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Flensburger Tageblatt

12. Dezember 2017 | 09:41 Uhr

Wutbürger : Der Widerstand wächst

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Gas-Leitung durch Klues: Stadtwerke erläutern die Problematik der Trasse durch den Wald, doch die Bewohner lassen sich nicht überzeugen

shz.de von
erstellt am 11.Jan.2014 | 07:30 Uhr

Es war kein besonders gemütlicher Waldspaziergang, den die Damen und Herren der Stadtwerke und des Planungsbüros Pro Regione gestern Nachmittag erlebten. Und das lag nicht an dem immer wieder aufkommenden Nieselregen und dem übel aufgeweichten Boden. Sondern eher an den Teilnehmern der kleinen Freitagsnachmittags-Exkursion durch das FFH-Gebiet Kluesries.

Es geht um die geplante Gasleitung von der Deudan-Hauptleitung bei Ellund zu den Stadtwerken; sie ist notwendig für die neue Gasturbinenanlage der Stadtwerke, die bereits im Bau ist. Die Stadtwerke wollen die Leitung durch das dicht bebaute Wohngebiet Klues führen; deren Anlieger protestieren seit Monaten energisch gegen diesen Plan und schlagen stattdessen eine Trasse durch den Kluesrieser Wald zwischen Mads-Clausen-Straße und Förde vor. „Geht nicht“, haben die Stadtwerke schon früh dagegen gehalten – und jetzt sollte bei dieser Führung vor Ort erklärt werden, warum nicht.

Um es vorweg zu nehmen: Es gelang nicht, die immer noch aufgebrachten Bewohner zu überzeugen. Dabei hatte Projektleiter Karsten Müller-Janßen, Chef der Abteilung Anlagenbau bei den Stadtwerken, zwei Naturschutz-Fachleute des Büros Pro Regione mitgebracht, die fachkundig erläutern konnten, was ein FFH-Gebiet ist – ein Flora-Fauna-Habitat mit strengen, von der EU festgelegten Auflagen – und warum es so schwer ist, für Eingriffe in diese eine Genehmigung zu bekommen. Das hat nicht nur, aber auch mit dem Kammmolch zu tun, der hier angeblich gute Lebensbedingungen vorfindet. „Ick heff hier noch keen sehn“, beteuerte eine Klueserin. Es gehe darum, den Buchenwald und die Bodenvegetation, die mit ihm einher geht, zu schützen. „Warum wird denn hier Forstwirtschaft betrieben?“, kam sofort die Gegenfrage. „Warum darf denn in diesem FFH-Gebiet ein Yachthafen gebaut werden?“, fragte ein anderer Bewohner mit Blick auf die Marine in Wassersleben. „Das müssen Sie die Genehmigungsbehörde fragen“, antworte Pro-Regione-Vertreter Lutz Mallach.

Um die Gasleitung im Wald zu bauen, müsse man zunächst eine 13,70 Meter breite Schneise für den Bau durch den Wald schlagen, sagte Stadtwerke-Mann Ulf Rieck-Blankenburg. „Warum?“, kam sofort die zweifelnde Frage. Das seien technische Vorschriften, so Rieck-Blankenburg. Am Ende müsste eine sechs Meter breite baumfreie Fläche über der Leitung bleiben. Die Anwohner, die den Wald als Naherholungsgebiet nutzen, konnten nicht einsehen, warum das nicht möglich sein soll – zumal man für das längste Stück durch den Wald einen vorhandenen Weg nutzen könne.

Am Ende gab es keine Annäherung: „Das sind doch klein karierte Vorschriften, das kann doch kein Mensch verstehen!“, empörte sich ein Bürger. „Sie haben sich nicht genug um Alternativen bemüht“, warf Anwohnerin Natascha Machande dem Stadtwerke-Team vor, „darum sind wir auch alle so enttäuscht.“ Müller-Janßen indes betonte, dass man „in einem superengen Korsett aus Vorgaben“ stecke, dass nicht die Stadtwerke über die Genehmigung entscheiden, sondern die zuständige Behörde. Sicher ist: Der Widerstand der Bürger bleibt.

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