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"Bufdi" im Flensburger Rathaus : Der Willkommenskultur auf der Spur

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Dana Nguyen absolvierte ein Jahr lang den Bundesfreiwilligendienst („Bufdi) im Einwanderungsbüro der Stadt

shz.de von
erstellt am 12.Jul.2017 | 07:12 Uhr

Sie ging nach dem Abi nicht, wie viele ihrer Mitschüler, nach Australien, Neuseeland oder in die Vereinigten Staaten. Sie holte sich vielmehr die Welt nach Haus. Als „Bufdi“ im Einwanderungsbüro hat sie Kontakt mit unzähligen Nationalitäten und den verschiedensten Kulturkreisen. Ende Juli geht für Dana Nguyen der Bundesfreiwilligendienst zu Ende: Eine spannende Erfahrung und womöglich der erste Schritt auf dem Weg zur Migrationssozialberaterin. „Für mich“, sagt sie, „war es die absolut richtige Wahl und eine tolle Zeit.“

Die Tochter eines vietnamesichen Vaters und einer deutschen Mutter besuchte die Auguste-Viktoria-Schule. Nur zwei Wochen nach nach ihrem Abschluss fand sie sich plötzlich im Keller des Rathauses wieder, wo damals noch das Einwanderungsbüro untergebracht war. Ihr Bewerbung war kurzfristig angenommen worden. „Wir wussten, dass sie die Richtige ist“, sagt Uta Weinerdt-Höfer, Leiterin des Fachbereichs Einwohnerservice und Willkommenskultur. „Viele machen sich völlig falsche Vorstellungen von den Inhalten dieses Dienstes. Die Erwartungen klaffen auseinander. Mit Dana passte es sofort.“

Die 19-Jährige wurde als Erstes, wie sie sich ausdrückt, „durch alle Büros geschleift“ – vom Gleichstellungsbüro über den Museumsberg bis hin zur Presseabteilung im 13. Stock. „Alle waren nett und freundlich zu mir“, sagt sie mit ihrem ansteckenden Lächeln.

Wie alle neuen Mitarbeiter der Stadt absolvierte sie die Einführungswoche, um die Strukturen im Rathaus besser nachvollziehen zu können. Insbesondere ging es jedoch darum, die Initiativen und Akteure im Bereich der Flüchtlingshilfe kennenzulernen. So hospitierte sie beim Kinder- und Jugendbüro, dessen Ferienpassaktion auch viele geflüchtete Kinder erreicht, bei der Flüchtlingshilfe an der Schiffbrücke, in den verschiedenen Unterkünften von der Exe bis zur Graf-Zeppelin-Straße, dem Integrationscenter der Awo an der Schlossstraße oder dem DaZ-Zentrum an der Rude-Schule, wo sie bei Hausaufgaben half und die Leitung von Lernspielen übernahm. „Erstaunlich, wie engagiert hier viele Menschen arbeiten“, befindet Dana, „und wie gut vernetzt private und öffentliche Institutionen sind.“

Während dieser Zeit reiften in ihr Ideen. „Seit ich laufen kann, mache ich Karate“, sagt sie. So lag es nahe, Kurse in dieser Sportart anzubieten. Nach einer Grundausbildung zum Jugendgruppenleiter konnte sie ein Training für geflüchtete Kinder im Jugendtreff Weiche anbieten. „Sie haben alle schlimme Sachen erlebt, die wir uns gar nicht vorstellen können“, sagt Dana. „Ein paar Sekunden der Konzentration sind da ungeheuer wertvoll.“ Zudem war es ein wichtiger Beitrag zur Sprachförderung, denn gesprochen wurde nur Deutsch.

Das gilt auch für ihr zweites Projekt: Ihr Aufruf, sich als Lesepate zur Verfügung zu stellen, folgten verblüffend viele Freiwillige, darunter zahlreiche Studenten. Jeder hatte dank Danas Koordination schließlich einen festen Tag und eine bestimmte Uhrzeit, zu der er in die Unterkunft am Friedensweg kommen konnte, um Kindern vorzulesen. „Ich glaube, das hat auch sehr geholfen, deren Deutschkenntnisse zu verbessern – sie lernen ja ungeheuer schnell“, hat Dana erfahren. Sie nennt als Beispiel zwei Kinder aus Eritrea, die anfangs „nichts, aber auch gar nichts“ verstanden hatten. „Sie haben mich nur ratlos angeschaut. Nach fünf Monaten aber konnten sie sich fließend mit mir unterhalten.“

Ihr aufwendigstes Projekt war aber sicherlich, das mehrsprachige Magazin „Moin Flensburg“ mit auf den Weg zu bringen, dessen Pilotausgabe im März viersprachig (Arabisch, Deutsch, Kurdisch, Persisch) erschien. Im Übrigen half der „Bufdi“ im Einwanderungsbüro, organisierte Veranstaltungen, bot den Kunden Orientierung und noch viel mehr. „Sie war in unsere Arbeit fest eingebunden“, sagt Uta Weinerdt-Höfer. Und lobt ihren Schützling: „Sie ist kreativ, offen, strukturiert und kann mit ihren Ideen begeistern.“ Dana hat also große Fußstapfen hinterlassen – jetzt wird ein Nachfolger gesucht.

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