Sörup : Der Wächter des Südensees

Auch während einer Pause lässt der 74-jährige Rettungsschwimmer Bernd Grigoleit den Südensee nicht aus dem Blick.
Auch während einer Pause lässt der 74-jährige Rettungsschwimmer Bernd Grigoleit den Südensee nicht aus dem Blick.

Seit 60 Jahren ist Bernd Grigoleit mit Leib und Seele Rettungsschwimmer– seit 20 Jahren wacht er über den Söruper Strand.

shz.de von
10. August 2018, 12:15 Uhr

Sörup | „Hallo Bernd“, so schallt es in den Sommerwochen häufig am Südensee in Sörup. Der Gruß gilt Bernd Grigoleit. Entweder sitzt er im roten DLRG-Shirt und roter Hose am DLRG-Wachhäuschen oder er marschiert über den Strand, sitzt mal zum „Käffchen“ und kurzem Klönschnack bei Edda Paspirgillis am Imbiss. Dabei schweift Grigoleits Blick aber unaufhörlich über das Wasser. Geschieht dort etwas Unvorhergesehenes, etwa wenn einen Schwimmer die Kraft verlässt oder er einen Krampf erleidet, greift Grigoleit sofort ein. So wie vor wenigen Tagen, als ein 20-Jähriger den Rückweg von der kleinen Badeinsel mitten im See nicht mehr schaffte. Grigoleit bemerkte als erster, dass der Schwimmer immer wieder unterging. Mit dem immer einsatzbereiten Rettungskanu war Grigoleit in kurzer Zeit bei dem jungen Mann und konnte ihn an Land bringen.

Bernd Grigoleit ist fit, seine 74 Jahre sieht man ihm nicht an. Seit 60 Jahren ist das Wasser sein Element. Damals wurde er in Neumünster Mitglied der DLRG und bereits ein Jahr später leistete er seinen ersten Wachdienst am Einfelder See. Seitdem sind viele Tausend Stunden hinzugekommen, Stunden, in denen Bernd Grigoleit an Binnenseen und an den Stränden der Ostsee von Travemünde bis Solitüde für die Sicherheit der badenden Menschen sorgte. 46 Jahre war er Wachleiter und hat viele Jahre am Weidefelder Strand als Einsatzleiter für Sicherheit gesorgt.

Dass Menschen ertrinken, weil sie nicht schwimmen können, hat ihn sein Leben lang umgetrieben. Am Wasser leben und nicht schwimmen können, die Gefahren des Wassers unterschätzen, war sein Thema, dem er sich mit großer Leidenschaft und immer ehrenamtlich gewidmet hat.

Da war die Schwimmausbildung für alle Altersgruppen. Die Schwimmausbildung der Kinder war ihm besonders wichtig. Die ehemalige Schwimmhalle der Bundeswehr in Kappeln-Ellenberg war viele Jahre seine Ausbildungsstätte. Dort hat er mit etlichen anderen aktiven DLRG-Ausbildern Schülern das Schwimmen beigebracht. Soldaten, die in Ellenberg ihre Grundausbildung absolvierten, holte er ins Wasser, damit sie in der dreimonatigen Grundausbildung auch schwimmen lernten.

1998 die Wende. Margarethe Kühn, damals Sörups Bürgermeisterin, hatte sich an die DLRG gewandt mit der Bitte, einen Rettungsdienst in der Saison am Südensee zu organisieren. Mit dem damaligen DLRG-Kreisvorsitzenden Harald Dräger schaute sich Grigoleit die Gegebenheiten am Südensee an. „Ich war von der Lage und der Natur sofort begeistert“, erinnert sich Grigoleit. Seit dieser Zeit ist er hier Stützpunkt- und zugleich Wachleiter.

Als Stützpunktleiter hat er für den Bereich Satrup-Sörup den Wachdienst und die Ausbildung zu organisieren. Eine Aufgabe, die immer schwerer fällt, denn mit dem Wegfall der Schwimmhalle in Kappeln, steht in den Wintermonaten nur die kleine Halle in Harrislee für die Ausbildung der DLRG-Retter zur Verfügung.

„Wir brauchen verstärkt Rettungsschwimmer“, unterstreicht Grigoleit mit Blick auf das Satruper Freibad. Bürgermeisterin Britta Lang hat die DLRG gebeten, die Gemeinde Mittelangeln bei der Gestellung der Badeaufsicht behilflich zu sein, denn ab der Saison 2019 will die Gemeinde das Freibad wieder in eigener Regie betreiben.

„Wir wollen gerne helfen“, sagt Grigoleit, macht aber auf Hindernisse aufmerksam. Die Badeaufsicht am Südensee dürfe deshalb nicht eingeschränkt werden. Das heißt für Satrup müsse man sich organisatorisch neu aufbauen und eigene Rettungsschwimmer ausbilden. Ein Grundstock von zehn Rettern sei erforderlich.

Unlängst hat Grigoleit die Aufgabe des Stützpunktleiters an Joachim Löffler vom Hof Südensee übergeben, Wachleiter wird er aber weiter bleiben. Vor dem Hintergrund der Aufgaben für die DLRG in Satrup wird die Aufgabe des Stützpunktleiters wohl wenig Erleichterung schaffen. „Wir werden sehen“, sagt Grigoleit, lässt sich von Edda einen Kaffee reichen und freut sich über die vielen Badegäste am Südensee in diesem Jahr. „Ja, es war eine richtige Entscheidung von Margarethe Kühn, uns an den Südensee zu holen“, lautet sein Resümee.

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