zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 14:19 Uhr

Der Wettbewerb um die Wegweiser

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Symbol der Benachteiligung? Hans-Werner Petersen vom Scandinavian Park kritisiert bevorzugte Behandlung des Citti-Parks bei Beschilderung

shz.de von
erstellt am 28.Feb.2014 | 00:33 Uhr

Hans-Werner Petersen hat den Scandinavian Park in Handewitt an der A7 erfunden und aus eigener Kraft zu einem großen Erfolg gemacht. Doch jetzt versteht er die politischen Entscheidungsträger in der Region nicht mehr. Er möchte gern investieren und sein Angebot ausbauen. Doch Unterstützung gibt es nicht – oder nur halbherzig. Das ärgert ihn nicht nur wegen der eigenen Pläne, die er nicht umsetzen kann. Er vermisst eine Strategie, wie sich die Region auf die absehbaren Veränderungen der Reise- und Einkaufsgewohnheiten der Skandinavier einstellen will. Sie werden nach der Öffnung der Fehmarnbelt-Route auf neuen Wegen nach Europa fahren und nicht mehr überwiegend über Flensburg und den Scandinavian Park.

Auslöser seines Ärgers sind die Begleiterscheinungen der Erweiterung des Citti-Parks im vergangenen Jahr. Ihn stört nicht der Ausbau des Angebots an sich, sondern die Tatsache, dass man ihm vergleichbare Möglichkeiten nicht einräumt. Ausdruck dafür ist die Hinweisbeschilderung. Während Citti schon an der Autobahn für sich werben darf, musste er bisher um jeden kleinen Hinweis an den Straßen kämpfen und war nicht ansatzweise so erfolgreich wie der Mitbewerber. „Das ist für mich überhaupt nicht zu verstehen“, sagt Petersen. Er werde das nicht hinnehmen, denn da würden zwei gleiche Angebote ganz unterschiedlich behandelt.

Für ihn ist das nur das letzte Teilstück einer Kette von Behinderungen, die schon bald nach der erfolgreichen Eröffnung 2006 begann. Anfangs konzentrierte er sich dort auf ein eher männliches Publikum und auf Kunden aus Skandinavien. Als er bemerkte, dass der Park auch stark von Familien besucht wurde, erweiterte er das Angebot in diese Richtung. Der Funpark öffnete seine Pforten, wiederum mit Erfolg. Doch weitere Ansiedlungen stießen plötzlich auf Widerstand. Ein Babymarkt, Outdoor-Bekleidung und -Ausrüstung, ein Stellplatz für Wohnmobil-Reisende und zuletzt eine Investition in Sachen Logistik kamen aus unterschiedlichen Gründen nicht zustande. Auf zwölf Millionen Euro beziffert Petersen die Summe der gestoppten Investitionen. Letztlich, so Petersen, fehle der politische Wille in Flensburg, in der Wirtschaftsförderung der Region und in den Nachbargemeinden, dem erfolgreichen Projekt eine noch breitere Grundlage zu verschaffen.

Petersen ist klar, dass es die wirtschaftlichen Interessen der Nachbarn sind, die sein Angebot am Stadtrand klein halten möchten: Die Flensburger Innenstadt fürchtet neue Verkaufsflächen, der Harrisleer Grenzhandel fühlt sich von der wachsenden Marktmacht des Parks bedroht, und die Mitbewerber auf der Grünen Wiese haben ihre eigenen Erweiterungspläne, die sich gegenseitig blockieren. Die Stadt Flensburg möchte das Flächenwachstum begrenzen und sieht sich unter Druck.

Petersen versteht auch das mit Blick auf seinen Scandinavian Park nicht. Seine Kunden kommen zu 65 Prozent aus Skandinavien, zu 20 Prozent aus Norddeutschland und Deutschland und nur zu acht Prozent aus der Region selbst. Er hat Millionen in die Werbung gesteckt, um diese Kunden nach Flensburg zu locken und seinen Park zu einem festen Begriff zu machen. Der Wettbewerb mit der Innenstadt und den anderen Einkaufsparks sei doch eher gering. „Das ist ein ergänzendes Angebot“, sagt Petersen. Warum er nicht mehr aus seinen hohen Investitionen machen darf, versteht er nicht.

Ihn wundert überdies die Nachlässigkeit, mit der in der Region auf die absehbaren Veränderungen durch die Fehmarnbelt-Route reagiert wird. Neumünster stelle sich mit dem Factory-Outlet-Center und dem Bau des ECE-Centers neu auf. In Lübeck gebe es Pläne für neue Einkaufsmöglichkeiten. Nur hier im Norden tue sich nichts, obwohl die Möglichkeit bestünde. Petersen will – wie bisher schon – keine Zuschüsse und keine Förderung. Er will seinen eigenen Weg gehen. Für Wirtschaftsförderer an sich eine perfekte Situation. Allein, niemand nimmt sie auf, und auch in Sachen Beschilderung versagt man ihm die Unterstützung.

Doch Petersen ist hartnäckig. Wirtschaftsförderer Olaf Krüger, zuständig für Stadt und Kreis, ist mit Petersen in diesen Fragen im Gespräch: „Ich kann seinen unternehmerischen Frust verstehen, da er erweitern möchte“, sagt der Wireg-Chef. Allerdings seien die rechtlichen Rahmenbedingungen bei seinen jüngsten Wachstumswünschen wie dem Baby-Markt nicht gegeben. Genehmigt sei am Standort Scandinavian Park Grenzhandel – und nicht klassischer Einzelhandel. „Die Landesplanung setzt beim Thema Einzelhandel sehr restriktive Grenzen“, sagt Krüger: „Ein Babymarkt funktioniert da derzeit planungsrechtlich nicht.“ Hilfreich wäre nach Auffassung Krügers zudem, wenn Petersen seine Planungswünsche noch konkretisiere.

In der Frage einer logistischen Ansiedlung auf dem WEG-Gelände (Wirtschaftsentwicklungsgemeinschaft) in Flensburg-Handewitt sei man ebenfalls in Gesprächen. Nach der großen Ansiedlung von Frode Laursen im vergangenen Jahr habe die Wireg beschlossen, derzeit von weiteren Logistik-Ansiedlungen abzusehen. Und mit Blick auf einen Stellplatz für Wohnmobile erklärt Krüger, dafür seien ihm seine Gewerbeflächen zu wertvoll.

Dass der Citti-Park im Stadtgebiet besser beschildert ist als der Scandinavian-Park, liegt nach Angaben der Stadt Flensburg auch daran, dass der Citti-Park neben dem 2012 abgestimmten Beschilderungskonzept auch noch einer der drei Park&Ride-Plätze neben Nordkreuz und Förde-Park sei: „Deshalb tauchen die häufiger auf Schildern auf“, sagt Stadtsprecher Thomas Kuchel. Für den Scandinavian-Park sei dies aufgrund der schlechteren Busanbindung nicht möglich gewesen. „Einen Antrag des Scandinavian Park an die Stadt Flensburg hat es nicht gegeben“, ergänzt Kuchel. Insofern habe es auch keine Ablehnung durch die Stadt gegeben. Und Verkehrsminister Reinhard Meyer begründete seine Entscheidung, Petersens Schilder-Wunsch an der Autobahn abzulehnen, schriftlich: Anlass für die Aufnahme des Citti-Parks in die Beschilderung an der A7 sei „allein ein erhöhtes Verkehrslenkungsbedürfnis, das für den Scandinavian Park nicht vorliegt“.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen