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Europa-Uni Flensburg : Der Weg zur Integration im Klassenzimmer ist lang

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Tagung zur Inklusion im Unterricht: Viel Theorie – (noch) wenig Praxis

shz.de von
erstellt am 13.Jun.2017 | 06:52 Uhr

Wie kann inklusiver Unterricht in den Naturwissenschaften gestaltet werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der am Wochenende stattgefundenen Schwerpunkttagung der Gesellschaft für Didaktik der Chemie und Physik in Kooperation mit der Europa-Universität Flensburg. Etwa 15 Pädagogen aus ganz Deutschland diskutierten über die Umsetzung von inklusiven Lehr-Lern-Prozessen unter der Leitung der Physikerin und Pädagogin Dr. Lydia Schulze Heuling.

Eröffnet wurde die Tagung am Donnerstag auf untypische, aber wirksame Art und Weise. Eine vermeintlich unbekannte Gehörlose verirrt sich im Tagungsraum – die Teilnehmer versuchen ihr mit Händen und Füßen zu erklären, wo sie ist. Kurze Zeit später dann die Auflösung: Es handelt sich um die Gebärdensprachdozentin Bettina Kokoschka, die in Begleitung ihrer Dolmetscherin Ute Sybille Schmitz den ersten Workshop zum Thema Barrierefreiheit leitet. Schnell wird klar, was Inklusion in der Praxis bedeutet: Die Zuhörer lernen erste Gebärden und vieles über die Kultur der Gehörlosen – und wie integriert man diese in den Schulunterricht? In der Praxis gibt es diese Eingliederung bis jetzt leider selten: „Gehörlose Kinder und Jugendliche an deutschen Schulen sind immer auf ihre Dolmetscher angewiesen, Kommunikation mit Mitschülern auf dem Schulhof ist kaum möglich“, erzählt Kokoschka im Vortrag.

Und auch in anderen Fällen funktioniert der inklusive Unterrichtsansatz noch nicht wirklich, fährt Wolfgang Reithmeier, Lehrer einer Hamburger Stadtteilschule fort: „Unser Schulsystem passt nicht zu dem Ansatz, den wir mit der Inklusion verfolgen. Wenn diese verwirklicht werden soll, müssen wir unseren Kopf aufmachen und den Blick weiten“. Für Lehramtsstudenten der Europa-Universität stehen bereits Fächer wie Inklusion, Heterogenität und Differenz auf dem Stundenplan – ein guter Anfang, der hoffen lässt, dass die Theorien wie „Gleicher Unterricht für alle – Vielfalt macht stark“ bald auch da ankommen, wo sie gebraucht werden, nämlich im Klassenzimmer.

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