehlung, er könne die Verwaltung doch verklagen, findet der verkannte Künstler durchaus hilfreich. Er sei bereit, sich mit dieser Möglichkeit anzufreunden.
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